Daniel Hug

Interview



ART-COLOGNE-CHEF: BERLIN BRAUCHT KEINE MESSE

Vor fünf Jahren noch von einigen totgesagt, ist die Art Cologne heute wieder obenauf. Niemand bezweifelt mehr, dass es die führende deutsche Kunstmesse ist. Direktor Daniel Hug will allerdings mehr: Die Art Cologne soll sogar die Art Basel überflügeln.
// INTERVIEW: CHRISTOPH DRIESSEN, DPA

Vor vier Jahren kam der US-Galerist Daniel Hug aus Los Angeles, um die angeschlagene Art Cologne zu übernehmen. Seitdem ist es mit der ältesten Kunstmesse Deutschlands stetig bergauf gegangen. Die Frage ist allerdings, ob es nicht genauso schnell wieder abwärts gehen könnte – zum Beispiel wenn die Berliner Konkurrenz mal an einem Strick ziehen würde. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa gibt sich Hug selbstbewusst und beteuert, dass er noch lange in Köln bleiben will.

Wie sieht es aus – haben Sie ein paar neue große Namen für die Art Cologne gewinnen können?

Daniel Hug: Dieses Jahr kommen international bekannte Schwergewichte zurück auf die Messe: Thaddaeus Ropac aus Paris und Salzburg, der seit 15 Jahren nicht mehr auf der Art Cologne war, zum Beispiel. Die Galerie David Zwirner kommt zum ersten Mal aus New York – das ist eine der fünf Top-Galerien weltweit.

Und was sagen die, warum sie kommen?

Verschiedenes. Die Galerie Hauser & Wirth aus Zürich sagte mir, sie wollen die Art Cologne machen, weil die Art Cologne ein eigenständiges Profil hat.

Was ist denn das Profil der Art Cologne?

Es ist eine internationale Messe mit Schwerpunkt Deutschland.

So ganz international ist die Messe ja nicht.

Auf amerikanischen Messen ist so etwas nie ein Thema. Da fragt keiner: Ist die Messe zu amerikanisch? Aber in Deutschland wird gefragt: Warum sind da 60 Prozent deutsche Aussteller? Die Antwort ist: Weil der deutsche Kunstmarkt groß ist. Es gibt hier viele Kunst-Zentren, nicht nur Berlin.

Aber Berlin zieht doch immer mehr an. Kann es da wirklich dauerhaft so bleiben, dass die größte deutsche Kunstmesse in Köln ist?

Klar. In der Schweiz ist es auch so: Das wichtigste Kunstzentrum ist Zürich, aber die Messe ist in Basel. Berlin braucht keine Messe. In Berlin ist jedes Wochenende Messe.

Warum sollte man dieses Jahr nach Köln kommen?

Wir haben dieses Jahr die New Art Dealers Alliance (NADA) aus New York mit dabei. Das ist eine sehr relevante Plattform für die Entdeckung neuer Galerien.

Das heißt, es kommen eine Menge New Yorker Galerien nach Köln?

Konkret 32 der besten! Aber was vielleicht noch wichtiger ist: Wir bekommen dadurch eine andere Perspektive als unsere europäische. Und das wird, glaube ich, ziemlich aufregend werden. Zumal NADA in Köln 100 Prozent unabhängig agieren wird – autonom. Die treffen ihre eigenen Entscheidungen. Es ist das erste Mal, dass eine Messe so etwas macht. Ein ziemlich wildes Experiment.

Wobei New York nicht mehr so bedeutsam ist wie früher.

Das stimmt nicht, New York ist noch immer das Zentrum der internationalen Kunstwelt. Die Zahl der in New York tätigen Künstler und Galerien ist riesig. Man müsste in Europa schon alle Kunstzentren addieren – London, Paris, Berlin, Wien und so weiter – alles zusammen, und dann würde man vielleicht an New York heranreichen.

Nach einer Studie der Kunstmesse TEFAF ist Amerika im vergangenen Jahr als größter Kunstmarkt von China überholt worden.

Das ist sehr irreführend. Da werden Auktionsergebnisse für Antiquitäten und alles mögliche andere mitgezählt. Für zeitgenössische Kunst ist New York immer noch führend.

Im Moment steht die Art Cologne wieder gut da. Aber das kann sich schnell wieder ändern – zum Beispiel wenn die Berliner doch mal eine eigene Messe auf die Reihe bekommen.

Es gab immer Zeitpunkte, wo die Art Cologne cool und modisch war, und dann gab es langsamere Jahre. Der Vorteil ist, dass es die Art Cologne schon so lange gibt. Seit 46 Jahren kommen die Leute hierher, um einzukaufen. Da ist es dann irgendwo wurscht, ob das gerade 'ne coole Messe ist oder nicht. Die gehen einfach dahin und gucken, ob ihnen was gefällt, und wenn das der Fall ist, dann kaufen sie es. Und das ist gut: Man sollte mit dem Herzen kaufen und nicht mit den Ohren.

Wieso mit den Ohren?

Nach dem, was einem zu Preis und Wertentwicklung eingeflüstert wird.

Ach so. Nicht mit den Ohren, sondern mit den Augen.

Ja stimmt, mit den Augen. Und mit dem Herzen. Aber die Ohren muss man sich zuhalten.

Sie sind jetzt seit vier Jahren in Köln. Wohin gehen Sie als nächstes?

Oh, ich bleibe. Ich bleibe in Köln.

Was wollen Sie denn hier noch erreichen? Die Art Cologne zur führenden Kunstmesse der Welt machen?

Klar, man muss nach dem Größten streben.

Meinen Sie das im Ernst?

Natürlich. Glauben Sie, ich sage: Ich will Nummer 2 sein? Nein, man will Nummer 1 sein!

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2 Leserkommentare vorhanden

Janis

23:09

13 / 04 / 12 // 

did he miss something

Eins? ok. wir sind 99!

http://ninichissima.wordpress.com/

23:39

18 / 04 / 12 // 

mehr erwartet

ich war heute da und es ist sicherlich gut, aber nach diesem Artikel habe ich mehr erwartet. Da waren viele gute und bekannten Gallerien und Namen aber mir hat die Vielfältigkeit gefehlt. Oder liegt es bei mir? :-O Die Messe war mehr international als erwartet, was die Gallerien betrifft, aber die vertretene Künstler waren auch hauptsächlich etablierten Künstler aus Europa und USA. Ich habe mich mehr aus Asien und/oder arabischem Raum gewünscht, wie bei anderen Messen gesehen. P.S. NADA war sicherlich ein von Highlights!

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