Gunter Sachs

Vorbesichtigung



SAMMLUNG GUNTER SACHS

Einziger Stopp in Deutschland: Sotheby`s zeigt den Nachlass von Gunter Sachs in München. Die Auktion findet Ende Mai in London statt.
// CORNELIA GOCKEL, MÜNCHEN

Er liebte die schönsten Frauen, feierte die wildesten Partys und verkehrte im internationalen Jet Set – wie kaum ein anderer verkörperte Gunter Sachs das Leben eines Playboys. Als Spross einer Industriellenfamilie entfloh er dem Mief der deutschen Nachkriegsära und zog nach Paris.

Er begeisterte sich für die neuen Strömungen der Kunst, befreundete sich mit zahlreichen Künstlern und wurde selbst zum Sammler und Fotograf. "Ich wollte nie irgendeinem Klischee entsprechen, sondern so leben, wie ich es für richtig hielt und mit meinem Gewissen vereinbaren konnte", erklärte er. Als 78-Jähriger hat sich Gunter Sachs am 7. Mai 2011 das Leben genommen, weil er glaubte an Alzheimer erkrankt zu sein. Ein Jahr später kommen nun mit der Auktion am 22. und 23. Mai bei Sotheby’s in London fast 300 Kunstwerke aus seinem Nachlass auf den Markt.

Dazu gehören Arbeiten von Yves Klein, Arman, Andy Warhol, Jean Fautrier, Max Ernst, Roy Lichtenstein, aber auch Möbel wie ein Armstuhl von Carlo Bugatti und Kunsthandwerk wie eine Standuhr von Cartier sowie Fotografien aus seinem eigenen künstlerischen Werk. Die Schätzpreise gehen von 50 Pfund bis zu drei Millionen. "Die Sammlung ist eine der begehrtesten, die jemals auf den Markt gekommen ist," sagt Cheyenne Westphal, Chairman Contemporary Art Sotheby’s Europa: "Gunter Sachs hat Kunst nicht nur gesammelt, sondern auch damit gelebt. Sein Turmappartement im Palace Hotel in St. Moritz hat er mit Werken von Tom Wesselmann, Andy Warhol und François-Xavier Lalanne in einen Pop-Art-Tempel verwandelt." Zu den Interessenten gehören auch viele Freunde und Weggefährten von Sachs.

Eine Ausstellung mit den Highlights aus der Privatsammlung tourt schon im Vorfeld der Auktion durch internationale Metropolen. Nach Paris und Zürich war sie für einen Tag in München in den Räumen der Galerie Florian Sundheimer zu Gast, bevor sie zu weiteren Stationen nach New York und London reist. Der Andrang war groß, denn Gunter Sachs wurde mit seinem glamourösen Leben und seinem Faible für Mode, Kunst und Zeitgeist zu einer Stilikone der sechziger Jahre. Zu den prominenten Gästen am Eröffnungsabend gehörten unter anderen Fürstin Manni zu Sayn-Wittgenstein, Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar, die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde Charlotte Knobloch, der Schauspieler Karl Friedrich von Thun, die Sammlerinnen Inge Rodenstock und Biggi Schuler-Voith.

Dass München als einzige deutsche Stadt als Ausstellungsstation ausgewählt wurde, hat mit der besonderen Verbindung zwischen Gunter Sachs und der Isarmetropole zu tun. Der viel gescholtene Playboy und Bürgerschreck sammelte nicht nur zu seinem eigenen Vergnügen, sondern wollte zeitgenössische Kunst auch einem breiten Publikum zugänglich machen. Bereits 1967 waren Werke aus seiner Sammlung in der Münchener Villa Stuck ausgestellt. Zusammen mit Konstantin von Bayern gründete er den Verein "Modern Art Museum München" und engagierte sich für den Bau eines Museums für zeitgenössische Kunst. Mit seinen Bemühungen war er bekanntlich ebenso wenig erfolgreich wie später als Galerist in Hamburg. Bei seiner ersten Ausstellungseröffnung 1972 mit seinem Freund Andy Warhol blieb er auf den Bildern sitzen. Um der Blamage zu entgehen, kaufte er selbst heimlich einen großen Teil der Werke. Eine wegweisende Entscheidung, denn die Pop-Art bildet heute einen Schwerpunkt in seiner Sammlung.

Das absolute Highlight der Auktion ist Andy Warhols farbiger Siebdruck von Brigitte Bardot aus dem Jahre 1974 mit einem Schätzpreis von drei bis vier Millionen Pfund. Gunter Sachs war mit der französischen Filmschauspielerin 1966 bis 1969 verheiratet. "Das Bild ist eine Auftragsarbeit und basiert auf einer Schwarzweiß-Fotografie von Richard Avedon von 1959, die auch bei der Auktion versteigert wird", verrät Cheyenne Westphal. Glücklich der Sammler, der beide erwerben kann.

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1 Leserkommentar vorhanden

artdealer

15:40

29 / 04 / 12 // 

HH & Kunst

"Bei seiner ersten Ausstellungseröffnung 1972 mit seinem Freund Andy Warhol blieb er auf den Bildern sitzen. Um der Blamage zu entgehen, kaufte er selbst heimlich einen großen Teil der Werke." Das hat sich bis heute nicht geändert! Hamburg ist die Stadt der unterdrückten "Kunstkaufenden" Lebensfreude! Ahoi.

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