Art Basel

Messerückblick

Die Sammler kaufen wieder teuer ein
Ist das zum Lachen oder zum Weinen? Ob Bildrahmen, Keramiken oder Skulpturen, viele Galerien setzten auf der diesjährigen Art Basel auf Gold, so auch L&M Arts aus New York (Foto: Reuters)

DIE SAMMLER KAUFEN WIEDER TEUER EIN

Die 42. Auflage der Art Basel hat die Stärke des Kunstmarktes bestätigt. Während für Topwerke wieder Millionenpreise bezahlt werden, äußern manche Händler bereits Ängste vor einer neuen Überhitzung.
// GERHARD MACK, BASEL

So viel Glitzer war noch nie auf der Art Basel, manchmal glaubte man sich in eine Boutique versetzt. Vielleicht standen deshalb die Wachmänner neben Maurizio Cattelans Kopf-Statue, die Larry Gagosian am Eröffnungstag der Messe als Eyecatcher an den Eingang zu seinem Stand placiert hatte. Die Rahmen um das 30 Millionen Dollar schwere Triptychon von Francis Bacon bei Marlborough Fine Arts glänzten selbstverständlich in der Farbe des Edelmetalls.

Die junge Schweizer Künstlerin Mai-Thu Perret glasierte ihre Keramiken in Gold. Ann Veronica Janssens gab einem vergoldeten Strohhut den Titel "L’été (chapeau)", und wir sahen förmlich biblische Schnitterinnen durch goldene Weizenfelder gehen. Und John Miller hat seine Reliefmontagen aus Imitationen von Morgensternen und anderem Kriegsgerät mit Gold überzuckert. Das hat natürlich alles einen kritischen Anspruch. Wie sonst sollte man es verstehen, wenn Kunstketzer Jonathan Monk Leinwände golden spritzen lässt und diverse kritische Sätze über den Umgang mit Kunst darauf druckt? Oder wenn Danh Vo und Jürgen Drescher Kartondeckel mit Goldfarbe besprayen? Die Kunst kann alles verwandeln, sie ist eine Art Midas, die dem antiken König voraushat, dass sie nicht an ihrem Talent verhungern muss.

Ganz im Gegenteil: Die diesjährige Art verlief für die meisten Händler prächtig. "Wir haben hervorragend verkauft", sagte der Düsseldorfer Galerist Hans Mayer, der als einziger Händler sämtliche 42 Ausgaben der Art Basel aktiv mitgemacht hat. Nicole Hackert von Contemporary Fine Arts aus Berlin bestätigt: "Für uns war es eine sehr gute Messe. Wir haben besser verkauft als vor einem Jahr." Und Marc Spiegler, der die Messe zusammen mit Annette Schönholzer leitet, hörte von vielen Galeristen, das sei die beste Messe seit 2008 gewesen. "Viele im unteren Stock der Messehalle sagten uns sogar, es war ihr bestes Jahr in Basel überhaupt." Schwarzseher äußerten sich sogar schon besorgt, das Geschäft sei nach der Krise von 2007 zu schnell zurückgekommen, und malten die nächste Blase an die Wand. Anlässe bieten Wirtschaft und Politik ja genug: Euro, Griechenland, naher Osten, und auch wenn für Beteiligungen an Mark Zuckerbergs "Facebook" noch Rekordsummen geboten werden, ist es wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Internet-Netzwerke nicht mehr so versilbern können wie erhofft.

Die Wechselkurse hatten dieses Jahr immerhin schon bewirkt, dass viele Amerikaner ausblieben, und dass diejenigen, die kamen, weniger kauften. Wobei die Erfahrungen hier von Stand zu Stand verschieden waren. So war Hedge-Fund-Guru Steve Cohen zum erstenmal überhaupt nach zur Art Basel gekommen. Der schwache Dollar bewirkte, dass manche Sammler gerade deshalb Kunst kauften, um ihre Währungsverluste zu stabilisieren, während andere ihr Geld lieber in Geschäfte steckten. "Die spekulativen Hedge-Fund-Manager kamen nach dem Crash von 2007 nicht zurück, das konnten wir schon in den letzten Jahren beobachten", sagte Marc Spiegler. Ein zusätzliches Hindernis war es für manche Amerikaner, dass zwischen der Venedig-Biennale und der Art Basel eine Woche lag und sie nicht so lange in Europa bleiben konnten.

Robert Landau stellte fest: "Wir haben noch nie so eine gute Messe wie dieses Jahr hier in Basel, aber wir haben sehr viel an Schweizer Sammler verkauft, Amerikaner kauften hier bei uns nichts, der Wechselkurs des Dollars ist einfach zu schlecht." Dabei hob der Händler aus Montreal hervor, dass seine Werke eigentlich zu günstig seien und gab ein Beispiel: Er verkaufte eine große Plastik von Henry Moore für 1,5 Millionen Dollar, während kurz zuvor ein vergleichbares, aber weniger qualitätvolles Werk bei einer Auktion für das Dreifache weggegangen sei. "Ich habe mir überlegt, ob ich den Preis verdoppeln soll, aber da war die Skulptur schon weg."

Der Händler brachte wohl das beste Angebot im Bereich klassischer Moderne an die Messe. Er ist für Einlieferer besonders attraktiv, da er ihnen die Werke abkauft und nicht auf Kommission handelt. Aber auch andere boten rechte Fundstücke an. So scheute Richard Nagy aus London nicht davor zurück, in seiner Auswahl von deutschen Expressionisten ein Werk von Heinrich Campendonck zu präsentieren. Der Maler war durch den Fälschungsskandal der ominösen Sammlung Jäger ins Gerede gekommen, in der ihm ein verlorenes Hauptwerk neu angedichtet wurde. Das formidable Porträt "Mutter mit Kind und Reh" "kommt aus einer amerikanischen Privatsammlung, die Provenienz ist makellos, das hat auch die führende Campendonk-Expertin bestätigt", erläuterte eine Mitarbeiterin der Galerie und nannte einen selbstbewussten Preis von 2,5 Millionen Euro.

Aber auch mit der Gegenwartskunst lief das Geschäft prächtig. Die Galerien Verna und David Zwirner konnten bereits am Eröffnungstag eine Installation Fred Sandbacks für eine knappe halbe Million Dollar verkaufen. Der Amerikaner konzipierte Skulpturen und Installationen, indem er Schnüre in den Raum spannte. Die lange Zeit als zu spröde missachtete Arbeit des amerikanischen Minimalisten fand in Budi Tek einen begeisterten chinesisch-indonesischen Käufer, der für seine Sammlung in Shanghai ein eigenes Museum bauen will. Daniel Marzona von der Galerie Konrad Fischer konnte Bruce Naumans Neonarbeit "Masturbating Man" von 1986 schnell verkaufen. "Im Vergleich mit der der Gegenwartskunst im ersten Stock sind bei uns die Preise günstig," sagte er und vermerkte eine starke Nachfrage nach den spröden röhrenartigen Blechskulpturen der deutschen Minimal-Künstlerin Charlotte Posenenske. Hauser & Wirth schlugen alle drei Exemplare von Paul McCarthy’s Monsterskulptur "White Snow Dwarf" zum Stückpreis von 2,75 Millionen US Dollar los. Dasha Zukova, Freundin des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, kaufte überdies auf der Art Unlimited Jason Rhoades Neonarbeit aus bunten Wörtern für das weibliche Geschlechtsteil für 950 000 US Dollar.

Entsprechend der gelösten Kaufstimmung wurde bei vielen Händlern wieder fröhlich umgehängt. Dass Gagosian jeden Tag den Stand weitgehend veränderte, versteht sich von selbst. Der Tycoon mit mittlerweile fast einem Dutzend Galerien rund um den Globus soll ein beachtliches Lager mitgebracht haben und inszenierte Exklusivität. Geschäfte wurden nicht in der Koje, sondern in einer privaten Lounge abgeschlossen, wie man munkelte. Die Werke waren nicht einmal beschriftet. Wer nicht weiß, um welchen Künstler es geht, gehört ohnehin nicht dort hin. Klar, dass es da selbst für Händlerkollegen schwer war, in Kontakt zu kommen. Der eisige Blick, mit dem Gagosian am Eröffnungstag am Stand seine Sammler empfing, ließ auch darauf schließen, dass er an seiner Nachbarin gegenüber, Jamileh Weber, keine wirkliche Freude hatte. Die zeigte nämlich ein paar museumsreife Rauschenbergs, mit dem sie jahrzehntelang befreundet war – doch auch der New Yorker Galerist hat Interesse an der Vermarktung des Nachlasses von Rauschenberg gezeigt.

Selbst im obersten Preissegment gab es Verkäufe. Am Samstag hörte Messe-Co-Direktor Marc Spiegler von einem Verkauf für 20 Millionen US Dollar, den er nicht näher bezeichnen wollte. Und auch Robert Landau sah das Problem nicht darin, Käufer zu finden, sondern darin, verkaufte Werke durch gleichwertige Ware zu ersetzen. An der Bombenstimmung änderte auch nichts, dass Marlborough für das Bacon-Triptychon für 50 Millionen US Dollar vorerst keinen Sammler fand, und dass Bruno Bischofberger Warhols Riesenwand "One Hundred and Fifty Black/White/Grey Marilyns" wohl wieder unverkauft einpacken musste. Das mit 80 Millionen US Dollar wohl teuerste Werk an der Messe sah die Galerie absolut richtig im Markt platziert: "Wir haben keinen Phantasiepreis gemacht, wir wissen, welche Geschäfte privat getätigt werden. Da stimmt unser Preis" sagte Galeriedirektor Tobias Müller. Der Markt ist aus Sicht des Zürcher Händlers derzeit sehr stark, und man konnte durchaus Werke im oberen Millionen-Segment verkaufen. Ein museumsreifer Basquiat gehörte bei Bischofberger dazu. "Der Markt ist für manche Künstler selektiver geworden, aber es gibt durchaus die Bereitschaft, herausragende Werke zu kaufen und den entsprechenden Preis dafür zu bezahlen", bilanziert Müller die 42. Art Basel.

Aber es sind nicht diese Höchstpreise, die für die Messeleitung dieses Jahr am bemerkenswertesten sind. Marc Spiegler war wichtiger, "dass wir eine ganze Reihe von wichtigen Sammlern, die gekauft haben, aus Emerging Markets hier hatten. Zuerst kamen sie aus Lateinamerika, haben mit lokalen Künstlern angefangen, dann internationale Stars gekauft und sich dann auf einzelne Künstler fokussiert, die ihre Sammlungen prägen. Dasselbe beobachten wir nun für Fernost." Spiegler vermutet auch, dass dieses erweiterte Potential das Fundament der Art Basel verstärkt: "Egal ob für Basel, für Miami oder ab dem nächsten Jahr für Hong Kong, es ist für uns nicht wichtig, dass jeder Sammler die Messe besucht, damit wir erfolgreich sind, es genügt, wenn die wichtigen Sammler des jeweiligen Kontinents kommen, auf dem die Messe stattfindet."

Dabei war der Großerfolg in Basel nicht von Anfang an absehbar. Der Start war für viele Händler eher eine Geduldsprobe. Die Sammler ließen sich Zeit, schauten sich um und suchten das Gespräch. Bob von Orsow aus Zürich verzeichnete nach den ersten beiden Tagen: "Wir haben sehr gut verkauft, aber es gab keinen Hype. Viele Sammler nehmen sich Zeit zum Überlegen, die Messe erweist sich wieder als gute Gelegenheit, Kontakte zu schließen." So gab es am Eröffnungstag zwar ein wüstes Gedränge, und die VIP-Preview First Choice sah so aus, wie in früheren Jahren die Vernissage, aber die großen Sammler waren nicht beim Einkaufsjogging zu sehen. Im Gegenteil, man ließ sich Zeit, vielleicht auch, weil das Paket aus Biennale und Art dieses Jahr aufgeschnürt war und eine Woche dazwischen lag. Die unermüdlichen Rubells saßen am Donnerstag noch bei der Galerie Meile über Hefter und I-Pads gebeugt und diskutierten. Chris Dercon, der neue Direktor der Tate Modern, war ebenfalls noch unterwegs. Und Eugenio Lopez, der Gründer der Jumex Collection aus Mexiko City wurde sogar erst fürs Wochenende erwartet.

Dass man sich schämt, Preise anzufragen, gehört längst der Vergangenheit an. Für viele scheint es zu einem Sport geworden zu sein, einen Künstler quer durch die Galerien zu vergleichen. Beim Autokauf klappert man doch auch alle Händler ab, bevor einer den Zuschlag bekommt. Dabei unterscheidet sich dann die Kunst vielleicht noch ein wenig von der übrigen Ware. Hier kommt die Provenienz ins Spiel. Wer bei renommierten Händlern kauft, fühlt sich sicherer, wenn er einen sieben- oder achtstelligen Betrag ausgibt, und wenn es dann Gagosian, Hauser & Wirth oder ein anderes Galerieimperium ist, fällt bei der privaten Präsentation des Werkes auch noch etwas vom Glanz des Händlernamens ab.

Ganz edel kam in diesem belebten Marktumfeld Neugerriemschneider daher: Die Berliner zeigten ein paar unverkäufliche Vasen von Ai Weiwei, die sie sich von Sammlern ausgeliehen hatten, um an den inhaftieren Künstler zu erinnern. Dass man auch verkauft, signalisierte nur ein Blatt mit den Namen der Künstler der Galerie.

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4 Leserkommentare vorhanden

PhD

19:50

20 / 06 / 11 // 

fehler

"So war Hedge-Fund-Guru Steve Cohen zum erstenmal überhaupt nach zur Art Basel gekommen" ???

Gold Kaufen

18:30

21 / 06 / 11 // 

Gold Kaufen

Gold kann mal günstig und mal teuer sein. Das ist nicht vom Land oder dem Geschäft abhängig, sondern ausschließ- lich von den Börsen an denen Gold gehandelt wird, dort wird der Kurs des Goldes bestimmt.

Gold Kaufen

18:48

22 / 06 / 11 // 

Gold Kaufen

Natürlich gilt auch hier die Grenze von 15.000 Euro für das anonyme Tafelgeschäft, bei darüber hinausgehenden Beträgen muss eine Kopie des amtlichen Personaldokuments vorliegen. Der Kunde bekommt eine Nummer, mit der er das bestellte Gold nach der Vereinbarung eines Termins im Ladengeschäft des Anbieters abholen kann.

Gold Kaufen

18:23

05 / 08 / 11 // 

http://www.goldkauf.com

Goldkauf über das Internet mittels eines Bestellsystems. Die gewünschte Menge Gold wird über die Homepage des Anbieters geordert.

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