Art Basel 2008

Kunstmesse

Kauf! Mich! Jetzt!
Conrad Shawcross zeigt seine Arbeit vor dem Haupteingang der 39. "Art Basel" (Foto: Art Basel / Courtesy Miro, Klüser, Perrotin)

KAUF! MICH! JETZT!

Kunstliebhaber aus aller Welt haben dieser Tage nur ein Ziel: die "Art Basel". art-Redakteur Alain Bieber ist bei der Eröffnung vor Ort und berichtet von Galerien, Sammlern und neuer Kunst. Seine Begegnung mit Brad Pitt steht da eher im Hintergrund.
// ALAIN BIEBER, BASEL

"Von einer Krise spüre ich überhaupt nichts. Es läuft genau so gut wie im letzten Jahr. Hier wird alles gekauft was nicht niet- und nagelfest ist", sagt der Berliner Galerist Bruno Brunnet und schmunzelt. Seine Galerie Contemporary Fine Arts (CFA) hatte Jonathan Meese, Norbert Schwontkowski, Georg Baselitz, Katja Strunz, Tal R und Daniel Richter im Angebot – und ein Tag vor der offiziellen Eröffnung ist schon fast alles ausverkauft. Die letzten roten Klebepunkte, die noch auf dem Kojentischchen liegen, wirken wie eine Drohung. Sie scheinen zu rufen: Kauf! Jetzt! Schon in wenigen Minuten könnte es zu spät sein.

Vom 4. bis 8. Juni findet zum 39. Mal die "Art Basel" statt – und rund 60 000 Künstler, Sammler, Galeristen, Kuratoren und Kunstliebhaber werden auch dieses Jahr wieder in die Stadt am Rhein pilgern. Über 1000 Galerien hatten sich diesmal beworben – so viele wie noch nie. Auserwählt wurden 300 Galerien aus 33 Ländern (allein 72 Galerien kommen aus den USA, 49 aus Deutschland und 35 aus der Schweiz) und rund 10 Prozent sind zum ersten Mal dabei. So auch die rumänische Galeristin Andreiana Mihail. Sie präsentiert im Spezialsektor "Art Statements", in dem es 31 Einzelausstellungen junger Künstler zu sehen gibt, Fotoarbeiten von Ciprian Muresan. "Als ich die Zusage erhielt, ging ein Traum für mich in Erfüllung!", erzählt sie.

"Art Basel" bedeutet in fünf Tagen einmal um die Welt. In wenigen Schritten ist man von New York über Berlin in Paris gelandet. Insgesamt gibt es 5000 Werke von 2000 Künstlern zu sehen. Der Katalog ist dicker als jedes Telefonbuch und macht schnell klar: Ohne gutes Schuhwerk geht hier gar nichts.

Niemand zweifelt daran: Die "Art Basel" ist die beste Kunstmesse der Welt

Das Grundkonzept ist geblieben: "Die "Art Basel" will die besten Galerien, die spannendsten Künstler und die wichtigsten Sammler und Kuratoren zusammenbringen", erzählte der neue Leiter Marc Spiegler im Vorfeld. Es ist die erste "Art Basel" unter neuer Leitung – der frühere Direktor Samuel Keller wechselte Anfang 2008 an die Fondation Beyeler, und seitdem die künstlerische Leiterin, Cay Sophie Rabinowitz, vier Monate nach Amtsantritt überraschend zurücktrat, teilen sich nun Marc Spiegler und Annette Schönholzer die Führung. Als Anfang Mai auch Peter Vetsch, Kommunikationschef der Messe, und die Show-Managerin Maria Häusler ihren Wechsel zum "Art Forum Berlin" bekannt gaben, sprachen die Skeptiker bereits von einer ersten Krise. Doch noch scheinen die Gewitterwolken in weiter Ferne – es gibt niemanden der die absoute Favoritenposition der "Art Basel" anzweifeln möchte.

Gerd "Judy" Lybke, Gründer der Galerie Eigen+Art, ist braun gebrannt und gut gelaunt, kaut genüsslich auf einem Kaugummi – und preist einer Besuchergruppe ein Werk von Neo Rauch an. "Na? Ist das nicht eine gute Arbeit?" Statt einer Antwort zieht man sich schnell ins Kojen-Separée zurück. In diesen kleinen Boxen wird in aller Ruhe verhandelt – und dort hängt auch schon der Nachschub bereit. Und nach zwei Stunden ist auch dieser wieder von den Stellwänden verschwunden. Nur der Titel der Werke steht nirgends. Aber das spielt ja auch keine Rolle. Man kauft ja schließlich Namen. Neo Rauch, Tim Eitel, Martin Eder, Rémy Markowitsch, Carsten Nicolai, David Schnell und Uwe Kowski hat Lybke im Angebot. "Es läuft alles super – wie immer. Das ist eben die beste Kunstmesse der Welt", sagt er – und dann muss er auch schon wieder weiter. Klaus Staeck die Hand schütteln, neue Sammler bezirzen, Bilder nachhängen – jede Minute ist kostbar. Immerhin wird auf der "Art Basel" Kunst für ungefähr eine Milliarde Euro verkauft.

Kommentieren Sie diesen Artikel

0 Leserkommentare vorhanden

Abo