DC Open

Galerienrundgang



SICH SELBST BEIM SEHEN ZUGUCKEN

Alle Jahre wieder öffnen zum Saisonstart rund 70 Galerien in Düsseldorf und Köln gemeinsam ihre Türen. Diesen Herbst präsentiert sich das Rheinland nun schon zum dritten Mal beim Galeriewochenende mit einem vielfältigen und hochkarätigen Programm. Ein Rundgang.
// IRIT BAHLE, DÜSSELDORF UND KÖLN

Der Rundgang "Düsseldorf Cologne Open Galleries", kurz DC Open, scheint mittlerweile eine feste Größe im Rheinland zu sein. Wieder wird die Veranstaltung vom Land NRW gefördert, wieder finanzieren auch die beiden Rheinstädte den künstlerischen Schulterschluss mit.

Auch die Galeristen stünden fest hinter DC und seien stolz, den Zusammenschluss angestoßen zu haben, sagt der Düsseldorfer Galeriesprecher Michael Cosar. "Beim ersten Mal ging noch ein Ruck durch die Kunstszene. Das war neu, dass sich Köln und Düsseldorf zusammentun. Beim zweiten Mal hat sich die Veranstaltung gefestigt, und jetzt, beim dritten Mal, herrscht unaufgeregte konzentrierte Stimmung." Dass die DC sich etabliert habe, sagt auch die neue Sprecherin der Kölner Galerien, Anke Schmidt: "Die Veranstaltung wird mittlerweile überregional thematisiert und wahrgenommen." Neu ist in diesem Jahr, dass das Sammlerfest mit rund 700 geladenen Gästen nicht in Köln oder Düsseldorf stattfand, sondern dazwischen, in Neuss, in der Langen Foundation. "Die Idee ist ja, die Besonderheiten des Rheinlands aufzuzeigen, und die Fülle an Privatsammlungen macht die Region aus", betont Anke Schmidt. Beim Alten geblieben ist, dass es ein geballtes Kunstwochenende mit erstklassigen Ausstellungen und Festen gab, wobei auch in diesem Jahr Shuttle-Busse das Vorankommen erleichterten.

Am Grabbeplatz in Düsseldorf ausgestiegen, kann man das Galeriewochenende mit echten Düsseldorfer Höhepunkten beginnen: Hans Mayer eröffnet zeitgleich mit der DC seine neuen Räume mit einer "Hommage an das Rheinland": Joseph Beuys, Tony Cragg, Gotthard Graubner, Andreas Gursky, Nam June Paik, Imi Knoebel, Sigmar Polke, Norbert Kricke und Günther Uecker - Die Ausstellung zeigt neun Arbeiten von Künstlern aus dem Umfeld der Akademie, "die alle Weltspitze sind", sagt Hans Mayer. Enthusiastisch spricht er von den Qualitäten der Region: "Die Begeisterung, die Atmosphäre, das gibt es nur im Rheinland. Und wo sonst auf der Welt gibt es so viele Museen für zeitgenössische Kunst auf so engem Raum?"

Die Galerie Schmidt Maczollek in Köln zeigt Fabian Marcaccio, der mit der Ausstellung "Corpse-Variant Paintants" die Grenzen der Malerei auslotet. Das Wort "Paintant" setzt sich zusammen aus "painting" und "mutant", und so sieht der Besucher Arbeiten eines Malers, die in wucherndem Silikon die Metamorphosen einer Leiche zeigen und aus dem Rahmen der Malerei in den Raum hineinwachsen. Das "Rope Paintant" befindet sich zwar noch in einem massiven Holzrahmen, doch die Leinwand ist aufgelöst, besteht aus spröden Schiffstauen, auf denen gefärbtes Silikon einen Totenkopf wachsen lässt. Noch weiter geht das "Structural Canvas Paintant", eine Skulptur aus einer bearbeiteten, kaum noch erkennbaren Leinwand, die mit schrillen Silikonauswüchsen organisch wirkt. Eine "explodierte Malerei", sagt Anke Schmidt.

Einen morbiden Hauch und etwas Melancholie der Vergänglichkeit gibt es auch in Kris Martins Ausstellung in der Sies + Höke Galerie zu sehen. In der Mitte steht eine 400 Kilogramm schwere Globus-Halterung aus Messing, der jedoch der Globus fehlt. Drum herum sind Fundstücke des Künstlers zu sehen, wie der kleine liegende Bronzevogel "Noah" mit geschlossenen Augen, dem er eine Kanne in die Kralle gelegt hat. Vielleicht ist der Vogel gar nicht tot, sondern betrunken? Gerade wieder aufgemuntert, verschlagen einem ein Mönchschädel mit Goldzähnen und ein alter Soldatenschuh inklusive Knochen die Sprache. Viele Exponate sind einzigartige Fundstücke und schon lange in seinem Besitz, aber er trennt sich von ihnen, sagt Kris Martin – "Verabschieden muss man sich immer. Ich hänge nicht so sehr an Dingen, nur an Menschen."

Bei Michael Wiesehöfer zeigt Eli Cortiñas "Street Girls Bringing Sailors In Must Pay In Advance". Neben Collagen, die unter anderem DDR-Pornomagazine mit Alpenlandschaft kombinieren, steht im Zentrum der Ausstellung eine Videoinstallation, ein 5-Minuten-Loop, zusammengesetzt aus Bildern und Tönen verschiedener Spielfilme. Als Hauptmotiv öffnet und schließt sich wiederholt ein Vorhang, der den Film malerisch macht und sowohl filmhistorisch aufgeladenem Material als auch wohlbekannten Frauenikonen eine Bühne bereitet und dabei Konstruktionen weiblicher Identität reflektiert. Die Frauen sind, in Anlehnung an Motive der Romantik, lediglich von hinten zu sehen. Wir blicken ihnen über die Schulter, während sie bei offenem Vorhang Beichte ablegen.

Ausschnitt aus Eli Cortiñas Filminstallation: "Confessions with an open curtain", 2011, 1-Kanal Video, Original 5 Min. 30 Sek., Loop, Farbe, Ausschnitt: 1 Min. 5 Sek.:

Linn Lühn eröffnet zeitglich mit DC Open ihre neuen Räume in Düsseldorf und knüpft mit der Ausstellung "Zwischen Formalismus und Freiheit" an die Geschichte der Stadt an, wie den Formalismus der neunziger Jahre an der Akademie. In neuen Räumen zeigt sie überwiegend neue Künstler. Freiheit meint hier Möglichkeit ohne Begrenzung, und so changieren die Arbeiten von Florian Baudrexel, Alexander Bornschein, Aleana Egan, Marte Eknæs, Heimo Zobernig zwischen formaler Strenge und möglichen Brüchen. Die Galeristin bleibt nach acht Jahren in Köln dem Rheinland erhalten: "Ich wollte in der Region bleiben und finde sehr spannend, was sich gerade im Umfeld der Akademie entwickelt. Wo viele junge Künstler sind, da passiert auch viel."

Ein buchstäbliches Highlight ist Zoe Leonards Ausstellung "Available Light" bei Gisela Capitain. Die Künstlerin verwandelt einen Raum in eine Camera Obscura, in die die Besucher hineintreten. In ein abgedunkeltes Zimmer fällt nur durch ein kleines Loch mit einer Linse etwas Licht, das den gesamten Raum in das auf dem Kopf stehende Bild der Straße verwandelt. Das Haus gegenüber, Blätter im Wind, vorbeifahrende Autos, man steht mitten drin und beginnt Geräusche von draußen wahrzunehmen. Die Stimmung ist dabei vollkommen privat, als würde man im eigenen Kopf stehen und sich selbst beim Sehen zusehen. Für die weiteren Arbeiten hat sie direkt in die Sonne fotografiert, also das größtmögliche "Available Light" eingefangen, und geht damit an die Grenze dessen, was mit einer Kamera möglich ist. Draußen wirkt die Straße nach diesem Besuch eigenartig irreal und man sieht die Welt mit anderen Augen.

DC Open

DC Open fand dieses Jahr vom 9. bis zum 11. September statt. Die einzelnen Ausstellungen können weiterhin besucht werden. Die Veranstaltung wird unterstützt durch das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Schirmherrschaft hat Minister Harry K. Voigtsberger. Neben dem Land und den beiden Städten unterstützen private Sponsoren die Veranstaltung. Laut Veranstalter haben im vergangenen Jahr haben rund 9000 Gäste über drei Tage verteilt die beiden Städte besucht.

http://www.dc-open.de

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1 Leserkommentar vorhanden

Hugo Schroepel

12:34

16 / 10 / 11 // 

BLUBBER BLUBBER

Also was da in der Fotoserie präsentiert wird ist doch wirklich peinlich hohl. Wenn das in 70 Galerien so weiter geht handelt es sich hier um die Selbstdarstellung von 70 Hohlräumen. Oder gibt es ausser Plastikramsch auf Platte noch ein paar gute Bilder, die mich interessieren würden? Bin ja längst gallaktisch unterwegs und weiss dass "Kunst" heute Kindergarten und blubber blubber ist und befinde mich abseits jeglicher Aufregung über welchen Schwachsinn auch immer. Habe heute morgen ein wenig Lust zu diesen Zeilen gehabt. Nun irret und seid froh.

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