23 / 05 / 2008
Marc Spiegler
Art Basel
"DIE MESSLATTE LIEGT SEHR HOCH"
Herr Spiegler, was ist plötzlich los bei der guten alten, krisenresitenten "Art Basel"? Nach nur vier Monaten hat sich die künstlerische Leiterin aus der neuen Dreierspitze verabschiedet.
Marc Spiegler: Für die 39. "Art Basel" gibt es keinen Grund zur Sorge. Cay Sophie Rabinowitz hat aus persönlichen Gründen gekündigt und wird uns weiter unterstützen, soweit das nötig ist.
Welche Auswirkungen hat die Kündigung auf die aktuelle Messe?
Angesichts des späten Zeitpunkts hat ihr Weggang nur einen minimalen Effekt auf die Schau. Denn den größten Einfluss hat man als Direktor in der frühen Phase, in der die Messe konzipiert wird. Jetzt liegt alles in den Händen unseres Teams und bei den Galerien, die wir ausgewählt haben.
Wird die Position neu besetzt?
Die Messe Schweiz hat beschlossen, dass Annette Schönholzer und ich die beiden Messen auch ohne einen künstlerischen Direktor leiten können. Cay Sophies Aufgaben wurden zwischen uns beiden aufgeteilt. Und wir werden für spezielle Sektionen mit Kuratoren von außen zusammenarbeiten – so wie wir das auch schon früher getan haben.
Sie sind eigentlich Journalist und haben lange kritisch über den Kunstmarkt berichtet. Was hat Sie veranlasst, die Seite zu wechseln?
Ich musste mir kein neues Herz für den Job einpflanzen lassen. In meinen Artikeln habe ich immer eine eindeutige Meinung vertreten, sehr stark gegen Spekulation und für seriöse Galeriearbeit als Plattform, auf der Künstlerkarrieren aufgebaut und weiterentwickelt werden. In diesem Sinne sehe ich meinen Job bei der "Art Basel" als Fortführung dieser Haltung. Wir befinden uns an einem Punkt, wo die Galeristen in Wettbewerb mit anderen Kräften des Marktes treten und erkennen, dass die Art Basel die stärkste Plattform ist, um mit anderen Galerien zusammenzuarbeiten.
"Unsere Stärke war immer die Balance zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen"
Es fällt auf, dass Sie gern das Wort 'Plattform' benutzen, wenn Sie von der Messe sprechen, obwohl es doch eigentlich ums Verkaufen geht. Ist Ihnen der Marktaspekt nicht geheuer?
Wir machen zwei Messen, und die dauern sieben Tage, doch unsere Beziehungen zu den Galerien bestehen das ganze Jahr über. Wenn wir von Plattform reden, meinen wir damit, dass wir den Galerien nicht einfach nur ein paar Quadratmeter Ausstellungsfläche vermieten, wir verkaufen ihnen eine Plattform, auf der sie ihre Künstler präsentieren und neue Leute kennen lernen können.
Wird es sichtbare Veränderungen auf der diesjährigen Messe geben?
Die größte Veränderung wird sein, dass wir die Gesprächsrunden und Präsentationen der Schau, "Art Basel Conversation" und "Art Lobby", in den Ausstellungsbereich der "Art Unlimited" in Halle 1 integrieren. Daneben wird es eine Videothek geben, eine Ausstellung über Magazine, die von Künstlern gestaltet worden sind, kuratiert von Lionel Bovier, und einen Buchladen. Das Konzept dahinter ist, dass wir die Diskussionen über Kunst und die Kunstwelt nicht von den Kunstwerken separieren wollen.
Wie viele Zusatzveranstaltungen braucht eine Kunstmesse eigentlich?
Es geht hier nicht um Quantität, sondern um Qualität. Neben den Hauptsektionen der "Art Basel" bieten wir ein üppiges Programm, zu dem auch die Performance "Drama Queens" von Elmgreen & Dragset gehört, ein Kunstfilmprogramm und Events im Kunstmuseum, der Kunsthalle, dem Tinguely-Museum und dem Schaulager. Aber all diese Sachen finden statt, nachdem die Messe geschlossen hat und konkurrieren nicht mit der Arbeit unserer Galeristen, sondern machen die Woche attraktiver für Kunstliebhaber.
Reizthema Galerienauswahl: Eine Messe braucht neue Galerien, um spannend zu bleiben. Andererseits will kaum ein Galerist freiwillig seine Koje aufgeben, wenn er erst einmal auf der "Art Basel" gelandet ist. Wie lösen Sie das Problem?
Natürlich gibt es viele gute junge Galerien. Doch die Stärke der "Art Basel" war immer ihre Balance zwischen den historischen und den zeitgenössischen Positionen. Diese Balance wollen wir erhalten. Deshalb liegt die Messlatte für neue Galeriebewerber sehr hoch. Nicht jede gute junge Galerie hat das Zeug, eine wirklich gute Koje zu gestalten. Unser Auswahlkomitee geht deshalb auch auf andere Messen, um zu sehen, wer reif dafür ist, auf unserem Spielfeld mitzuspielen. Aber natürlich sehen wir auch gute Galerien, die wir gern bei uns gehabt hätten, für die es aber keinen Platz mehr gibt. Generell ist es für eine Galerie sogar gefährlicher, zu früh bei uns zu landen, dann das Level nicht halten zu können und nicht wieder zugelassen zu werden.
23 / 05 / 2008
2 Leserkommentare vorhanden
emo@kunst-schuschnig.de Emil Schuschnig
06:15
16 / 10 / 09 //
Managing Emil Schuschnig
Herr Marc Spiegler, ich bin Maler und möchte davon leben. Sie sind Manager und ich versuch's mal mit Ihnen über diesen Weg, Kontakt aufzunehmen. Meine Arbeiten sind in München und auf www.kunst-schuschnig.de, zu sehen. Mit freundlichen Grüßen Emil Schuschnig
emo@kunst-schuschnig.de Emil Schuschnig
06:25
16 / 10 / 09 //
Managing Emil Schuschnig
Mich wundert immer wieso der Bauer für seine Milch so wenig kriegt und der Aldi so viel daran verdient. Die Antwort liegt in der Marge und die bestimmt der Händler und nicht der Produzent. So ist das mit den Malern und den Galeristen auch. Die Welt war und wird nie gerecht werden aber ein ehrliches Einkommen für einen Maler, müßte auch in dieser Händlerwelt drin sein. Also schauen Sie auf meine website und sagen mir ob da was zu machen wäre. Christus hat die Händler aus dem Tempel herausgeworfen, sie sind wieder da.
