Viennafair

Messe

Bootcamp für junge Sammler
Leiten die Viennafair: Christina Steinbrecher (rechts) und Vita Zaman (Foto: S. Filipov/Viennafair)

BOOTCAMP FÜR JUNGE SAMMLER

Die Viennafair soll vor allem Käufer aus Osteuropa locken
// ALMUTH SPIEGLER, WIEN

Kunst als Investment – mit dieser Wendung, die gerade österreichische Galeristen und Sammler gerne empört von sich weisen, wird man sich in Wien in Zukunft wohl abfinden müssen. Die lokale Kunstmesse Viennafair wurde von einer Firma des russischen Investment-Spezialisten Sergey Skaterschikov übernommen. Skaterschikov ist als Vertreter der russischen Investmentfirma Redline auch in die Übernahmeaktivitäten rund um den Online-Kunsthandel Artnet involviert; er betreibt in New York den Kunstpreis-Beobachter "Skate’s Art Investment" und ist unter anderem an dem Magazin "Art in America" beteiligt.

Die ständig um Relevanz und Akzeptanz kämpfende Viennafair könnte von diesen Verbindungen profitieren. Skaterschikov will mit ihr die "intellektuelle Führungsrolle für die globale Kunstindustrie" übernehmen. Zum Auftakt der Messe wird etwa das erste "International Art Industry Forum" in Wien tagen, ein international besetztes Spezialisten-Meeting. Ein eigens gegründeter Kunstfonds soll bei der Viennafair für eine lang erwartete Umsatzsteigerung sorgen. Vor allem aber soll mit dem neuen Herbsttermin (20. bis 23. September) der parallel stattfindenen Art Moscow der Kampf angesagt, der Skaterschikov noch dazu die künstlerische Leiterin, Christina Steinbrecher, abgeworben hat. Sie soll gemeinsam mit der in Litauen geborenen Galeristin Vita Zaman die Viennafair neu positionieren. Und, so hofft man, zur jungen Kunst aus Osteuropa, auf die die Viennafair schon bisher spezialisiert war, auch die jungen und neuen Sammler aus diesen Ländern abzuholen. Diese Messe könnte für sie laut einer ersten Vision Skaterschikovs "eine Art Bootcamp" für den Eintritt in den internationalen Kunstmarkt werden.

Aber auch große Teile der lokalen Szene wurden geschickt an Bord gehalten. Zwar kippte man die bisherigen künstlerischen Leiter der Messe, Georg Schöllhammer und Hedwig Saxenhuber, die erst voriges Jahr ihre gut aufgenommene Premiere feierten und in Wien anerkannt sind. Hinter der mit 30 Prozent an der Messe beteiligten "VF Beteiligungs KG" steckt aber eine angesehene Gruppe österreichischer Sammler und Experten, darunter Ex-Mumok-Direktor Edelbert Köb, die Architektin Martha Schreieck sowie die Sammler Eduard Pomeranz, Martin Lenikus, Bernhard Hainz, Andra Spallart und Franz Wojda. Diese Beteiligung soll laut Sprecher Köb ein "gewisses künstlerisches Niveau" und einen "Mehrwert für den Standort Wien" garantieren. Die neue Austro-russian Connection verspricht zumindest ein interessantes Experiment zu werden.

Viennafair

bis zum 23.9.

http://www.viennafair.at

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