Tefaf Maastricht
Kunstmesse
"WIE LANGE WERDEN STRICHMÄNNCHEN NOCH ZU PERVERSEN PREISEN VERKAUFT?"
"Die finanzielle Marktlage hat niemanden abgeschreckt", stellt "Tefaf"-Vorsitzender Ben Janssens fest. Ganz im Gegenteil: "Wenn die Börse boomt, investieren die Leute auch lieber dort. Wenn nicht, sind sie eher geneigt, in Kunst zu investieren", sagt der Münchner Kunsthändler Konrad Bernheimer. Außerdem, so Bernheimer: "Wirklich vermögende Leute trifft die Börsenkrise nicht!"
Und genau darum handelt es sich bei den "Tefaf"-Kunstkäufern: Die inzwischen 21 Jahre alte Messe gilt als feinste und teuerste der Welt – und dementsprechend erlesen und reich ist auch das Publikum. Der Trend wird durch die jüngste "Tefaf"-Untersuchung bestätigt, in der jedes Jahr ein Aspekt des Kunstmarktes analysiert wird. Fazit 2008: Mit Kunst kann man Geschäfte machen. Der Umsatz auf dem internationalen Kunstmarkt hat sich demnach innerhalb von fünf Jahren bis 2006 nahezu verdoppelt. In diesem letzten Untersuchungsjahr wurden weltweit Werke im Wert von 43,3 Milliarden Euro gehandelt. Dominiert wird der Markt von den Amerikanern, sowie von den Briten, die mit 60 Prozent Marktanteil in Europa Spitzenreiter sind. Deutschland ist mit gerade mal drei Prozent am Umsatz des internationalen Kunsthandels beteiligt. Weltweiter Trend: Der Osten ist im Kommen. So hat sich China auf den vierten Platz vorgearbeitet. Und das war auch auf der "Tefaf" spürbar. "Erstmals kamen zwei Delegationen mit Sammlern vom chinesischen Festland, insgesamt 20 Personen", erzählt Janssens.
Auch für Museumsexperten war Maastricht wieder "the place to be": Aus 16 Ländern rückten sie an, unter anderem aus der Eremitage in St. Petersburg, dem Metropolitan in New York, der National Gallery in Washington, dem Boston Museum of Fine Arts, der Tate Britain, dem Louvre und dem Israel Museum in Jerusalem. Auch das Amsterdamer van Gogh- und das Rijksmuseum fehlten nicht.
Zwar wurde die Eröffnung durch den dreisten Diebstahl eines Colliers im Wert von 1,2 Millionen Euro überschattet – aber gleich am ersten Tag wurden auch die wichtigsten Verkäufe vereinbart. So konnte Dickinson aus London das "Opfer der Iphigenie" von Jan Steen verkaufen, das für acht Millionen Euro angeboten worden war. Es hing zuletzt im Amsterdamer Rijksmuseum, doch da es zur Kollektion des jüdischen Sammlers Jacques Goudstikker gehörte, hatte es die niederländische Regierung zusammen mit rund 200 weiteren Werken an die Erben zurückgegeben. Die konnten es über Maastricht nun erfolgreich verkaufen.

