Kein Schneider-Projekt wegen documenta

Die Kunstausstellung documenta hat offenbar die evangelische Kirche in Kassel dazu gebracht, auf eine geplante Schau des Künstlers Gregor Schneider zu verzichten.

Der Künstler habe ein interessantes Projekt für die Kirche und den Vorplatz vorgelegt, sagte der Direktor der Evangelischen Akademie Hofgeismar, Karl Waldeck, der Nachrichtenagentur dpa. Die documenta habe jedoch signalisiert, dass sie ein Kunstwerk auf einem öffentlichen Platz nicht wünsche. Waldeck war 2011 noch Sprecher der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und in der Gruppe, die die Kunstvorhaben der Kirche zur documenta organisiert hat. Die Macher der Kunstausstellung wollten das Thema nicht kommentieren.

Der renommierte Künstler aus Mönchengladbach wollte während der documenta eine Installation an der Karlskirche aus Resten eines Festes in Kalkutta ausstellen - unter anderem auch auf dem Kirchenvorplatz. "Das Verhalten der documenta ist einfach nur beschämend und macht mich sprachlos", sagte Schneider.

Das Projekt umzusetzen, ohne den Vorplatz einzubeziehen, sei nicht so interessant gewesen, betonte Waldeck. Rund 70 000 Euro waren als Budget für die Ausstellung veranschlagt worden. "Ich kann die Enttäuschung von Herrn Schneider verstehen", sagte Waldeck. Er bedauere, dass es nicht zu der Realisierung gekommen sei. Stattdessen bietet die EKKW nun unter anderem Künstlergespräche und Seminare mit dem Kasseler Künstler Horst Hoheisel an.

Die katholische Kirche in Kassel war vor kurzem von der documenta angegriffen worden. documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld kritisierte vor zwei Wochen die katholische Kirche scharf, weil auf dem Turm der Sankt-Elisabeth-Kirche in Kassel eine menschliche Figur des Bildhauers Stephan Balkenhol installiert wurde. "Es stört erheblich. Die künstlerische Leiterin fühlt sich von dieser Figur bedroht, die mit der documenta (13) nichts zu tun hat", sagte er. Er fordere Respekt für die Weltkunstausstellung, könne aber nicht
vorschreiben, dass die Figur entfernt werde. Bereits im Vorfeld habe er beide Kirchen aufgefordert, auf zeitgenössische Kunst zu verzichten. "Die evangelische Kirche hat das verstanden." dpa

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