Armory Show

New York

"Kunst ist wie Schokolade"
Armory Show: Wandarbeiten des Brasilianers Assume Vivid Astro Focus bei Deitch (Foto: Kathrin Leist)

"KUNST IST WIE SCHOKOLADE"

"Dollar oder Euro?" war die am häufigsten gestellte Frage auf der New Yorker Kunstmesse "The Armory Show" (27. März bis 30. März). Wegen des unberechenbar abstürzenden Dollars hatten so manche Händler ihre Preise erstmalig auf den kräftigen Euro umgestellt. Es schien nicht die einzige Sicherheitsmaßnahme: Wie gehabt war die Qualität der Arbeiten hoch. Doch schienen die Galeristen lieber keine Wagnisse eingehen zu wollen.
// CLAUDIA BODIN

Es gab dieses Jahr also wenig Überraschungen, dafür aber Solides. Auch die Einkaufsstimmung schien ein wenig gedämpft. Zwar legte Galerist Zach Feuer bereits nach zehn Minuten eigenhändig den Bohrer an, um eine neue Arbeit von Luis Gispert zu hängen. Und bei Contemporary Fine Arts aus Berlin hatte sich Jonathan Meese schon am ersten Tag bestens verkauft. Doch insgesamt schien das Geschäft langsamer zu laufen.

"Gut, aber nicht bombig", fasste Leo Koenig die Verkäufe passend zusammen. Auf seinem Stand blickte eine krampfhaft strahlende Hillary Clinton verkniffen in die Zukunft. Besser kann man die derzeitige Stimmung in Amerika nicht einfangen, sagte sich ein Sammler. Die Arbeit von Justin Faunce ging sofort für 15 000 Dollar weg.

Es handelte sich um die zehnte Ausgabe der "Armory". Wehmütig erinnerten die Künstler Mary Heilmann und John Waters an die Anfänge, als "jeder kurz vor der Pleite stand" und Kunstwerke im Gramercy Park Hotel auf Hotelbetten und in Badewannen präsentiert wurden. Feierliche Stimmung kam bei der Jubiläumsausgabe sonst nicht auf, Geschäft ist schließlich Geschäft. Obwohl 85 der insgesamt 160 ausstellenden Galerien aus Europa stammten, ließen sich die New Yorker nicht die Schau stehlen. Jeffrey Deitch setzte seine Künstler wie ein Platzhirsch in Szene. Allen düsteren Wirtschaftsvorhersagen zum Trotz zeigte er poppig bunte Arbeiten von Künstlern wie Ryan McGinness und dem Puertoricaner Dzine. Collagen und Installationen des Brasilianers Assume Vivid Astro Focus erstreckten sich obendrein über zusätzliche Ausstellungswände.

Einzelpräsentationen wie neue Arbeiten von Jenny Holzer bei Cheim & Read oder Annette Lemieux, die bei der Paul Kasmin Gallery zu Apfelkuchen und Milch einlud, waren selten. Hauser und Wirth überlass Martin Creed einen kompletten Raum. Der Engländer verwirrte die Besucher mit einem "Bitte nicht anfassen"-Schild an der Eingangstür und einer Klavierspielerin, die stupide einzelne Töne klimperte. Wohltuend tat sich die Galerie Eigen + Art hervor. Gerd Harry Lybke setzte auf das "Unerwartete". Statt Leipziger Malereien zeigte er lieber melancholische Architekturfotografien und Filme von Maix Mayer. Passend zur Ost-Tristesse war der Messestand in grau-weiß gemusterten Tapeten gewandelt.

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