Auktionen: Zeitgenossen

New York

Saison der Ikonen
Nie war ein Rothko teurer bei einer Auktion: "Orange, Red, Yellow", Öl auf Leinwand, 86,9 Millionen Dollar (Foto: Christies Images)

SAISON DER IKONEN

Bei den Frühjahrsauktionen der Zeitgenossen erzielt Christie`s das beste Ergebnis an einem Abend in der Geschichte des Hauses.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Auktionator Christopher Burge verließ seinen Arbeitsplatz mit einem Paukenschlag: Werke im Wert von 388,5 Millionen Dollar kamen bei der abendlichen Versteigerung bei Christie's unter den Hammer. Es handelt sich um das beste Ergebnis, dass Christie's jemals mit Nachkriegs- und zeitgenössischer Kunst erzielt hat.

Angeführt wurde der Erfolgsabend von der Ölmalerei "Orange, Red, Yellow" von 1961 von Mark Rothko für 86,8 Millionen Dollar. Das Werk wurde für einen fast doppelt so hohen Preis wie erwartet verkauft, und der frühere Rekord von 2007 für einen Rothko ("White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)" für 72,8 Millionen Dollar bei Sotheby's wurde ebenso übertrumpft wie der für das teuerste Nachkriegswerk – dieser Rekord galt bislang Francis Bacons "Triptych", für das Roman Abramovich 2008 86,2 Millionen hingeblättert hatte.

Wie der Rothko stammten die meisten Trophäen der Auktion aus der Sammlung des im November gestorbenen Bekleidungsindustriellen David Pincus und seiner Frau Gerry. 174,9 Millionen Dollar wurde mit dem Verkauf der 38 Lose erzielt – auch das wieder ein Rekordergebnis. Es handelt sich um die teuerste Sammlung zeitgenössischer und Nachkriegskunst, die jemals verkauft wurde.

Neben dem Rothko-Toplos gab es zehn weitere Rekorde und drei zusätzliche Höchstergebnisse in Unterkategorien. Darunter 23 Millionen Dollar für Jackson Pollocks Drip-Painting "No.28, 1951", 962500 Dollar für Sherrie Levines "Fountain", 22,4 Millionen Dollar für Barnett Newmans "Onement V" von 1952 und 3,6 Millionen Dollar für Jeff Walls Anti-Kriegs-Inszenierung "Dead Troops Talk (…)" von 1992. 18,5 Millionen Dollar wurde für Alexander Calders stehendes Mobile "Lily of Force" erzielt. Eine der spektakulärsten Arbeiten des Abends war "FC1" mit Malerei, Brand- und Wasserflecken von Yves Klein, das zu einem Höchstpreis von 36,5 Millionen verkauft wurde und das Klein kurz vor seinem Tod und Hilfe von zwei Modellen, die ihre Körper in Farbe tauchten, gefertigt hatte.

Gerhard Richter stieg weiter zum absoluten Sammler-Darling auf: Sechs seiner Gemälde gingen für insgesamt rund 55 Millionen Dollar unter den Hammer. Um "Abstraktes Bild (798-3)" von 1993 stritten sich mehrere Bieter. Zwei der Telefonbieter ließen den Preis zaghaft in kleinsten Schritten nach oben klettern. Bis Christopher Burge schließlich bei einem neuen Richter-Rekord von 21,8 Millionen Dollar forsch mit den Worten "Wir haben lange genug herumgealbert" den Hammer fallen ließ. Richters "Seestück (Leicht bewölkt)" von 1969 erzielte 19,3 Millionen Dollar. Burge, der seit 1970 bei Christie's arbeitet und sich an diesem Abend vom Auktionspult verabschiedete, führte mit Charme und Witz vor, dass auch ein Verkauf dieser Größenordnung menschliche Züge haben kann – und dass es sich nicht wie bei der Konkurrenz Sotheby's um eine geölte Auktionsmaschine handeln muss.

Dort ging es am folgenden Abend mit einigen Erfolgsmeldungen weiter: Roy Lichtensteins Bild "Sleeping Girl" von 1964, das seit dem Verkauf in der legendären Ferus Gallery von LA vom Kunstmarkt verschwunden war, erzielte mit 44,8 Millionen Dollar einen neuen Rekord für den Künstler. "Figure Writing Reflected in Mirror" von 1976 von Francis Bacon, das 1977 das letzte Mal bei einer Ausstellung in Paris zu sehen war, brachte ebenfalls 44,8 Millionen Dollar. Gefolgt von Andy Warhols "Double Elvis" mit 37 Millionen Dollar und einer Arbeit mit Wachsmalstiften von Cy Twombly, "Untitled (New York City)" von 1970, für 17,4 Millionen Dollar, ein neuer Rekord für Twombly. Auch bei Sotheby's war Gerhard Richter mit Arbeiten vertreten. "Abstraktes Bild (768-2)" von 1992 erzielte 16,8 Millionen Dollar. Das Gesamtergebnis des Abends, an dem 11 von 46 Losen als unverkauft zurückgingen: 266,6 Millionen Dollar.

Die beiden New Yorker Auktionswochen knüpfen nicht nur an die Boomzeiten an, die 2007 ihren Höhepunkt erreicht hatten – sie übertreffen sie. Während die Aktienkurse wackelten, hob der Kunstmarkt fröhlich ab. Denn es war die "Saison der Ikonen", wie Brett Gorvy, Christie's Chef der Zeitgenossenabteilung, feststellte. Die Ära der Trophäen und der Super-Reichen, die losgelöst vom Weltgeschehen Kunst zu ihrer neuen Religion erklärt haben. Damit machen auch die 1,3 Millionen Dollar Sinn, die für Urs Fischers liebevoll-zynische Arbeit "Untitled Standing" erzielt wurden. Es handelt sich um eine Wachskerze, die den amerikanischen Kunstsammler Peter Brant zeigt. Zum Deal gehört das Recht, weitere Kerzen in derselben Gussform bei Fischer zu ordern. Damit man das wiederholte Vergnügen hat, seine 1,3 Millionen Dollar und einen Sammler zum Niederbrennen zu bringen.

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