Droit de suite

Folgerecht

Zusicherung von Abgaben
Das berühmte Gemälde soll zur Einführung des droit de suite in Frankreich geführt haben, Jean-Francois Millet: "Angélus", 1858

ZUSICHERUNG VON ABGABEN

Schon seit 2006 gilt ein einheitliches Folgerecht für die EU. Dadurch wird den Künstlern und Erben bei Wiederverkauf eines Werkes eine Abgabe zugesichert. Österreich, Irland und Großbritannien, wo es zuvor noch kein Folgerecht gab, mussten bis zum 1. Januar 2012 die Abgaben auf die Erben ausweiten. Der Londoner Kunstmarkt befürchtet Verluste gegenüber anderen Zentren. Eine Debatte über das Für und Wider wurde in Gang gesetzt.
// HANS PIETSCH, LONDON

Die Notlage der Familie des französischen Malers Jean-François Millet soll zur Einführung des droit de suite in Frankreich geführt haben. Als nach dessen Tod sein berühmtes Gemälde "Angélus" (1858) für 800 000 Francs wiederverkauft wurde, machte der Besitzer einen Riesenprofit, die am Hungertuch nagenden Hinterbliebenen erhielten keinen Sous. Seit 2006 gilt in der gesamten EU ein einheitliches Folgerecht, das Künstlern und deren Erben bei jedem Wiederverkauf eines Werkes eine Abgabe zusichert. Doch Ländern, in denen es zuvor kein Folgerecht gab, wie Österreich, Irland und Großbritannien, wurde bis zum 1. Januar 2012 Zeit gegeben, dieses von lebenden Künstlern auf die Erben auszuweiten, bis zu 70 Jahre nach deren Tod. Die Abgaben, die Galerien und Auktionshäuser leisten müssen, sind nach Verkaufspreis gestaffelt, von 4 Prozent für Werke unter 50 000 Euro bis zu einem Viertel Prozent über 500 000 Euro, mit einer oberen Grenze von 12 500 Euro pro Transaktion.

Der Londoner Kunstmarkt hat im Vorfeld alles versucht, die neue Regelung zu torpedieren, und wirft der britischen Regierung vor, in Brüssel klein beigegeben zu haben. Galerien und Auktionshäuser befürchten, London könnte gegenüber anderen Zentren ins Hintertreffen geraten. "Wenn die Regelung weltweit gelten würde, wäre alles in Ordnung", sagte Anthony Browne von der British Art Market Foundation dem Guardian, "doch dem ist nicht so."Vor allem New York und Hongkong, so wird befürchtet, könnten London, wo 58 Prozent des europäischen Handels mit Kunst in Höhe von jährlich mehr als 7 Milliarden Pfund abgewickelt werden, das Wasser abgraben. Die Befürworter des erweiterten Folgerechts halten diese Befürchtungen für zumindest übertrieben. Tania Spriggens von der Design and Arts Copyright Society, die die Abgaben eintreibt und verteilt, sieht keine Beweise dafür, dass das Geschäft ins Ausland abwandert.

"Wenn das der Fall wäre, hätte eine Abgabe in Höhe von 11 000 Pfund für den Verkauf eines teuren Damien Hirst eine Wirkung haben müssen. Das ist nicht eingetreten." Sie stützt sich dabei auf die Ergebnisse einer vor drei Jahren veröffentlichten amerikanischen Studie des Londoner Kunstmarkts, die keine negativen Auswirkungen des limitierten Folgerechts ausmachen konnte. Zumindest die Auktionshäuser reagierten bisher eher pragmatisch, obwohl Matthew Girling von Bonham’s die Erweiterung des droit de suite "für unnötig" hält. Sie haben ihre Statute dementsprechend geändert und sind bereit, erfolgreichen Bietern den jeweiligen Prozentsatz des Hammerpreises auf’s Auge zu drücken. Die Zukunft wird zeigen, ob die Unkenrufer oder die Befürworter recht behalten.

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