Bonn entschädigt Flechtheim-Erben

Erstmals hat ein deutsches Museum sich mit den Erben des legendären jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim über die Rückgabe eines Gemäldes geeinigt.

Nach dreijährigen Verhandlungen entschädigt das Kunstmuseum Bonn die Nachkommen Flechtheims für das 1913 entstandene Gemälde "Leuchtturm mit rotierenden Strahlen" des rheinischen Expressionisten Paul Adolf Seehaus (1891-1919). Es war einst im Besitz des von den Nazis verfolgten Galeristen Flechtheim (1878-1937). 1949 hatte das Bonner Kunstmuseum das Bild des Schülers von August Macke auf einer Auktion in Stuttgart erworben.

Der Verein der Freunde des Museums werde die Hälfte des geschätzten Marktwertes des Bildes an die Erben zahlen, sagte Museumschef Stephan Berg am Donnerstag. Es handele sich um eine Summe "im niedrigen fünfstelligen Bereich". Damit sei eine "faire und gerechte Lösung" im Sinne der internationalen Washingtoner Konferenz von 1998 und der deutschen Vereinbarungen zur Suche und Rückgabe von NS-Raubkunst erzielt worden, sagte Berg.
Flechtheim hatte das vom Kubismus und Futurismus beeinflusste Bild den Recherchen des Museums zufolge von 1919 bis 1933 besessen. Im Jahr der Machtübernahme Hitlers hatte sein langjähriger Prokurist Alex Vömel, der NSDAP- und SA-Mitglied war, den Düsseldorfer Stammsitz der Galerie übernommen. Bis heute konnten Forscher nicht genau klären, ob es sich um eine frühe "Arisierung" handelte. Flechtheim flüchtete 1933 aus Deutschland und starb 1937 in London.
Der Großneffe Flechtheims, Michael Hulton, dankte dem Museum für das "einfühlsame Verständnis" für das tragische Schicksal seiner Familie. "Ich hoffe, dass auch andere Museen jetzt bereit sind, sich dieser Verantwortung zu stellen und dem Beispiel der Stadt Bonn zu folgen", sagte er.
Nach Angaben von Hultons Anwalt Markus Stötzel werden derzeit noch Gespräche über 15 bis 20 Werke aus dem früheren Besitz Flechtheims geführt. Verhandelt werde unter anderem mit dem Museum Ludwig in Köln, der Kunstsammlung NRW und dem Museum Kunstpalast in Düsseldorf sowie den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Berg sagte: "Jeder Fall ist ein Einzelfall." Die Bonner Einigung mit den Erben sei "kein Präjudiz für den Umgang mit dem Thema im Hinblick auf weitere Museen. dpa

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