Sammlung Sigg geht nach Hong Kong

Der Schweizer Sammler Uli Sigg und seine Frau Rita haben gestern den Großteil ihrer Sammlung chinesischer Gegenwartskunst dem Museum M+ in HongKong geschenkt.

"Gestern war ein historischer Tag für HongKong und für die Museumswelt, so wie ich sie kenne. Durch die Schenkung eines wesentlichen Teils der Sammlung Sigg wird HongKong zu einem Zentrum für die chinesische Kunst seit den siebziger Jahren. Kein anderes Haus kann heute noch eine solche Sammlung aufbauen", sagte Lars Nittve. Der Direktor des Museums M+ war sichtlich gerührt, als er heute bei der Art Basel vor die Journalisten trat. Der Schweizer Sammler Uli Sigg hatte gestern in HongKong einen Vertrag unterzeichnet, der die Schenkung von 1463 Kunstwerken an M+ festhält. Daneben hat das Museum weitere 47 Werke der Sammlung Sigg für 18 Millionen Euro erworben. "Es war uns wichtig, durch diesen Ankauf zu zeigen, wie sehr wir uns diesem Geschenk verpflichtet fühlen", begündete Nittve den Ankauf. Sigg ermöglicht der Betrag, "weiterhin Kunst zu kaufen, Künstler bei der Realisierung von Projekten zu fördern und meine Stiftungen weiterhin zu unterstützen". Das Auktionshaus Sotheby"s, das vor einem Monat die Sammlung gesichtet hat, schätzt den Wert der Schenkung auf 163 Millionen US-Dollar.

Das Museum verpflichtet sich, während drei Jahren substantielle Teile der Sammlung auf 5000 Quadratmetern Fläche auszustellen und danach stets mindestens einen Drittel der Gabe im Rahmen der Sammlungspräsentation zu zeigen. "Auf diese Forderung des Sammlers sind wir gerne eingegangen", sagte Nittve, "wir wollen eher mehr Werke zeigen. Für uns ist diese Schenkung der Kern unserer künftigen Museumssammlung." Und er verwies darauf, dass der Bestand so umfassend ist, dass er praktisch für jedes erdenkliche Thema als Fundament genutzt werden kann. "Die Ausschnitte, die bisher zu sehen waren, sind eher klein und spiegeln das Interesse westlicher Kuratoren. Chinesen werden andere Aspekte auswählen", so Nittve. "Ich verstehe die Sammlung als Dokument, das die Entwicklung der chinesischen Kunst seit dem Ende der Kulturrevolution in ihren wesentlichen Stationen und Akteuren nacherzählt", erläutert Sigg. Dazu gehört viel mehr als das, was der Markt bisher abgebildet hat. "Die Sammlung zeigt das Gewebe einer Epoche. Sie hat einen enzyklopädischen Anspruch, wie er normalerweise von keinem Privatsammler erfüllt wird", so Nittve.

Diese Einschätzung und das hohe persönliche Engagement des ehemaligen Direktors der Tate Modern in London haben wesentlich dazu beigetragen, dass der Schweizer Sammler sich für HongKong entschieden hat und die Unsicherheiten in Kauf nimmt, welche die Schenkung begleiten. "Ich bin zwar zufrieden über diesen Ausgang, aber die Belohnung werden wir erst in fünf Jahren erhalten", sagte er in Basel. So lange wird es nämlich noch dauern, bis das Museum M+ seine Tore öffnet.

G.M.

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