"War das nicht Brad?"
Brad Pitt ist auch da. Zusammen mit einem Berater läuft er mit schnellen Schritten die Kojen ab. Er hinterlässt eine Spur von staunenden und tuschelnden Besuchern: "War das nicht?" und "Hast du gesehen?" Aber dann geht alles schnell wieder seinen geregelten Lauf. Immerhin ist man hier nicht in Cannes, sondern in Basel. "Deshalb lieben die Stars die Schweiz", erklärt ein Landsmann. "Nirgends sind die Menschen so diskret und behandelt Stars wie normale Menschen." Komisch, bisher dachte man ja immer, die Stars würden nur aus Gründen der Steuerflucht hier leben.
Der Scheich in Weil am Rhein
Einen solchen Menschenauflauf hat das Vitra-Design-Museum in Weil am Rhein noch nicht gesehen: Wo sich sonst vereinzelte Designgourmets mit der Evolution des Stuhls im 20. Jahrhundert beschäftigen, ergießen sich nun Hunderte von Besuchern in die Zelte und an die Buffetstände. Es gibt Weißwein und Minifrikadellen, im Hintergrund läuft Plätschersoulmusik – alles ist also wie immer, wären da nicht diese Gruppen von ganz in Schwarz gekleideten arabischen Frauen, die sich sichtlich gut amüsieren. Und wäre da nicht ein echter Ölprinz gesehen worden, gerade eben ging er mit seinem Troß vorbei – der Sohn des Scheichs von Dubai! Anlass für die derart prominent besetzte arabisch-deutsche Party war die Eröffnung einer Ausstellung zum Thema Dubai. Der große Architekt und Stadttheoretiker Rem Koolhaas hat sie mitkuratiert, er hat der mehr als dürftigen Schau ein paar warme Worte voran gestellt, die Dubai als Labor urbaner Vielfalt preisen. Der Besucher wird abgespeist mit ein paar banalen Fotos, die lästigerweise an Stoffahnen hängen, er darf Modelle von Kulturpalästen bewundern, die Stararchitekten für Dubai geplant haben – was hat das sonst so seriöse Museum bei dieser Aktion nur geritten?
The Gate of Woodoo
Der Eingang der Nebenmesse Volta ist von dem Basler Duo Yummy Industries gestaltet worden. "The Gate of Woodoo" besteht aus Spanplatten, Europaletten und anderen Holzresten – und jeder Besucher kann dort einen Zauberspruch anbringen. Einer fällt besonders auf: "Better art".
Bling-Bling
Der Künstler Wilfredo Prieto hat sich für seine "Art Statements"-Präsentation bei der Galería Nogueras Blanchard einen besonderern Gag ausgedacht: In einem fein säuberlich kreisrund aufgeschütteten Haufen aus 30 Millionen glitzernden Glassteinchen ist ein einziger echter Diamant versteckt. Ein Messebesucher kann der Verlockung offenbar nicht widerstehen. Mit seinem Rollstuhl fährt der Mann mitten in das Glitzerkunstwerk rein und dreht sich mit seinem fahrbahren Untersatz darin wie ein Derwisch. Den Sicherheitskräften, die ihn schließlich überwältigen können, sagt er zur Erklärung, er habe nirgends ein "Bitte nicht berühren"-Schild gesehen. Das Kunstwerk hat jedoch keinen bleibenden Schaden erlitten, ließ die Galerie verlauten. Der Künstler glättete die Verwüstungsspuren. Es kann zum Preis von 45 000 Euro erworben werden. Nur einige winzige Strasssteinchen liegen immer noch außerhalb der Koje auf dem Hallenboden verstreut – vielleicht auch der Brilli?
Gute Laune in der Fondation Beyeler
Höhepunkt am Messefreitag ist natürlich wieder der abendliche Empfang in der Fondation Beyeler. Leider diesmal bei ungewohnt garstigem Wetter. Es ist so kühl und nass, dass sich die Gäste lieber auf der überdachten Terrasse drängeln oder im Ausstellungsraum von Sarah Morris aufwärmen, anstatt wie sonst üblich in den wunderbaren Skulpturenpark auszuschwärmen. Entschädigt wird man aber mit einer grandiosen Fernand-Léger-Ausstellung und einer ungewöhnlich üppigen Bewirtung zu Ehren des neuen Direktors Sam Keller, der die Gäste – wie immer bestens gelaunt – begrüßt.
Stars und Sternchen
Der erste offizielle Messetag ist deutlich schlechter besucht, als die exklusive VIP-Preview. Die Vermutung liegt nahe: Es gibt einfach viel mehr VIPs als normale Menschen.
Super: Super8
An fast jeder Ecke rattert, surrt und schnurrt es. Zelluloid is back. Super-8-Projektionen und 16 Millimeter Loops findet man dieses Jahr in fast jedem Gang. Allerdings rechtfertigen nicht alle Arbeiten den Einsatz des Materials. Interessante Schmalfilminstallationen fand man bei der Art Unlimited: Imposant vor allem Damien Ortegas Arbeit "Nine Types of Terrain" – ein Raum in dem gleich neun Projektoren ächzen. Gleichfalls faszinierend: die Installation "Torqued Chandelier Release" (2004) von Rodney Graham, dem selbst 16 Millimeter noch zu mickrig ist und der deshalb auf einem ausgewachsenen Kinoprojektor einen 35-Millimeter-Loop zeigt.
Falckenbergs Geheimtipp
Der Hamburger Sammler Harald Falckenberg erzählt viel über Galeristen, Sammler und die Kunst – möchte aber am Ende doch nicht zitiert werden. Dann überlegt er und sagt: "Ich kehre am liebsten in das Basler Restaurant 'Zum Alten Warteck' ein, da gibt es den besten Weißwein. Das dürfen Sie schreiben."
Asbach mit bisschen Cola
Im Gespräch mit dem Berliner Galeristen Bruno Brunnet (Contemporary Fine Arts): "Natürlich bin ich beim 'Art Forum' dabei – und auch bei der ABC". Und er hat auch gleich einen Verbesserungsvorschlag: "Asbach mit bisschen Cola" klingt doch viel besser als 'Art Berlin Contemporary'."
Wucherwürstchen im Innenhof
Es wird viel darüber geredet, was die Basler Messe der Art Cologne voraus hat. An einem sonnigen Basler Nachmittag ist die Antwort plötzlich ganz einfach: einen Innenhof. Im großen Patio der Baseler Messe kann man überteuerten Kaffee trinken und Wucherwürstchen verzehren – gut, das kann man in Köln auch. Aber dort herrscht stickige Messeluft, draußen ist grauer April, während in Basel mediterrane Stimmung aufkommt, und der Stoffwechsel durch bessere Luft angeregt wird. Noch ein Eis? Warum nicht. So einfach ist das.