Viennafair 2008
Kunstmesse
NUR DIE ALLERBESTE WARE
Ein Turm und ein Kabinett, das sind die beiden unfreiwilligen Symbole der vierten Viennafair, der noch jungen internationalen Wiener Kunstmesse. David gegen Goliath könnte man jetzt glauben, aber die Verhältnisse sind wie so oft komplizierter.
Ausgezeichnet mit dem Preis für die beste Standgestaltung wurden nämlich zwei Gegenpole, wie sie wohl weiter voneinander entfernt nicht sein könnten: Der junge, am Kunstmarkt noch nicht etablierte österreichische Künstler Christian Eisenberger hat am Stand des Wiener Sammlergaleristen Philipp Konzett aus Pappe und Holz einen über acht Meter hohen Aussichts- und Rückzugsturm gebaut. Von hier aus will er als wilder Clown mit Herkuleskeule verkleidet, einen Sprengstoffgürtel umgeschnallt, die Messe unsicher machen. Vier Tage lang, wenn er es aushält, wie er gleich wenig euphorisch hinzufügt.
Den Preis muss sich diese mutigste Einzelpräsentation, die diese Messe bisher gesehen hat, allerdings teilen: Mit dem kleinsten, stillsten und verwinkeltsten Doppelstand, den diese Messe je gesehen hat. Das ausgeschilderte, mit dichtem Vorhang recht hermetisch wirkende "Kabinett" ist ebenfalls ein starkes Statement, diesmal allerdings von zwei bereits sehr erfahrenen Wiener Kunstmarkt-Protagonistinnen – den Galeristinnen Gabriele Senn und Christine König, auch in ihrer Heimadresse, der Schleifmühlgasse, Nachbarinnen.
Einmal ins Innere vorgewagt, bewegt man sich vorsichtig durch eine fast museale, weil vom jungen Architektenteam Feld72 maßgeschneiderte Ausstellungsarchitektur etwa mit eigener Schrein-Nische für ein boscheskes Triptychon von Hans Weigand, einem neuen Video von Johanna Kandl, die Sarajewos einst so gefährliche Sniper-Alley in ihrer ganzen heutigen Shopping-Banalität aufgenommen hat, einer großformatigen erotischen Zeichnung von Balthus' Bruder Pierre Klossowski oder einer frühen Plastik von Thomas Stimm. Sehr intim ist das alles, die Objekte stammen teils auch aus ihren eigenen Wohnungen, so König.
Entschleunigen wollen sie und ihre Kollegin das gehetzte Shopping-Tempo der Messelaufkundschaft: "Schwellen auf-, statt abbauen." Denn die Zukunft der Kunstmesse, so ist sich König jedenfalls sicher, muss anders aussehen. Doch erst einmal die Gegenwart. Und in der schaut die vierte Viennafair "recht anständig" aus, wie es der künstlerische Messe-Leiter Edek Bartz bei der Pressekonferenz formulierte.
Mit 126 Galerien sind soviel wie noch nie in Wien zugelassen, 45 davon sind aus Österreich, doch Wien wird für die deutschen und anscheinend auch für französische und englische Galerien attraktiv. Von denen aus dem ehemaligen Ostblock gar nicht zu reden – ihnen ist schließlich der ausgewiesene Schwerpunkt der Messe gewidmet, 21 wurden vom Beirat aus Polen, Tschechien, Rumänien oder der Slowakei ausgewählt, die meisten noch dazu von der Erste Bank gefördert.

