duesseldorf contemporary

Messe-Chaos

"Eine Welle von Unsicherheit"
Es sollte die erste Kunstmesse in einem Fußballstadion werden. Doch aus den großen Plänen wurde nichts – die "duesseldorf contemporary" wurde heute abgesagt (Bild: Karsten Weber / rheinflügel / Boris Soyka / dc duesseldorf contemporary)

"EINE WELLE VON UNSICHERHEIT"

Die Kunstmesse "dc" wollte frischen Wind in die rheinländische Messeflaute bringen. Jetzt wurde die junge Düsseldorfer Kunstmesse nach nur einem Jahr überraschend abgesagt. Die Karten werden neu gemischt – vielleicht auch für Berlin
// UTE THON

Eigentlich hatte sich die "dc" ziemlich viel vorgenommen. Im letzten Jahr war die junge Düsseldorfer Kunstschau vollmundig angetreten, um die deutsche Messeszene aufzumischen und sich als frische Alternative zur traditionsreichen, aber zunehmend glanzlosen "Art Cologne" zu positionieren. Jetzt musste sie schon vor der zweiten Ausgabe die Segel streichen. In einer Pressemeldung erklären die Veranstalter die kurzfristige Absage – die Messe sollte vom 17. bis 20. April 2008 stattfinden – mit der "aktuellen Krise der deutschen Kunstmessen, die zu Beginn des Jahres eine Welle von Umstrukturierungen und Unsicherheit ausgelöst hat".

Bei der Absage dürften auch Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Düsseldorfer Messe eine Rolle gespielt haben. Die "dc" musste nach ihrer viel beachteten Premiere im vergangenen Frühjahr den Schauplatz wechseln. Statt in den neuen Messehallen, sollte die Veranstaltung in diesem Jahr in der LTU-Arena, einem modernen Sportstadion am Rande des Düsseldorfer Messegeländes stattfinden, was die Kosten für Logistik, Hallenbau, Licht und ähnliches extrem erhöht hätte. Zudem lief die Aquirierung namhafter Galerien offenbar nur schleppend. Darum zogen die Veranstalter jetzt die Notbremse.

Als Partner der "dc" fungiert unter anderen die G+J Expomedia GmbH, ein Tochterunternehmen des Verlags Gruner+Jahr, in dem auch art erscheint. Noch spricht die Geschäftsführung davon, die Messe nur für 2008 "auszusetzen". Gleichzeitig sind Gespräche mit der Leitung des Berliner "Art Forums" im Gange, um Möglichkeiten einer Partnerschaft mit der Kunstmesse in der Hauptstadt auszuloten.

Die deutsche Messelandschaft ist in den letzten Wochen deutlich ins Wanken gekommen. Erst gestern hatte die Koelnmesse die neu gegründete "Art Cologne Palma de Mallorca" abgesagt. Zuvor hatte die Messegesellschaft sich bereits von ihrem künstlerischen Leiter Gérard Goodrow getrennt. Fristlos abgesagt wurde auch die glücklose "Fine Art Fair" in Frankfurt unter Leitung von Michael Neff. Und letzte Woche kündigte das "Art Forum Berlin" überraschend einen Terminwechsel an.

Die plötzlichen Terminänderungen und Absagen führen bei Messebesuchern, Ausstellern, Kuratoren und Sammlern für zunehmende Unsicherheit und Verärgerung. "Ein hämisches Lachen kann man sich ja kaum noch verkneifen", bemerkt ein art–Leser. "Haut weg den Scheiß und macht aus den Trümmern einen funkelnden Diamanten – das Potenzial ist doch in Deutschland vorhanden."

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3 Leserkommentare vorhanden

Artlounger

15:49

14 / 02 / 08 // 

Die Gründe für das Messesterben

Was sind die Ursachen für dieses erdrutschartige Messesterben? Individuell verschieden und doch gleich: die Kölner haben auf die von der Art Basel in Miami und der Frieze in London gesetzten Trents nicht schnell genug reagiert, mit den dann entstandene vielen neuen Messen ist ihnen das junge Publikum weggelaufen. In Mallorca haben sie einer international top-informierten Gesellschaft eine altbackene Messe serviert. In Frankfurt versuchte Michael Neff die Messe zu retten, indem er aus ihr eine Ausstellung machte - die dann als Messe natürlich nicht funktionierte. Und die DC DÜsseldorf hätte im LTU Station wohl eher vor leeren Rängen stattgefunden - Locationwahl und Veranstalter Gruner-Jahr Event sind wohl nicht erste Wahl gewesen. Allen diesen Messen-Versuchen ist aber gemeinsam, dass sie nicht auf Kunst, sondern auf Kommerz aus waren. Keiner der Veranstalter hat sich um Inhalte und Anliegen von Kunstwerken und Künstlern Gedanken gemacht, die zu vermitteln aber auch zu den Aufgaben einer Kunstmesse gehört. Das kann man nicht nur den Galeristen überlassen, die mit immer mehr Messen unter erheblichem Verkaufsdruck stehen und dazu tendieren, die leicht verkäuflichen Werke auszustellen. Was auf die Dauer aber das Publikum langweilt und ermüdet. Und dann gibt es auch für die Galeristen keinen Grund mehr, noch eine Messe mehr zu buchen. Also: zurück zu den Inhalten, zur Kunst als Kunst und nicht als Ware! Daraus kann ein Messekonzept entstehen, dem Künstler, Galeristen und Besucher Aufmerksamkeit schenken.

Lisa

10:43

15 / 02 / 08 // 

Eine mehr oder weniger

Tja so ist das eben. Meiner Meinung täte es der ganzen Messe- und Eventszene mal ganz gut etwas weniger zu veranstalten. Weniger ist bekanntlich mehr. Wer die Kunstmessen in Deutschland alle besuchen wollte, der braucht viel Zeit und Geduld, und einen guten Terminplan. Es sind in den letzten Jahren so viele Messen und Veranstalltungen hinzu gekommen, dass man die Übersicht schnell verlieren kann... Persönlich kann ich das nur begrüßen, wenn es wieder um Qualität statt Quantität gehen würde

Kunstfreund

11:58

15 / 02 / 08 // 

Gruner & Jahr disqualifziert sich selbst.

G & J haben offenbar keinen Plan wieviel Zeit mann in den Aufbau einer guten Kunstmesse stecken muß. Düsseldorf hätte als Messestandort wunderbar funktionieren können, schließlich ist sie wahrscheinlich eine der wichtigsten Kunststädte weltweit. Über mangelnde Kaufkraft in der Region muß mann sich auch nicht beschweren. Mit dem kurzfristigen Entschluss die Messe zu canceln hat sich G & J vermutlich gleich dreimal ins Bein geschossen: 1. werden sich die Berliner es sich gründlich überlegen ob sie die Messe mit einem so unzuverlässigen Partner durchführen sollen. 2. Wäre es besser gewesen die Messe noch durchzuführen auch wenn dies geringe Verluste verursacht hätte, danach hätte man genug Zeit um die Messe an einem qualifizierten Betreiber verkaufen zu können. 3. Haben sie sich selbst im Zweifelsfall einer Welle von Schadensersatzklagen ausgesetzt. Als Sammler und Besucher von vielen Messen kann ich außerdem nur subjektiv sagen das es sehr bedauerlich wäre wenn die dc ersatzlos getrichen werden würde. Sie war erfrischend und im Contemporary Bereich vom Niveau her zB absolut mit der Volta in Basel zu vergleichen. Es wäre wünschenswert (und gut denkbar) das die Stadt die Messe doch noch durchführt. Kaum eine andere Stadt in Deutschland hat eine so gut funktionierende Verwaltung und ist im Kulturbereich ähnlich aktiv. Vieleicht werden sich die verantwortlichen bei G & J in ein paar Wochen verwundert die Augen reiben. Fest steht, eine Anzeige für eine neue Kunstmesse in Düsseldorf wird bestimmt nicht in der Art geschaltet werden!!