Plattner: Keine Kunsthalle in Potsdams Mitte

Software-Milliardär Hasso Plattner hat sich endgültig von seinen Plänen verabschiedet, eine Kunsthalle in Potsdams Stadtmitte zu errichten.

Darüber hat der Mäzen in einem offenen Brief Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) informiert, wie er am Mittwochabend mitteilte. Es hätte so schön sein können: Eine moderne Kunsthalle im Herzen Potsdams, geschenkt von einem großzügigen Förderer der Stadt. Nach hitziger Debatte hat Software-Milliardär Hasso Plattner dem zentralen Standort für seine Kunsthalle jedoch endgültig eine Absage erteilt. Er wolle nicht in die Stadtplanung eingreifen, hieß es unter anderem zur Begründung. "Die Planung für meine Kunsthalle wird sich nun auf den Campus am Jungfernsee konzentrieren", so der Unternehmer. Damit ist der Versuch auch prominenter Potsdamer erfolglos geblieben, Plattner zu überzeugen, am ursprünglichen Standort festzuhalten.

TV-Moderator Günther Jauch bedauerte das Aus zutiefst. "Eine solche Chance bekommt Potsdam nie wieder", teilte der Wahl-Potsdamer der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag mit. "Dieses Trauerspiel samt der verheerenden Außenwirkung wird die Stadt noch lange verfolgen", meint der Moderator. "Wer möchte da für Potsdam noch ebenso mutig wie großzügig mäzenatisch tätig sein?"

Jauch - selbst großer Förderer Potsdams - hatte sich gemeinsam mit anderen Prominenten für den Standort im Herzen der Stadt eingesetzt. Harsche Kritik gab es jedoch von den Linken in Potsdam und einem Teil der Einwohner. Sie lehnten den Bau im Lustgarten vis-a-vis zum künftigen Landtag im wieder aufgebauten Stadtschloss ab. Denn für die Kunsthalle soll ein Hotelkomplex aus DDR-Zeiten weichen.

Diesen will die Potsdamer Stadtspitze schon lange abreißen. Sie hat jedoch kein Geld, um den Eigentümer - eine New Yorker Investmentfirma - auszuzahlen. Plattners Pläne und dessen Finanzkraft boten eine Chance, die Umgestaltung zu realisieren. Rückenwind gab es dafür vor zwei Wochen von den Stadtverordneten: Mehrheitlich sprachen sie sich für den Bau einer Kunsthalle in der Stadtmitte aus.

Diese Entscheidung ist nun hinfällig. "Leider ist es nicht gelungen, Herrn Professor Plattner davon zu überzeugen, dass in dieser diskutierfreudigen Stadt die Gegner des Standorts Hotel Mercure eher in der Minderheit sind", meinte OB Jakobs voller Bedauern.

Nach Überzeugung von Jauch wurde eine große Chance vertan. "Ein städtebaulicher Schandfleck wäre verschwunden. Eine moderne Kunsthalle wäre erstanden. Eine großartige Sammlung hätte ihren Platz in der Mitte Potsdams gefunden. Und das alles geschenkt", meinte der Talkmaster.

Auch Modedesigner Wolfgang Joop zeigte sich betroffen: "Diese Stadt kennt statt Demut und Dankbarkeit nur Neid und Missgunst", sagte er dpa. "Man hätte bestimmte Leute mit Ignoranz strafen sollen", sagte der gebürtige Potsdamer. "Ich hätte mir sehr gewünscht, dass Hasso Plattner nicht auf diese Leute gehört hätte."

Positiv aus Sicht der Stadt bleibt, dass Plattner die Kunsthalle nach wie vor in Potsdam errichten will. "Wir werden uns nun mit unseren Planungen auf den Jungfernsee konzentrieren, um dieses großartige Angebot von Professor Plattner dort möglichst zügig umzusetzen", betonte Jakobs. dpa

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