Bob Lockwood

Auktion

Versteigerung der Sammlung von Bob Lockwood
Bob Lockwood als Marilyn Monroe: Im Travestietheater gehörte die US-amerikanische Schauspielerin zu seinen liebsten Paraderollen (Courtesy Neumeister Kunstauktionen)

VERSTEIGERUNG DER SAMMLUNG VON BOB LOCKWOOD

Im Rahmen ihrer Moderne-Auktion versteigert das Münchner Auktionshaus Neumeister eine Auswahl der Sammlung des Travestie-Stars Bob Lockwood, der 1989 bei einem Unfall ums Leben kam.
// CORNELIA GOCKEL

Wenn Bob Lockwood im glitzernden, knallroten Etuikleid mit platinblonder Perücke "I wanna be loved by you" ins Mikrophon hauchte, tobte das Publikum begeistert. Denn Marilyn Monroe war die Lieblingsrolle des amerikanischen Travestie-Künstlers, der durch seine Fernsehauftritte auch einem breiten Publikum bekannt wurde.

Im Privatleben war er ebenso glamourös wie auf der Bühne. So veranstaltete er rauschende Feste mit viel Prominenz aus dem Showbusiness. Seine Villa in München Baldham bot dazu den passenden Rahmen. Eingerichtet mit exklusiven Möbeln, Skulpturen, Bildern, Vasen und Porzellan aus der Zeit des Art Deco verbreitete sie jene weltläufige Eleganz, die zu seinem mondänen Lebensstil passte. "Art Deco war seine Leidenschaft", erinnert sich seine Schwester Anne Lockwood: "Wenn er nicht arbeitete, durchstreifte er auf seinen Reisen die Geschäfte, um nach besonderen Stücken Ausschau zu halten. Er hatte ein gutes Auge."

Bob Lockwood wurde 1954 in New York geboren und arbeitete zunächst als Visagist. Doch seine Fähigkeit, Menschen durch Make-up zu verwandeln, erprobte er bald an sich selbst. Er liebte Mode, glamouröse Kostüme und hatte ein Faible für große Auftritte. Als Travestiekünstler konnte er diese Neigungen in seiner Person vereinen. So tingelte er nach seinem Umzug nach Berlin in den siebziger Jahren durch die Bars und stand im Cabaret Chez Nous, dem ältesten Travestietheater Deutschlands, auf der Bühne. Liza Minnelli, Marilyn Monroe, Hildegard Knef, Josephine Baker und Tina Turner waren seine Paraderollen. Später trat er auch in zahlreichen Fernsehshows und Unterhaltungssendungen auf, moderierte eigene Shows und war als Schauspieler in vielen Filmkomödien zu sehen. "Eine Traumkarriere", erinnert sich der FDP-Politiker Jürgen Koppelin: "Es gibt Menschen, die hat man einmal im Leben getroffen und vergisst sie nie wieder. Bob Lockwood gehört für mich dazu."

1989 kam der Entertainer durch einen Unfall im Alter von 36 Jahren ums Leben. Er hinterließ eine umfangreiche Art-Deco-Sammlung, aus der das Kunstauktionshaus Neumeister in München bei ihrer Moderne-Auktion eine Auswahl von 50 Stücken versteigert. Dazu gehört auch ein 27-teiliges türkisblaues Kaffeeservice von Bloch & Co, Eichwald, ab 1928, mit feinen silbernen Streifen (400 bis 500 Euro), eine blassgrüne, bauchige Glasvase von Marius-Ernest Sabino, Paris, mit einem umlaufenden Relief graziler Frauen beim Schleiertanz, um 1925 (1000 bis 1200 Euro), sowie ein Paar gepolsterte französische Fauteuils mit Tabouret aus den 1930er Jahren mit Kugelfüßen (1200 bis 1500 Euro). "Bob umgab sich mit diesen schönen Dingen und benutzte sie auch", erklärt seine Schwester, die viele Jahre mit ihm zusammen in der Münchner Villa lebte.

Bei den Skulpturen bezaubern besonders die kleinformatigen leichtfüßigen Tänzerinnen aus Bronze, wie etwa die "Tänzerin mit Tambourin" von Samuel Lipchytz, um 1930 (2000 bis 2500 Euro) und die springende Tänzerin, Fayral, um 1925 (1500 bis 2000 Euro), die nur noch mit den Zehenspitzen den Steinsockel zu berühren scheint. In der Malerei begeisterte sich Bob Lockwood vor allem für den französischen Künstler Louis Icart (1888 bis 1950). In der Auktion ist er mit fünf Arbeiten vertreten, die zwischen 1920 und 1927 entstanden sind. Zu nennen ist hier vor allem die berührende Ölskizze von Icarts Frau Fanny mit der gemeinsamen Tochter Reine, 1926 (5000 bis 6000 Euro).

Das Highlight der Sammlung ist jedoch ein mehr als sieben Meter langer Paravent aus lackiertem und bemaltem Holz. Er zeigt die Einfahrt des französischen Passagierdampfers "Normandie" vor der Skyline von Manhattan. In nur vier Tagen, drei Stunden und zwei Minuten hatte das Schiff den Atlantik überquert. Die "Normandie" brach nicht nur in puncto Schnelligkeit alle Rekorde, sondern galt auch wegen der eleganten Innenausstattung als legendär. Den Stil dieser Zeit spiegelt der zwölfteilige Paravent, der im Wohnzimmer des großzügigen Anwesens von Bob Lockwood gestanden hatte. "Er war ein Geschenk von Jennifer Rush, die bei uns gewohnt hat, wenn sie in München war", erklärt Anne Lockwood und man spürt, dass es ihr auch mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres Bruders schwer fällt, sich von den Erinnerungsstücken zu trennen. "Es ist an der Zeit loszulassen", fügt sie mit fester Stimme hinzu: "Ich möchte die Freude an diesen Dingen, die Bob so geliebt hat, nun an andere Menschen weitergeben."

Sammlung Bob Lockwood

Besichtigung: bis 24. Mai 2011 von 9.00 Uhr bis 17.30 Uhr

Versteigerung: 26. Mai 2011 im Auktionshaus Neumeister

http://www.neumeister.com

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