Auktionshaus Neumeister

München

Neumeister beleuchtet seine Vergangenheit im "Dritten Reich"
Dokument aus der Studie von Meike Hopp (Foto: Courtesy Neumeister)

NEUMEISTER BELEUCHTET SEINE VERGANGENHEIT IM "DRITTEN REICH"

Eine Studie klärt, wie ein Auktionshaus vom Nationalsozialismus profitierte: ein "erstaunlich unverblümter Umgang mit der 'Verwertung' konfiszierten, 'nichtarischen' Eigentums"
// CORNELIA GOCKEL, MIT MATERIAL VON DPA

Es ist eine kleine Sensation für den Kunsthandel, was Katrin Stoll, Inhaberin des Kunstauktionshauses Neumeister, auf der Pressekonferenz vorstellt: eine Studie über die Vergangenheit des Hauses in der Nazi-Zeit.

Schon im Frühjahr 2008 hatte sie die Kunsthistorikerin Meike Hopp von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) mit der Erforschung der eigenen Firmengeschichte in der Nazi-Zeit beauftragt, nun erscheint die Studie. Stolls Vater Rudolf Neumeister hatte das Versteigerungshaus 1958 von Adolf Weinmüller übernommen. Weinmüller spielte eine zwielichtige Rolle im Kunsthandel des Nationalsozialismus: Seine Monopolstellung in München erkämpfte er sich durch Beziehungen zu einflussreichen NSDAP-Mitgliedern, jüdischen Sammlern und "arischen" Kunsthändlern. Kunsthistorikerin Hopp hat nun herausgearbeitet, dass das Münchner Kunstversteigerungshaus Adolf Weinmüller sich während der Nazi-Zeit auf Kosten jüdischer Kollegen bereichert habe. Sie konstatiert einen "erstaunlich unverblümten Umgang mit der 'Verwertung' konfiszierten, 'nichtarischen' Eigentums". Weinmüller habe auch maßgeblich an Regelungen mitgewirkt, die jüdischen Kunsthändlern die Ausübung ihres Berufes unmöglich machten.

"Er handelte nicht aus antisemitischen Gründen, sondern aus wirtschaftlichem Kalkül", berichtet Meike Hopp, die in dem 411 Seiten starken Buch "Kunsthandel im Nationalsozialismus: Adolf Weinmüller in München und Wien." Hopps Arbeit basiert im Wesentlichen auf den Versteigerungskatalogen der Münchner und Wiener Auktionen Weinmüllers, sowie einigen erhaltenen handschriftlichen Auktionsprotokollen. Ein persönliches Archiv führte Weinmüller nicht, und seine Geschäftspapiere sind nach seinen Angaben im Krieg verbrannt. So wurde er im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft und konnte sein Geschäft 1948 weiterführen.

Im Rahmen ihrer Forschungsarbeit knüpfte Meike Hopp Kontakt zum renommierten Zentralinstitut für Kunstgeschichte. Gemeinsam beantragte man Fördermittel des Bundes von der Arbeitsstelle für Provenienzforschung. Durch diese Zusammenarbeit entstand das bundesweit einzigartige Projekt eines Public Private Partnership zur Erforschung der Geschichte des Kunsthandels im Dritten Reich. "Als ich 2008 das Auktionshaus von meinem Vater übernahm, erkannte ich einen enormen Klärungsbedarf. Aus persönlicher, aber auch aus gesellschaftlicher Verpflichtung, habe ich mich entschlossen, eine unabhängige Kunsthistorikerin zu beauftragen", erklärte Katrin Stoll ihre Motivation. Damit setzt sie wichtige Impulse für die Erforschung der Strukturen und Mechanismen des Kunsthandels im Dritten Reich, ein Gebiet, mit dem man, wie Christian Fuhrmeister vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte betonte, gerade erst am Anfang stehe.

Mit Ausnahme des Wiener Dorotheums gab es im deutschsprachigen Kunsthandel bisher keine Institution, die ihre Firmengeschichte aufarbeiten ließ. Die Gründe dafür seien vielfältig: Zum einen war die Zeit des Nationalsozialismus lange Zeit ein Tabuthema in der Kunstgeschichte. Zum anderen sei die Provenienzforschung von unterschiedlichen Interessen geleitet, die einer grundlegenden Aufarbeitung des Themas im Wege stehen. "Es muss ein Umdenken in der Provenienzforschung geben", fordert deshalb auch Meike Hopp: "Viele arbeiten sehr isoliert. Eine bessere Vernetzung und engere Zusammenarbeit könnte wesentlich zum Erfolg beitragen."

In der am 25. Mai erscheinenden Juni-Ausgabe von art lesen Sie ein Interview mit Katrin Stoll über die Geschichte ihres Auktionshauses.

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1 Leserkommentar vorhanden

Neumeister Dorotheum

10:21

17 / 05 / 12 // 

Nazi Zeit

Dass Die Firmen Weinmüller und Dorotheum eine beispiellose Nazivergangenheit haben ist nichts Neues.Deswegen haben beide Häuser das auch aufarbeiten lassen müssen.Allerdings tragen die jetzigen Eigentümer für die Vergangenheit nun wirklich keine Verantwortung. Warum aber Rudolf Neumeister dann 1971 den Nachlass von Reichsmarschall H. Goering in der Stadt der Bewegung versteigern musste , bleibt ein Rätsel. Andere Häuser hatten das abgelehnt. Gut nachzulesen bei Chr. Herchenroeder.

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