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Ausstellungstipps



DIE FÜNF AUSSTELLUNGSTIPPS DER WOCHE

Die Highlights der Woche, diesmal mit: Kibbuz und Bauhaus, Halleluwah! Hommage à CAN, Ann Veronica Janssens, Bildergeschichten: liebe, diesseits, jenseits, Miss Read
// MIRJA ROSENAU, DANIEL BOESE, JAKOBINE THEIS
Dessau: Kibbuz und Bauhaus

"Jenseits von Eden" ("Beyond Eden") haben die Künstlerin Stephanie Kloss und die Politikwissenschaftlerin Antonia Blau ihr Projekt nüchtern genannt, für das sie 40 Kibbuzim fotografierten und ihre heutigen Bewohner befragten. Die Arbeit ist Teil der Ausstellung "Kibbuz und Bauhaus", die den Einfluss des Bauhauses auf die Entwicklung der Kibbuz-Architektur anschaulich macht – einer vor 100 Jahren begründeten Form der Kollektivsiedlung in Palästina/Israel, deren sozialistisch-zionistische Utopien des Zusammenlebens sich in vielerlei Hinsicht mit Bauhausidealen deckten.

Dokumente, Pläne, Fotografien und Interieurs zeichnen in der mit der Bezalel-Akademie für Kunst und Design in Jerusalem und dem Kunstmuseum in Ein Harod konzipierten Schau die Kibbuzplanungen nach. Ausgewählte Lebenswege vergegenwärtigen den wechselseitigen Austausch: Zum einen trugen Architekten wie Richard Kauffmann oder Samuel Bickles die Ideen des Neuen Bauens nach Palästina. Zum anderen kamen Ende der zwanziger Jahre Architekturstudenten wie Arieh Sharon oder Shmuel Mestechkin zur Ausbildung nach Dessau. Dort wird nun im Meisterhaus Muche/Schlemmer auch die Filminstallation "Traces" des israelischen Filmemachers Amos Gitai präsentiert, Sohn des Architekten Munio Weinraub, der am Bauhaus studierte und 1934 nach Palästina emigrierte.

Stiftung Bauhaus Dessau: 25. November 2011 bis 9. April 2012

Berlin: Halleluwah! Hommage à CAN

Fans des Sechziger/Siebziger-Krautrocks ist CAN wohlbekannt, für alle anderen ist die Musik der ehemaligen Kölner Band schwer in Worte zu fassen, dabei hat sie heute noch Einfluss auf die Musikwelt. Sie ist am ehesten zwischen psychedelischem Rock à la Pink Floyd und Avantgarde anzusiedeln. Das Meisterwerk der Gruppe erschien 1971 und trägt den Namen "Tago Mago", darauf ist das Stück "Halleluwah", das den Stil von CAN in einem Song verdichtet. 2003 wurde die Band mit einem Echo für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, die ehemaligen Mitglieder sind inzwischen mit Soloprojekten beschäftigt. 40 Jahre ist das Erscheinen von "Tago Mago" her, was internationale Künstler und Schriftsteller zum Anlass genommen haben, sich von dem CANschen Soundgebilde inspirieren zu lassen. Unter "Halleluwah! Hommage à CAN" findet im Berliner Künstlerhaus Bethanien dazu eine Ausstellung von etwa 50 kreativen Köpfen statt, darunter Klaus Killisch, Norbert Bisky oder Robert Lippok. Die präsentierten Malereien, Videos, Soundskulpturen und Objekte im Zeichen von CAN sind mindestens so facettenreich wie ihre Musik.

Künstlerhaus Bethanien, 25. November bis 18. Dezember, www.bethanien.de

Münster: Ann Veronica Janssens

Als "sinnliche Erfahrbarkeit von Realität" fasst eine Sprecherin der Ausstellung das Schaffen von Ann Veronica Janssens zusammen. Für den Besucher wird sie ein Wechselbad der Gefühle. Die belgische Künstlerin bettet ihre Installationen eigens in die räumlichen Gegebenheiten des Museums in Münster ein. Während vergangene Projekte vor Farbe nur so strotzten, sind sie dieses Mal fast ausschließlich in schwarzweiß gehalten. Ein großer Saal der Ausstellungshalle ist völlig verdunkelt, hier wird man zunächst mit Nebel und hektischem Stroboskoplicht empfangen, der Puls rast. Gleich darauf die Beruhigung: Im nächsten Raum sind verschiedene Projektionen zu sehen. Sie zeigen diffuses Licht, das sich immer wieder in kleinste Einzelteile auflöst, es ist zum Nebel zerstäubtes Wasser. Die schwebenden Teilchen erinnern an fallende Sterne. Das kleine Kabinett der Ausstellungshalle wird schließlich zum Schauplatz eines Films. Er zeigt Boden und Wände eines leeren Raumes, mit unruhiger Handkamera gefilmt. Ob es der Raum ist, in dem man sich befindet, wird nicht aufgeklärt. Man fühlt sich beobachtet – Herzklopfen.

Austellungshalle Zeitgenössische Kunst, 26. November bis 12. Februar, www.muenster.de/stadt/ausstellungshalle

Kiel: Bildergeschichten: Liebe, diesseits, jenseits

Feridun Zaimoglu ist mehr für seine epischen Romane bekannt – wie seinem ersten "Kanak Sprak" oder seinem letzten "Ruß" – als für seine Begeisterung für Kunst. Dabei hatte er mal angefangen, sie zu studieren, bevor er sich für die Literatur entschied. Der Kunsthalle seiner Heimatstadt Kiel ist er "als bildender Künstler eng verbunden", so schreibt das Museum. Nun lässt sich Zaimoglu gemeinsam mit seinem langjährigen Co-Autor Günter Senkel von den Sammlungspräsentationen der Kunsthalle inspirieren. Unter dem Titel "Bildergeschichten" entsteht so eine Uraufführungsreihe, die vom Schauspiel Kiel produziert und in der Kunsthalle gezeigt wird. Die Ausstellungsräume werden zur Bühne, und Kunstwerke und Schauspieler treten in einen unmittelbaren Dialog miteinander.

Kunsthalle, Premiere: Freitag, 25. November, 19 Uhr und 21 Uhr

Berlin: Miss Read

Weil "Politik, Soziales, Erlebtes, Sexualität, Bilder, Farben, Klänge, und natürlich Macht, wir, du, ich, ihr in ein Buch zu packen sind" – darum werden, so legt es zumindest die Ankündigung zur Buchmesse "Miss Read" nahe, Kunst- und Künstlerbücher produziert. 80 Verleger, Künstler und Buchhändler aus der ganzen Welt, neben der Gastgeberstadt unter anderem auch aus Toronto, Posen, Seoul, York, Stockholm, New York und Ljubljana stellen in den Berliner Kunst-Werken ihre Publikationen vor. Im Rahmenprogramm unter anderem: ein Poetry-Gespräch des in Berlin lebenden US-Künstlers Jason Dodge mit dem Kurator Dieter Roelstraete, eine Diskussion des Online-Magazins Triple Canopy und dem New Yorker Designstudio Project Projects und ein Open Mike des auf "Buchpiraterie" spezialisierten Londoner Piracy Project, das sich das Kopieren, Neuherausgeben, Übersetzen, Paraphrasieren, Imitieren, Re-organisieren und Manipulieren bereits existierender Schriften und Bücher zum Programm gemacht hat.

KW Institute for Contemporary Art, 25. bis 27. November, Eröffnungsparty am Freitag, 25.11., 21 Uhr bis Mitternacht im Café Bravo. Kinder ab fünf Jahren können am Sonntag, 27.11., 15-17 Uhr ein Kinderkünstlerbuch produzieren (Anmeldung unter info@kw-berlin.de, die Teilnehmerzahl ist auf 15 Kinder begrenzt). Der Eintritt und die Workshopteilnahme sind frei

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