Art Basel

Kommentar



ES MENSCHELT AM HOFE

Die 42. Art Basel, die vom 15. bis 19. Juni Sammler aus aller Welt in die Schweiz lockt, will mit glanzvollem Auftritt den Ärger im Vorfeld vergessen lassen
// GERHARD MACK

Die Art Basel bezeichnet sich als "die bedeutendste internationale Kunstmesse", und wie überall, wo Königinnen Hof halten, gibt es Störfaktoren, die den Glanz mindern, von dem die Besucher und Medienvertreter jedes Jahr berauscht sind. Doch gerade wenn es menschelt, wollen wir dabei sein und mitfühlen.

Dann interessieren uns die Preis- und Besucherrekorde, die sicherlich wieder erzielt werden, und auch die wunderbare Kunst gar nicht mehr so brennend. Das alles bietet die Messe ohnehin zuverlässig jedes Jahr wieder. Wir fiebern nach Knatsch. Endlich auch in Basel!

Da hat doch das Auswahlkomitee ausgesuchter Galeristen, das unter den mehr als 1000 Bewerbern die glücklichen 300 auswählt, welche ins klassische Rund des Basler Messebaus einziehen dürfen, Eigen+Art aus der Messe juriert. Ausgerechnet diejenige Galerie, mit der sich wie mit keiner anderen die deutsche Kunstblüte nach der Wende verbindet. Gerd Harry Lybke ist der Händler von Neo Rauch und weiterer Stars aus dem Kraftfeld Dresden, Leipzig, Berlin. Wenn seine drei Handys gleichzeitig klingeln, dann nimmt er gar kein Gespräch an, sondern lächelt nur: Wenn es jemand ernst meint, meldet er sich wieder. So einen Galeristen wirft man nicht einfach raus – zumal, ohne Gründe zu benennen.

Natürlich wird auch die diesjährige Auflage der Art Basel ein Fest der Kunst. Die Sammler und VIPs werden mit ihren Learjets die benachbarten Flughäfen vollstellen. Das Geschäft wird boomen. Alle Vorzeichen weisen darauf hin. Auch das Beiprogramm bietet etliche Highlights wie die Künstlergespräche in den Art Conversations, wie die in der Stadt verteilten ortsspezifischen Werke, die Jens Hoffmann für Art Parcours kuratiert hat, und die Künstlerfilme, die der Berliner Filmwissenschaftler Marc Glöde für Art Film ausgewählt hat. Und doch wird einen beim Messerundgang der Verdacht nicht loslassen, dass die Auswahlkommission nicht ganz so fehlerresistent ist, wie es die Leitung gerne hätte. Wie in den letzten drei Jahren wird da zu viel vom selben auf der oberen Etage zu sehen sein.

Galerien funktionieren heute in Netzwerken. Deren Interessen sollten kontrolliert werden. Da wäre es vielleicht besser, bei Unzufriedenheiten das Gespräch zu suchen statt den Ausschluss zu dekretieren. Der ehemalige, erfolgreiche Art-Basel-Direktor Sam Keller hat dies zu seiner Messezeit diplomatisch so gehandhabt.

42. Art Basel

Termin: 15. bis 19. Juni 2011, täglich 11 bis 19 Uhr geöffnet

Messe Basel, Messeplatz
CH-4005 Basel

http://www.artbasel.com

info@artbasel.com

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