Art Basel 2010

Kunstmesse



VORSICHTIGE PLANUNG, STARKE VERKÄUFE

Die 41. Art Basel hat mit einer stürmischen Vernissage ihre Tore geöffnet. Das breite Angebot ist zuverlässig hochstehend, die Händler vermeiden die Risiken der Boomjahre.
// GERHARD MACK, BASEL

"Ich bin heute sehr zufrieden", sagt Bruno Brunnet von Contemporary Fine Arts. Während die Champagnerkorken knallen und die Mitarbeiter der Berliner Großgalerie "auf die Kunst" anstoßen, erzählt er von den Verkaufserfolgen des Eröffnungstags der 41. Art Basel. Von den Zeichnungen der Brüder Gert und Uwe Tobias bis zu den höherpreisigen Holzschnitten der Zwillinge und einer Skulptur des Briten Thomas Houseago konnten von allen Künstlern Werke vermittelt werden. "Das war der beste Start seit 2007", sagt der Co-Direktor.

Zugegriffen haben vor allem private Sammler aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Großbritannien. "Wir haben alles an Sammler verkauft, die wir bereits kennen", sagt Brunnet, schnelle Spekulationskäufe habe es keine gegeben. Ähnlich erging es Neugerriemschneider, die dem hochexpressiven Maler Billy Childish in exquisiter Koje mit Holzboden von Jorge Pardo und Stühlen von Ai Weiwei eine Solo-Show – teilweise war die Farbe "noch nass" – eingerichtet haben und am Abend der Vernissage praktisch an jedes Bild einen roten Punkt heften konnten. Der britische Künstler, Musiker und Autor muss jetzt kräftig in die Farbtöpfe greifen, wenn er in der geplanten Berliner Galerie-Ausstellung im September mit seiner Bilderserie zu Hans Fallada fertig werden will.

Der Markt hat sich erholt, die hohen Preise der diesjährigen Auktionen haben nicht getäuscht, die Käufer sind zurück. Und sie sind bereit, quer durch das Spektrum zu kaufen. Bis 50 000 Euro gebe es kein Problem, war von verschiedenen Händlern zu hören. Aber auch im obersten Segment wechselten Werke die Besitzer. So vermeldete die Genfer Galerie Krugier bereits den Verkauf einer Gips-Skulptur von Picasso für 15 Millionen Franken an einen amerikanischen Sammler. Da war die Messe noch nicht einmal eine Stunde alt. Und bei Hauser & Wirth fand ein Auflagen-Set aus fünf Silikon-Skulpturen Paul McCarthys für drei Millionen gleich zweimal seinen Käufer. Dass der kalifornische Künstler dabei Zwerge aus Walt Disney’s Familienmärchen Schneewittchen verunstaltet hat, störte offenbar genauso wenig wie der hohe Preis.

Bereits bei der VIP-Preview von Massen überschwemmt

Vielleicht hatte die Lockerung des Geschäfts auch damit zu tun, dass die Amerikaner dieses Jahr wieder vermehrt in Basel waren. Bereits bei der Vernissage der Nebenmesse Liste, die bereits am Montag, einen Tag vor der Art Basel, eröffnet, drängten sich ganze Pulks amerikanischer Sammler durch die engen Gänge des ehemaligen Brauereigebäudes. Und für die Art Basel konnten die beiden Co-Direktoren Marc Spiegler und Annette Schönholzer bestätigen, dass "alle großen Sammler und sehr viele Delegationen von Museen gekommen sind". Während Sammler vom Kaliber der Rubells aus Miami oder einer Ingvild Goetz aus München bei jeder Wetterlage zur Messe nach Basel kommen, reagieren Investoren mit kurzfristigem Horizont empfindlich auf ökonomische Pendelschläge.

In der Rückkehr derjenigen, die nicht zum engeren Kreis der Hardcore-Sammler mit einer langen Geschichte gehören, liegt denn vielleicht auch die auffälligste Veränderung gegenüber den krisengeschüttelten Vorjahren. Die Art Basel wurde bereits bei der VIP-Preview von Massen überschwemmt, wie man sie sonst von der regulären Vernissage gewöhnt war. Der verstärkte Andrang aus den USA dürfte damit zu tun haben, dass Hedgefonds-Manager und Investoren in den letzten beiden Jahren alle Hände voll zu tun hatten, um die Reste ihrer Imperien zusammenzukitten, und ihre Situation sich inzwischen immerhin soweit entspannt hat, dass sie für ein paar Tage nach Basel fliegen und sich mit ein paar Kunstkäufen entspannen können. Der schwache Euro hilft dabei. Dass daneben das hochklassige Ausstellungsangebot mit Jean-Michel Basquiat in der Fondation Beyeler, Matthew Barney im Schaulager sowie Rodney Graham und Rosemarie Trockel im Kunstmuseum für manchen eine Zusatzmotivation bot, ist nicht auszuschließen.

Die Gestaltung der Kojen war von Vorsicht geprägt

Die 300 Händler aus 36 Ländern, die das Auswahlkomitee der Galeristen aus 1100 Bewerbungen zur Messe zugelassen hat, zeigten sich eher überrascht von der Nachfrage. Die Gestaltung der Kojen war von Vorsicht geprägt. Man präsentierte fast durchgehend die ganze Programm-Palette. Riskiert wurde wenig. Mid-Career-Artists überwogen unter den 2500 repräsentierten Künstlern aus allen Kontinenten. Es gab wenige programmatische Setzungen, wie die Zürcher Galerie Eva Presenhuber sie mit ihrer Präsentation zeitgenössischer Skulptur in nüchternem Beton-Grau wagte.

Zurückhaltung prägte das neu eingerichtete Segment "Art Feature", in dem Jocelyn Wolff aus Paris mit einer wunderbar leichten Präsentation von Frühwerken Franz Erhart Walthers auffiel, und schlug bis in die Förderecke der Art Statements und die Art Unlimited mit über 60 Werken durch. In der Ausstellung für XXL-Formate setzten fast meditative Werke wie ein Video über die Wanderung einer Seifenblase von Rivane Neuenschwander den Ton. So war es wenig verwunderlich, dass die Jury des Baloise Art Prize aus den 26 Art Statements zwei Werke auswählte, die sich davon abhoben: Simon Fujiwaras Installation "Welcome to the Hotel Munber" erinnert an die sexuellen Repressionen der Franco-Zeit, und Claire Hoopers Video "NYX" über die U-Bahn-Linie 7 in Berlin erzählt mit amüsanter Übertreibung kurdische Anekdoten mit Versatzstücken der griechischen Mythologie.

Damit kann die Art 41 Basel sich sehen lassen. In der positiven, aber auch vorsichtigen Bewertung des Marktes hat sich die größte und wie immer auch schönste Kunstmesse der Welt auch dieses Jahr als zuverlässiger Indikator des globalen Kunstmarktes erwiesen.

"Art Basel 2010"

Termin: bis 20. Juni, Basel. Öffnungszeiten: 11 bis 19 Uhr

http://www.artbasel.com

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