Armory Show

New York



TAPETENWECHSEL

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Am Eröffnungstag der New Yorker Kunstmesse Armory Show gab die Frieze Art Fair, die im Mai das erste Mal in New York stattfinden wird, das Design des US-Ablegers bekannt. Frieze wird mit Galerien wie Hauser & Wirth, Gagosian, Sadie Coles oder Cheim & Read auflaufen, ein Aufgebot von dem die Armory-Mannschaft inzwischen nur träumen kann.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Wie zum Trotz ging es bei der Armory feierlicher als in den Vorjahren mit Champagner los. Hinter der Bar prangte das Neonzeichen des Isländers Ragnar Kjartansson mit den rätselhaften Worten "Scandinavian Pain". Man konnte die skandinavische Schmerzattacke in Pink als gutes Omen ansehen. Die Galerie i-8 aus Reykjavík verkaufte die Arbeit am ersten Tag für 55 000 Dollar an das Moderna Museet in Stockholm.

Zum VIP-Opening liefen New Yorker Museumsdirektoren sowie wichtige Sammler wie Mera und Don Rubell und David Mugrabi, Künstler wie Chuck Close, Terence Koh und Marilyn Minter auf. Bei all dem Rummel blieb das Gefühl, dass die eigentliche Party mit den großen Spielern der Kunstwelt demnächst bei der Frieze-Messe auf Randall's Island steigen wird – und auch in diesen Tagen woanders stattgefunden hat: In der Park Avenue bei der Messe der Art Dealers Association of America (ADAA) haben sich 72 ausgewählte US-Galerien, die meisten von ihnen aus New York, mit einem starken Programm versammelt.

Die Juwelen der Park Avenue

Die ADAA ist in den vergangenen Jahren interessanter und bedeutender geworden, weil immer mehr zeitgenössische Primärmarkt-Galerien eingeladen wurden. Während auf der Armory viel Glitzer und hier und da ausgewählte Schmuckstücke präsentiert wurden, standen in der Park Avenue Armory die Juwelen zum Verkauf. Dazu zählte die "Murder Mystery"-Serie von Cindy Sherman, die im Museum of Modern Art mit einer Ausstellung geehrt wird, mit Preisen von bis zu 400 000 Dollar. Die Collagen sind zu Shermans Studentinnen-Zeiten entstanden – noch vor ihren berühmten "Film Stills". Oder Fotos von Francesca Woodman bei Marian Goodman. Woodman, die sich Anfang der achtziger Jahre mit 22 Jahren das Leben genommen hatte, wird ab 16. März eine Ausstellung im Guggenheim Museum gewidmet. Die Tanya Bonakdar Gallery zeigt neue Installationen der Brooklyner Künstlerin Sarah Sze, die den amerikanischen Pavillon auf der nächsten Biennale in Venedig bespielen wird. Blum and Poe hatte Porträts des L.A.-Künstlers Henry Taylor mit Preisen von bis zu 60 000 Dollar im Angebot und vermeldete ebenso wie David Zwirner, der Arbeiten der amerikanischen Malerin Suzan Frecon zeigte, am ersten Tag: alles ausverkauft.

Oft nur Mittelklasse

Die Armory-Crew hatte Zwirner ebenso wie die seit Jahren abwesende Galerie Sprüth Magers überzeugen können, wieder auf der Messe dabei zu sein. 2007 hatte der Messebetreiber Merchandise Mart Properties die große Kunstmesse übernommen, seitdem häuften sich die Klagen über die schlechte Organisation und Größe der Megaverkaufsshow, die sowohl Ausstellern als auch Besuchern immer weniger Spaß bereitete. Zwar gelang es Armory-Gründer Paul Morris, der zur weiteren Schadensbekämpfung wieder direkt an der Messe-Front im Einsatz ist, die 14. Ausgabe zu entrümpeln. Mit 220 Teilnehmern sind 25 Prozent weniger Galerien vertreten. Das Layout der Messe ist wohltuend klarer gestaltet. Doch das Angebot war über weite Strecken Mittelklasse, wie es Kunstberaterin Thea Westreich auf den Punkt brachte. "Ich habe kaum etwas gesehen, was mich interessiert."

Immerhin lieferte Zwirner den ersehnten Tapetenwechsel. Der Frankfurter Künstler Michael Riedel, der im Juni seine erste Einzelusstellung in der Schirn Kunsthalle haben wird, hatte drei seiner aus früheren Postern bestehenden Siebdrucke, die an einer Wand des Messestandes hingen (und für jeweils 50 000 Dollar an drei Sammler gingen) abfotografiert und die zweite Messewand mit dem Foto tapeziert. So dass sich der Stand in sich selbst wieder spiegelte und sich die Situation verdoppelte, so Riedel. Am frühen Abend wurde die rosa eingefärbte Fototapete mit einer türkisgrünen Variante ausgetauscht.

Lesen Sie auf der nächsten Seite über ein Schoßhündchen aus Mülltüten und ein kreatives Chaos-Zentrum aus Skandinavien bei der Armory Show.

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