Art Cologne

Oliver P. Kuhrt



"KUNST IN KÖLN IST UNBEFRIEDIGEND"

Chaos in Köln: Gérard Goodrow, der künstlerische Leiter der "Art Cologne" musste gehen und zwei Monate vor Messestart steht die Teilnehmerliste immer noch nicht fest. Dennoch sind die Veranstalter guter Dinge, dass die Kölner Kunstschau wieder zur Nummer eins in Deutschland wird. art-Redakteurin Ute Thon sprach mit Oliver P. Kuhrt, Geschäftsführer der Koelnmesse, über Zukunftsängste, Erpressungsversuche und vertrauensbildende Maßnahmen
// UTE THON

Herr Kuhrt, die "Art Cologne" steckt in der Krise. Am vergangenen Dienstag haben Sie verkündet, dass der künstlerische Leiter der Art Cologne gefeuert ist. Warum war Gérard Goodrow nicht mehr tragbar?

Er wurde nicht gefeuert. Gérard Goodrow und die Koelnmesse haben sich im absoluten Einvernehmen getrennt. Wir haben in den letzten Monaten gemerkt, insbesondere nach dem offenen Brief der Kölner Galeristen, dass das Vertrauen zwischen der Branche und dem künstlerischen Leiter einfach nicht mehr da war. Deshalb haben wir beschlossen, getrennte Wege zu gehen. Eins ist klar, die Situation um die Kunst in Köln ist unbefriedigend.

Aber das ist kein Prozess, der mit Gérard Goodrow angefangen hat, sondern schon weit, weit vorher. Man kann nicht so tun, als ob man in Köln auf einer Insel lebt. Die Frankfurter haben gerade ihre Kunstmesse abgesagt, die Düsseldorfer kooperieren mit Berlin. Das ist auch nicht unbedingt ein Zeichen der Stärke. Es gibt also nicht ein Phänomen "Art Cologne", sondern das ist ein Problem, das wir in ganz Deutschland haben.

Das Image der Messe scheint beschädigt. Glauben Sie, dass die Verabschiedung des künstlerischen Leiters zwei Monate vor Messebeginn die richtige vertrauensbildende Maßnahme ist?

Die Messe steht! So eine Veranstaltung bereitet man ja nicht erst zwei Monate vorher vor, das ist ja keine Hausparty. Die künstlerische Leitung, die Gérard Goodrow ausgeführt hat, gibt es erst seit 2003. Zuvor wurde die Veranstaltung sehr kompentent und professionell von Heinz Schnock, dem Projektleiter, und seinem Team geführt. Die "Art Cologne" fällt also jetzt keineswegs in ein tiefes Loch. In der Öffentlichkeit stand Herr Goodrow sicherlich an der Spitze, aber das hat nichts mit der operativen Durchführung dieser Veranstaltung zu tun. Die Messe ist komplett aufgestellt, konzeptionell und inhaltlich. Durch monatelange intensive Gespräche ist es uns auch gelungen, diejenigen, die besonders laut Kritik geübt haben, wieder auf die "Art Cologne" zurückzuführen. Die Veranstaltung in diesem April ist besser aufgestellt als in den letzten zwei Jahren. Und zwar nicht nur im Open-Space-Programm, sondern auch bei den Individualpräsentationen. Wir sind verstärkt durch namhafte Galeristen aus Los Angeles, wir werden einen L.A.-Block als integralen Bestandteil haben. Das ist eine ideale Ausgangsposition, auf der wir aufbauen können.

Dennoch gibt es bis zum heutigen Tag keine offizielle Teilnehmerliste. Gab es wegen des andauernden Führungsstreits viele Absagen?

Es gab zumindest eine abwartende Haltung. Viele Aussteller wollten angesichts dieser Diskussion erst einmal sehen: Wie geht es jetzt weiter? Ein wesentlicher Eckpunkt ist die deutlich engere Verzahnung mit der Kunstszene in Form eines internationalen Beirats, wie es ihn schon einmal vor Jahren gab. Ein Zulassungsausschuss allein reicht nicht aus. Wir brauchen einen deutlich intensiveren Dialog mit einem Beirat, der sich alle sechs bis acht Wochen trifft und inhaltlich und konzeptionell an der Veranstaltung arbeitet. Diesen Beirat werden wir 2008 direkt nach der "Art Cologne" einrichten.

Der jetzige Kurswechsel entstand auf Druck aufmüpfiger Galeristen wie Christian Nagel oder Gisela Capitain, die ihre Teilnahme verweigert hätten, wenn sich nichts ändert. Ist das nicht eine Form von Erpressung?

So habe ich das nicht empfunden. Der offene Brief der Kölner Galeristen war sicher ein Auslöser, doch Kritik an der Qualtität der "Art Cologne" wurde ja auch vorher schon laut. Es war jetzt an der Zeit, sich gemeinsam an den runden Tisch zusetzten. Es ist ja auch nicht so, dass der Dialog nur mit den Kölner Galeristen geführt wurde. Er war breiter gefächert, so haben wir zum Beispiel bei den Gesprächen auch intensiv den Deutschen Galeristenverbund eingebunden. Und es wurde deutlich, dass die Erkenntnisse auch außerhalb der Kölner Gruppe relativ deckungsgleich waren.

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1 Leserkommentar vorhanden

Messepupser

19:27

03 / 02 / 08 // 

Umsatzlügen und Flachware

Das ausufernde Verhalten von Messeveranstaltern die eine Umsatzlüge nach der anderen hervorbringen, gepaart mit dem Verhalten vieler Galerien Flachware anzubieten die, oft nicht mal dem Merkmal "Kunsthandwerk" entspricht,ermüdet den Besucher und da dieser nunmal zu 99,9\% ncht der Gattung HAPPY FEW angehört, sollten die Messen auf die eine oder andere VIP Lounge verzichten und statt dessen Galerien die noch nicht bis zur Nase in dem versippten Kunstklüngel stecken eine Chance geben ihr ambitioniertes Programm zu zeigen. Es gibt sie und deren Lebendigkeit fehlte in den letzten Jahren auf der Art Cologne.Zu neuen Ufern heisst auch für Messen mehr zu wagen um attraktiv zu bleiben.