Art Basel

Kunstmesse



ART BASEL STROTZT VOR ZUVERSICHT

Auf der 43. Auflage der wichtigsten Kunstmesse der Welt zeigte sich der Markt von seiner robusten Seite. 65 000 Besucher erlebten Präsentationen auf hohem Niveau. Von Krise keine Spur.
// GERHARD MACK, BASEL

"Das war die beste Messe, an die ich mich hier in Basel erinnern kann. Sowohl die Kunstwerke, die hier zu sehen waren, als auch die Gestaltung der Stände waren von exzeptioneller Qualität", sagt Hans Mayer. Der Düsseldorfer Galerist muss es wissen. Er ist der einzige Händler, der alle Ausgaben miterlebt hat.

Keiner weiß so gut wie er, dass auch die Königin unter den Kunstmessen manch steinige Strecke zu Fuss erklimmen musste. Und auch die Verkäufe stimmten. Mayer konnte gleich am zweiten Messetag die große Installation "Schneewittchen und die sieben Zwerge" von Jean Tinguely an ein kleines Privatmuseum in der Schweiz verkaufen. Longos Riesenzeichnung "Der Wald" ging weg. Für das spektakuläre Steinkreuz von Joseph Beuys gab es bei Messeschluss zwei ernsthafte Anfragen aus den USA.

Der dienstälteste Galerist der Messe ist mit seiner Begeisterung bei weitem nicht alleine. Durch die Bank traf man auf zufriedene Händler. Iwan Wirth sagte, dass die Messe "mindestens so gut war wie im letzten Jahr, und damals verkauften wir bereits sehr gut". Hauser & Wirth konnten sogar die große Installation der englischen Bildhauerin Phyllida Barlow, eines der Highlights der Art Unlimited, an eine britische Sammlung verkaufen. Roni Horn, mit der man die erweiterten Galerieräumlichkeiten im umgebauten Zürcher Löwenbräu-Kunstzentrum eröffnet, ging bei einer halben Million schnell weg. Louise Bourgeois' hysterisch in die Höhe gestemmter Körper "Arched Figure" fand für einen siebenstelligen Betrag einen Käufer. Skulpturen des 92-jährigen Bildhauers Hans Josephsohn gingen alleine aufgrund von Fotos seiner Ausstellung im irischen Lismore Castle weg.

Den Hit dürfte nach allgemeiner Auskunft jedoch Pace Gallery gelandet haben. Die New Yorker konnten Gerhard Richters großformatiges Rakelbild "Ohne Titel (A.B. Courbet)" von 1986 für "rund 20 Millionen Dollar" verkaufen, wie die Sprecherin der Galerie stolz verkündete. Der spendable Sammler kommt aus den USA, gemunkelt wird, es sei Hedge Fonds Manager Steven Cohen gewesen. "Das war das beste Jahr, das wir an der Art Basel je hatten", schwärmt die Sprecherin denn auch. Aber nicht nur wegen des Richters: Gefragt war das ganze Programm "von Blue Chips wie einem kleinen Rothko bis zu relativ unbekannten Künstlern. Viele Sammler gingen neue Wege".

Dieses breite Interesse bestätigte auch Matthew Marks. "Wir haben sehr gut verkauft, und zwar durch unser ganzes Programm und durchs ganze Preisspektrum von ein paar tausend Dollar bis in den siebenstelligen Bereich", sagte ein Mitarbeiter.

Die Kunden kamen aus Südamerika, der Türkei, Fernost, dem Nahen Osten und Australien. Gestützt wurde der Markt aber vor allem aus den Nato-Staaten. Die Euro-Länder waren traditionell stark. Hinzu kam die Rückkehr der US-Sammler. Viele von ihnen nutzten die zeitliche Nähe zur Documenta und planten ihren Kunst-Sommertrip von Kassel über Zürich nach Basel. Die Wirtschaftslage in den USA wird von vielen als "etwas solider" eingeschätzt, war bei Pace zu erfahren. Hinzu kommt, dass die Probleme in der Eurozone viele Werke für Dollar-Besitzer etwas günstiger machten und eine weitere Anlage-Verschiebung in Sachwerte attraktiv erscheinen ließ. Die hohen Auktionspreise im laufenden Jahr legen zumindest einen kontinuierlichen Wertzuwachs nahe.

Profitiert haben von diesem robusten Markt aber nicht nur die Großen des Kunsthandels. Auch Peter Kilchmann, ein Zürcher Galerist, der sich auf südamerikanische und Schweizer Kunst spezialisiert hat, ist zufrieden: "Wir haben sehr gut verkauft, von allen unseren Künstlern fanden Werke neue Besitzer." Victor Gisler von Mai 36, einer gestandenen Adresse für internationale konzeptuelle Kunst, spricht von "starken Verkäufen", auch wenn er keiner ist, der die Preisspirale nach oben dreht: Bei ihm waren selbst Stars wie Matt Mullican mit kapitalen Arbeiten noch für 50 000 Franken zu haben. Und auch eine so anspruchsvolle Programmgalerie wie Nagel aus Köln meldet "Verkäufe von allen Künstlern". Die Entscheidung, das Programm aus den Pionierjahren der Galerie in den achtziger und neunziger Jahren ins Zentrum zu rücken, kam gut an. Viele jüngere Künstler setzen sich in ihren Werken auf dieser Art Basel mit dieser jüngsten Periode der Kunstgeschichte auseinander.

Von Krise spürten selbst diese Scouts des Marktes nichts. Urs Meile mit Galerien in Beijing und in Luzern, der die neue Edition von Ai Weiwei gleich mehrmals verkaufen konnte, glaubt sogar, "der Kunstmarkt hat sich abgekoppelt, wir haben eher mehr verkauft, da die Nachfrage aus Indien, Taiwan, China und Australien zugenommen hat". Und Tim Neuger von neugerriemschneider aus Berlin konstatierte: "Die Kunst ist global, bei uns war von Krise nichts zu spüren." Man verkaufte in die ganze Welt. Und schätzte die neue Zugangsregelung der Messe, welche die Preview um einen Tag verlängert und zeitlich gestaffelt hatte. "Wir hatten viel mehr Zeit für Gespräche und konnten dadurch auch an neue Sammler verkaufen", bilanzierte Eva Presenhuber, die ihren Stand ganz Doug Aitken übergeben hatte.

Fortgesetzt hat sich dagegen die Ausdünnung der klassischen Moderne. Die Zeit, in der die Stände von Meisterwerken dieser Phase gefüllt sind, ist wohl endgültig vorbei. Was an Gemälden aus dem obersten Segment noch auf den Markt kommt, wird von den Auktionshäusern oder über Privatgeschäfte umgesetzt. Umso erfreulicher ist es, dass es den Händlern gelingt, Entdeckungen nach Basel zu bringen: So bot Robert Landau aus Montreal eine formidable Gemäldegruppe von Le Corbusier an. Henze & Ketterer füllten einen Stand im Sektor Art Feature mit Gemälden aus der Schweizer Zeit von Ernst Ludwig Kirchner. Und Richard Nagy brachte aus London eine Suite von Kubin-Arbeiten an die Art – für sechsstellige Beträge. Seit geraumer Zeit haben New Yorker Sammler den Beschwörer von Alpträumen entdeckt, seither stürmen die Preise in neue Zonen.

Die Art Basel, die auch dieses Jahr wieder 65 000 Besucher anzog, ist bestens gerüstet für ihre Expansion nach Fernost. Nächsten Mai wird sie nach Miami Beach mit der Art Basel in Hong Kong den zweiten Ableger eröffnen.

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2 Leserkommentare vorhanden

roman libbetrz

16:28

19 / 06 / 12 // 

art basel ist

eine marke und marken haben längere haltbarkeitszeiten, mometare schwankungen können dem wenig anhaben.

saalc

09:24

26 / 08 / 12 // 

art

Die versteigern den Banksy Lenin ich werd verrückt http://www.ebay.de/itm/Streetart-Banksys-Original-Lenin-Traffic-Sign-from-Berlin-Kreuzberg-1990-2010-/150884697330?pt=Malerei&hash=item23216dc4f2 atrnr:150884697330

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