Joburg Art Fair
Kunstmesse
AFRIKA IM AUFWIND
Die Eröffnung der Messe glich einer Silvestergala in einem Fünf-Sterne-Hotel: Erst marschierten Hunderte Kellner in die Halle des Convention Center in Sandton, dem Financial District Südafrikas, stapelten Weinglaspyramiden und reichten Häppchen. Dann flatterten die geladenen Gäste in Designerkleidern und afrikanischen Gewändern, mit blonden Strähnen und Dreadlocks wie Paradiesvögel durch die Gänge und schauten neugierig, was die erste Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst zu bieten hatte.
Wer sich schon in afrikanische Kunst eingesehen hat, entdeckte einige Bekannte: die Hyänen-Männer von Pieter Hugo bei der New Yorker Michael Stevenson Gallery, Kanister-Masken des Documenta-Künstlers Romuald Hazoumé an den Stellagen der Londoner October Gallery (9400 Euro) und Zwelethu Mthethwas Fotoserien von Wanderarbeitern aus Mosambik bei Jack Shainman aus New York (9000 Euro), außerdem Fotografien von Santu Mofokeng und David Goldblatt.
Linda Givon, seit 1966 Leiterin der Goodman Gallery und Grand Dame der südafrikanischen Kunstwelt, verkaufte viele ihrer Spitzenwerke schon beim Pre-Preview an Manager und Vorstände aus Johannesburg, Kapstadt und Durban: ein plattencovergroßes Aquarell von Marlene Dumas, dessen Preis sie nicht verriet, und ein Bronzepferd von Superstar William Kentridge (27 000 Euro). Diese frühen Verkäufe sind vor allem das Verdienst von Ross Douglas. Der Leiter der Messeorganisation Artlogic hatte neben südafrikanischen Wirtschaftsbossen auch potenzielle Sammler aus dem Ausland einfliegen lassen, weil er befürchtete, dass "viele kommen, aber niemand kauft". Von Zurückhaltung war jedoch auf der Vernissage nichts zu spüren. Vor allem Fotokunst, die in Afrika eine lange Tradition hat, fand zu Preisen von 800 bis 12 000 Euro Abnehmer, darunter auch drei Arbeiten von Hasan und Husain Essop (800 Euro). Die jungen Zwillingsbrüder kommentieren auf ihren digitalen Fotocollagen augenzwinkernd den Islam. "Die Arbeiten der beiden nehme ich mit nach Basel", sagt Linda Givon und verrät noch: "Ich will nach London expandieren. Afrika braucht eine stärkere Repräsentanz."
Für eine Erstlingsmesse war die Joburg Art Fair hochkarätig besetzt. Ross Douglas hatte 22 Galerien eingeladen, die beinahe ausschließlich Arbeiten aus Afrika präsentieren, darunter große Namen wie Michael Stevenson aus Kapstadt und absolute Newcomer wie die experimentelle Kapstadter Galerie Whatiftheworld. Sein Ziel ist, Südafrika als Handelszentrum für die neue Kunst des Kontinents zu positionieren, den heimischen Markt anzukurbeln und neue Käuferschichten zu gewinnen. Keine leichte Aufgabe, angesichts der starken Arbeitslosigkeit, massiver Armut und der wohl höchsten Kriminalitätsrate der Welt in Johannesburg, wo man selbst tagsüber nicht zu Fuß gehen sollte. Außerdem fehlt vielen Südafrikanern, die den Großteil der Besucher ausmachten, noch der Zugang zur Post-Apartheid-Kunst. Man höre Sätze wie "Why do I want a video for 20 000 Rand (ca. 1600 Euro)? What do I do with it?", sagte Ross Douglas der Lokalzeitung "The Weekender".

