Auktion Gunter Sachs

London



EIN STÜCK VOM GLANZ

Der Playboy, Millionenerbe und Kunstsammler Gunter Sachs war eine der schillerndsten Personen der sechziger und siebziger Jahre. Von seinem Glanz angezogen, ersteigerten nun Bieter bei Sotheby's Highlights seiner Sammlung. Insgesamt wurde die Sammlung Sachs weit über dem Schätzwert versteigert. Besonders gut verkauften sich Werke von Andy Warhol, den Sachs als einer der ersten in Europa vorgestellt hatte.
// HANS PIETSCH, LONDON

Mai 1967. Ein gutaussehender Mann genießt auf der Terrasse einer Bar in St. Tropez mit seiner glamourösen Gattin Brigitte Bardot die Frühlingssonne. Ein weißhaariger, bleicher Mann geht auf ihn zu und beschwert sich darüber, dass die Filmfestspiele von Cannes sich geweigert haben, seinen Film "Chelsea Girls" zu zeigen, wegen der Nacktszenen. Ob er ihn sich nicht ansehen wolle.

Die zufällige Begegnung zwischen Gunter Sachs und Andy Warhol hatte Folgen. Der Millionenerbe, Playboy und Kunstsammler war einer der ersten, der den Popkünstler in Europa vorstellte. 1972 veranstaltete er in seiner Hamburger Galerie eine Warhol-Schau, allerdings wurde kein einziges Werk verkauft. Um eine Blamage zu vermeiden, sah sich Sachs fast gezwungen, ein Drittel der Schau heimlich selbst zu kaufen.

Keine schlechte Geldanlage, wie sich auf der Abendauktion bei Sotheby's herausstellte. Warhol stand im Zentrum der insgesamt 40 Lose aus der Sammlung von Gunter Sachs, die unter den Hammer kamen. Sieben seiner Siebdrucke und Fotoarbeiten wurden aufgerufen, sie alleine erzielten 18,6 Millionen Pfund (22,8 Euro), weit über ihrem Schätzwert. Toplos war mit 5,36 Millionen Pfund (6,6 Millionen Euro) eines seiner letzten Selbstporträts, "Self Portrait: Fright Wig" (1986). Das farbige Siebdruck-Porträt von Brigitte Bardot von 1974, von Gunter Sachs in Auftrag gegeben, basierend auf einem Foto von Richard Avedon, schnitt nicht so gut ab und erreichte mit Ach und Krach den unteren Schätzwert von 3 Millionen Pfund. Bevor er Warhol kennenlernte, hatte Sachs vor allem Werke von Künstlern des Surrealismus und des französischen Nouveau Réalisme gesammelt. Die Arbeiten von Jean Fautrier, Yves Klein und Arman fuhren respektable Preise ein, entzündeten jedoch kein Feuerwerk im Saal.

In den Siebziger Jahren stand dann die Pop-Art im Mittelpunkt seiner Sammeltätigkeit. Sein Penthouse im Palace Hotel in St. Moritz "verwandelte er in einen Pop-Art-Tempel", wie Cheyenne Westphal von Sotheby's sagte. Roy Lichtensteins von Sachs in Auftrag gegebene farbenfrohe "Composition" (1969) hing an einer Wand, sie erzielte 541 000 Pfund (669 000 Euro), an einer anderen Warhols "Selfportrait: Fright Wig", auch die Porträts von Bardot und Sachs selbst fanden einen Platz, und im Schlafzimmer nahm man auf den umstrittenenen Möbeln aus halbnackten Frauen des Engländers Allen Jones Platz.

Die drei frivolen Stücke von Allen Jones brachten den Auktionssaal dann so richtig in Fahrt. Jedes war auf 30-40 000 Pfund geschätzt, doch nachdem der Auktionator beim ersten Los bei 30 000 Pfund angelangt war, erhöhte eine Bieterin im Saal rasant auf 100 000. Der Hutständer ging dann für 780 000 Pfund (965 000) an einen Telefonbieter, der sich nach heftigen Gefechten mit der Dame im Saal und noch größeren Bietsprüngen auch den Stuhl und den Tisch sicherte, für 836 000 beziehungsweise 970 000 Pfund (1,03 Millionen bzw. 1,2 Millionen Euro). Die Erben des Playboys können zufrieden sein, auch mit dem Gesamterlös von 35,6 Millionen Pfund (44 Millionen Euro). Sie behielten einen Teil der Sammlung zurück, und vielleicht wird es nach diesem Erfolg bald eine Auktion Gunter Sachs II geben.

Wie üblich weigerte sich das Auktionshaus, die Identität von Bietern preiszugeben, gab jedoch zu, dass sich neben vielen bekannten Gesichtern im Saal auch Neulinge befanden, die sie bei Auktionen von Kunst der Nachkriegszeit noch nicht gesehen hatten. Hatte sie der Glanz des Playboys angezogen? Man kann es annehmen.

Als letztes Los wurde dann Sachs' Motorjacht "Dracula III" aufgerufen, ein schnittiges Boot aus edlem Holz und glänzendem Metall. Sie ging für 385 000 Pfund (476 000 Euro) an eine platinblonde, nicht mehr ganz so junge Dame, die im Saal mit Seelenruhe den Preis auf das Dreifache des Schätzwerts hochtrieb. Es war es ihr wohl wert, auf dem Genfer See, wo das Schmuckstück festgemacht ist, sagen zu können: In diesem Boot wurde einst Brigitte Bardot spazierengefahren.

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1 Leserkommentar vorhanden

Albert Wetering

22:42

28 / 05 / 12 // 

sachs Millionen

Diese elende Kunstmarktberichterstattung mit den Millionenpreisen und der Gier der Journalisten nach Sensationen langweilt Ungeheuer und wird der Kunst überhaupt nicht gerecht.Als ob es nur Zahlen und sonstige Peinlichkeiten sind,die interessieren.Event ist alles,die Hintergründe der Kunst ,deren Wirkung und Mystik ganz zu schweigen von der Kunstgeschichte werden schlicht vergessen.Wer kann sich in Deutschland schon solche Sachen leisten? Mehr Berichte über den deutschen Kunstmarkt und die hiesige Kunstszene wären wünschenswert.

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