Art Cologne

Bilanz

Es geht voran
Prüfender Blick: Besucher am Stand der Galerie Salis & Vertes, Halle (Foto: Art Cologne)

ES GEHT VORAN

Wenngleich die größten Umsätze in Miami, in Basel und immer öfter im Fernen Osten gemacht werden, erreichten die auf der Art Cologne vertretenen Galerien gute Verkaufszahlen. Die Messe hatte 60 000 Besucher, die Stimmung war gut.
// MICHAEL KOHLER, KÖLN

Eine Galerie wie David Zwirner schmückt nicht nur die Art Cologne: Eine Hundertschaft Mitarbeiter, ein neunstelliger Jahresumsatz und ein Angebot von musealer Qualität. Solche Schwergewichte hatte die Kölner Messe zuletzt schmerzlich vermisst, zumal David Zwirners Vater Rudolf zu ihren Gründern zählte.

Am ersten Abend meldete die Galerie dann Einnahmen, die andere Händler im Leben nicht erzielen, und nannte das Geschäft – solide. Die ganz großen Umsätze werden eben weiterhin anderswo gemacht: In Basel und Miami und immer häufiger in Fernost.

Trotzdem fällt die Bilanz der diesjährigen Art Cologne mehr als solide aus. Auch am Sonntag war der Laden wieder voll und die Stimmung entspannt. Messeleiter Daniel Hug zeigte sich "sehr zufrieden" mit der 46. Ausgabe, die qualitativ erneut "deutlich besser" als die vorangegangene gewesen sei. Unter den rund 60 000 Besuchern seien viele Sammler gewesen, entsprechend reges Geschäft meldeten die Galerien. "Unten", also bei der Klassischen Moderne, sei es sogar "supergut gelaufen". Den höchsten Betrag erzielte gleichwohl David Zwirner mit 3 Millionen US-Dollar für "Der Soldat" (1965) von Georg Baselitz; 1,1 Millionen US-Dollar verbuchte Thaddaeus Ropac, der zweite prominente Neuzugang der Messe, für einen "Picasso" von Andy Warhol.

Bei Messehalbzeit hatten einige Händler noch verhalten geklungen. "Die Messe ist okay" hieß es etwa bei einer rheinischen Galerie, was allerdings nüchterner erscheint, als es gemeint ist. Es ist nämlich noch gar nicht so lange her, dass die älteste Kunstmesse der Welt alles andere als okay war. Erst seit Daniel Hug die Art Cologne 2008 übernahm, das Teilnehmerfeld deutlich verkleinerte und lange aufgeschobene Reformen durchsetzte, geben wichtige internationale Galerien wie Zwirner oder Ropac dem Standort (wieder) eine Chance und bringen im Kielwasser prominente Sammler mit. Laut Hug wollen beide Galerien nächstes Jahr wieder kommen.

Ob das auch für das "wilde Experiment" (Hug) Nada Cologne gilt, ist nicht so sicher. Die vom US-Galerienverband New Art Dealers Alliance organisierte Messe in der Messe stieß auf mittelprächtige Resonanz, und auch Hugs Urteil ist reserviert: "Einige Galerien haben sich wirklich Mühe gegeben, andere weniger." Erst wolle er das interne Resümee der Nada abwarten, dann werde man weiter sehen: "Vielleicht machen wir auch ganz was anderes."

Im Vorfeld der Art Cologne hatte Daniel Hug mit der Ankündigung für Schlagzeilen gesorgt, binnen eines Jahrzehnts wieder an die Spitze des zeitgenössischen Kunstmarkts zu wollen. Nach vier guten Jahren wachsen allerdings nicht nur bei Hug die Ansprüche, sondern auch bei Publikum und Galerien. Was bleibt Hug da anderes übrig als die Flucht nach vorn? Er hat mit der New Yorker Nada einen derzeit angesagten Galerienverband nach Köln geholt und damit das Profil für junge Kunst geschärft. Und er hat den Berliner Galerien gezeigt, dass das Art Forum kein Verlust sein muss. "In Berlin haben wir das Publikum und in Köln die Käufer", fasste ein in beiden Städten tätiger Händler seine Erfahrungen zusammen. Doch der Kunstmarkt ist wankelmütig, und wer weiß, was passiert, wenn sich die Frieze nach London und New York auch noch Berlin als Standort zutraut? So erfolgreich die Art Cologne derzeit ist: Sie ist auch zum Erfolg verdammt.

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