Bildhauer Josephsohn gestorben

Er galt als schwierig und schweigsam, Anerkennung erfuhr er erst spät. Mit 92 Jahren ist der Bildhauer Hans Josephsohn gestorben.

Der Bildhauer Hans Josephsohn, der den menschlichen Körper in kolossalen Plastiken darstellte, ist tot. Er starb im Alter von 92 Jahren in der Nacht zum Dienstag in Zürich, wie die Stadtverwaltung am Mittwoch bestätigte. In vielen Schweizer Ortschaften stehen Werke des Künstlers im öffentlichen Raum, allein acht in Zürich.

Die große Kunst des Bildhauers, der vor allem mit Gips arbeitete, sei lange verkannt worden, hieß es in der "Neuen Zürcher Zeitung". Sein Spätwerk habe aber mit großen Ausstellungen - unter anderem im Amsterdamer Stedelijk-Museum (2002) sowie in der Kolumba Köln (2005) und im Frankfurter Museum für Moderne Kunst (2008) - "einzigartigen Ruhm" erfahren.

Der 1920 im ostpreußischen Königsberg (heute Kaliningrad) geborene Künstler hatte 1939 in Zürich als jüdischer Flüchtling Aufnahme gefunden. Er war aus Nazi-Deutschland zunächst nach Italien emigriert und dann in die Schweiz. Zu seinen Lehrmeistern gehörte der Bildhauer Otto Müller. 1943 eröffnete Josephsohn sein eigenes Atelier. Zeit seines Lebens widmete er sich der menschlichen Figur, meist der weiblichen, die er in überdimensionalen, oft nur grob ausgearbeiteten Plastiken gestaltete.

Einem breiteren Publikum wurde der Künstler spätestens 1997 mit einer Ausstellung im Zürcher Helmhaus bekannt. Die Schau vereinigte 40 gewaltige in Bronze oder Messing gegossene Rundplastiken, Halbfiguren und Köpfe, sowie Reliefs, die er seit den 1940er-Jahren geschaffen hatte. Josephsohn habe als "der schweigsamste Künstler überhaupt" sowie als "unnahbar und schwierig" gegolten, hieß es in der NZZ.

"Im permanenten Gipsstaub seines Rückzugsgebiets, das von Hunderten von Gipsfiguren gesäumt und mit Wellblechen geschützt war, befand sich jeder Besucher auf dem Prüfstand", beschrieb der Kurator und frühere Direktor des Basler Tinguely-Museums Guido Magnaguagno Begegnungen mit dem Bildhauer. "Allenfalls gab im klösterlichen Innenhof seines Ateliers, das einem luxuriösen Bretterverschlag glich inmitten einer durchschnittlichen Zürcher Wohnsiedlung an der Burstwiesenstrasse, das Wippen seiner Zigarillos karge Antworten."

Anders als viele Bildhauer meißelte Josephsohn nicht, sondern modellierte. Seine Plastiken entstanden durch das Auftragen und Anhäufen des Materials, nicht durch das Wegnehmen von einem festen Materialblock. Seine frühen Arbeiten aus den 50er Jahren sind sehr reduziert, ähneln schlanken Stelen. Später gewannen die Formen immer mehr Volumen. dpa

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