Auktionen

London

Genügend Bier für alle
Yves Kleins "Le Rose du bleu (RE 22)" von 1960 ging für 29,4 Millionen Euro an einen anonymen Telefonanbieter (Courtesy Christie's)

GENÜGEND BIER FÜR ALLE

Mit einem Gesamterlös von 165,8 Millionen Euro behauptet das Auktionshaus Christie's seine Vorrangstellung gegenüber Konkurrent Sotheby's. Ein Bericht von den Sommer-Auktionen in London
// HANS PIETSCH, LONDON

"Die Leute sind noch immer bereit, Top-Preise zu bezahlen", sagte ein Londoner Galerist nach der Abendauktion bei Christie's. Sie taten es und zahlten Rekordpreise für Gemälde von Yves Klein und Jean-Michel Basquiat. Das Schwammgemälde "Le Rose du bleu (RE 22)" (1960) des französischen Malers und Aktionskünstlers kletterte bei einer Taxe von etwa 18 Millionen Pfund auf 23,5 Millionen Pfund (29,4 Millionen Euro) und wurde einem anonymen Telefonbieter zugeschlagen, und Basquiats "Untitled" (1981) erzielte 12,9 Millionen Pfund (16,1 Millionen Euro).

Solche Preise stellten sicher, dass Christie's einen weiteren Rekord erreichte: einen Gesamterlös von 132,8 Millionen Pfund inklusive Käuferprämie (165,8 Millionen Euro), soviel wie nie zuvor bei einer Auktion von Nachkriegs- und Zeitgenössischer Kunst in Europa. Dass einige der Toplose wie die Arbeit von Klein sowie Werke von Francis Bacon und Gerhard Richter vom Auktionshaus oder von dritter Hand garantiert wurden, schien ihre Attraktivität nicht zu mildern. Bacons "Study for Portrait" (1964) ging für 21,5 Milliuonen pfund (26,9 Millionen Euro) weg, und auch Richters "Struktur (2)" (1989) erzielte respektable 12,6 Millionen Pfund (15,8 Millionen Euro).

Beim Konkurrenten Sotheby's hatten diese Garantien von dritter Hand am Vorabend größtenteils nicht den gewünschten Effekt: Dort verlief alles recht lustlos. Oliver Barker, einer der Spezialisten des Hauses, gab zu, dass diese Art von Versicherung "manchmal die Auktionsmagie absaugt. Die Taxen sind aggressiv hoch, weil wir die erhöhten Erwartungen des Einlieferers managen müssen." Eines der Starlose des Abends kam mit einer solchen Versicherung: Francis Bacons "Study For Self-Portrait" (1980), das lediglich einen Telefonbieter anzog und mit 4,5 Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro) nicht einmal den unteren Schätzwert ereichte. Fünf weitere Arbeiten waren garantiert, von denen lediglich das großformatige, vom Surrealismus inspirierte Gemälde "The Tragic Conversion of Salvador Dali (After John Martin)" (1988) des Engländers Glen Brown hart umkämpft war. Vier Telefonbieter jagten sich gegenseitig nach oben, bis das Werk mit 4,6 Millionen Pfund (5,7 Millionen Euro) einem russisch-sprechenden Klienten zugeschlagen wurde. Einschließlich der Käuferprämie sind das 5,19 Millionen Pfund (6,49 Millionen Euro), ein Rekordpreis für den Künstler.

Sammlung Siggi Loch

Bei Christie's kam auch die Sammlung des deutschen Musikproduzenten Siggi Loch und seiner Frau Sissi unter den Hammer. Die insgesamt 236 Arbeiten, alle in Blau gehalten, erzielten 4,5 Millionen Pfund (5,6 Millionen Euro). Toplos war "Anthropométrie (ANT49)" (1960) von Yves Klein, das für 1,29 Millionen Pfund (1,61 Millionen Euro) den Besitzer wechselte, gefolgt von "Abstraktes Bild" (1995) von Gerhard Richter, das bei einer Taxe von 600-800 000 Pfund für eine Million Pfund (1,24 Millionen Euro) zugeschlagen wurde. Der Erlös kommt der Siggi & Sissi Loch Foundation zugute, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, "das Leiden von Menschen und Tieren zu lindern". Der Sammler äußerte sich erfreut darüber, "dass unsere Stiftung nun auf soliden Füßen steht."

Dass Sotheby's mit 69,3 Millionen Pfund (86,6 Millionen Euro) nur etwa die Hälfte des Gesamterlöses von Christie's erreichte, unterstreicht erneut die gegenwärtige Vorrangstellung des Hauses in der King Street. Frances Outred, Leiter der Abteilung Nachkriegs- und Zeitgenössische Kunst Europa, war mit Recht stolz auf den Rekorderlös. Phillips de Pury, der Winzling unter den drei Häusern, kann von solchen Zahlen natürlich nur träumen. Der Gesamterlös der Abendauktion von 23,3 Millionen Pfund (28,8 Millionen Euro) entsprach beinahe genau dem Preis, den Christie's für seinen Yves Klein erzielte. Toplos war das großformatige Gemälde "Irony of Negro Policeman" (1981) von Jean-Michel Basquiat, das nach einem etwas zähen Bietgefecht 8,1 Millionen Pfund (10 Millionen Euro) erzielte. Auktionator Simon de Pury erntete Beifall, als er, wie versprochen, die Auktion vor Anpfiff des Semifinalspiels zwischen Deutschland und Italien beendete, und alle einlud, das Spiel auf dem großen Bildschirm im Foyer zu verfolgen. "Wir haben genügend Bier für alle", sagte er schmunzelnd.

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