Auktion BRIC

Simon de Pury



SIMON DE PURY ZU GAST BEI SAATCHI

Simon de Pury führt am 23. und 24. April eine Versteigerung in der Saatchi Gallery durch, die er Ländern Brasilien, Russland, Indien und China widmet. Der erhoffte Erlös beträgt mindestens 13 Millionen Pfund.
// HANS PIETSCH, LONDON

BRIC – die vier Buchstaben stehen für Brasilien, Russland, Indien und China, die vier wichtigsten Länder, deren Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren phänomenal war. Und ein wirtschaftlicher Aufschwung, so glaubt Simon de Pury, "geht immer Hand in Hand mit einem Anschwellen der Kreativität im künstlerischen Bereich". So ist für den Chef von Phillips de Pury, den viele den "Mick Jagger unter den Auktionatoren" nennen, die Zeit gekommen, eine diesen vier Ländern gewidmete Versteigerung durchzuführen. Zumal, wie er sagt, nach Jahrzehnten der Dominanz des Westens in der Kunst eine Gegenbewegung "in Richtung Osten" eingesetzt hat.

An zwei Tagen, am 23. und 24. April, kommen etwa 450 Lose unter den Hammer. Als Ort hat sich de Pury, mit seinem Sinn für Publicity und für’s Theatralische, nicht das eigene, vor kurzem bezogene Hauptquartier, sondern Charles Saatchis Privatmuseum ausgesucht. In den gewaltigen Räumen der ehemaligen Londonener Kaserne, in denen der Supersammler gerade Kunst aus China und Indien gezeigt hat, sehen die vielen Werke nicht, wie das bei Vorbesichtigungen oft der Fall ist, wie in einem Warenhaus aus. Sie haben Platz zum Atmen.

Großen Namen, aber wenig herausragende Kunstwerke

In der Abendauktion am Freitag kommen nur 32 Lose unter den Hammer, das Gros wird auf vier Auktionen am Samstag abgefertigt. Natürlich sind alle großen Namen aus den vier Kunstländern vertreten, doch bei genauerem Hinsehen merkt man: nicht unbedingt mit besonders herausragenden Exemplaren ihrer Kunst. Los zwei ist "Nine Coloured Pots" (Schätzwert 50 000 bis 70 000 Pfund) von Ai Weiwei, eine nicht besonders bedeutungsschwere Ansammlung von buntbemalten jungsteinzeitlichen Töpfen, von dem für seine hysterisch lachenden Köpfe bekannten Yue Minjun wird nur ein winziges Bild seiner Serie "99 Idols" (30 000 bis 50 000) aufgerufen, und auch der indische Superstar Subogd Gupta ist nur mit einer kleinen Arbeit vertreten, einem aus Aluminium gegossenenen Babybuggy (35 000 bis 45 000), sowie dem Ölbild "Idol Thief" (320 000 bis 380 000). In seinen beiden Ausstellungen hatte Charles Saatchi ganz andere Geschütze aufgefahren.

De Pury hofft auf einen Erlös von mindestens 13 Millionen Pfund. Er braucht einen Erfolg, denn nicht nur ging seine letzte thematische Auktion "Sex" im vergangenen Monat ziemlich nach hinten los – nur 65 Prozent der Lose fanden Käufer – man munkelt auch, dass sein Haus in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist und sein russischer Besitzer, die Mercury Gruppe, allmählich die Geduld verliert. Er verneint das zwar, doch auch ihm ist daran gelegen, aus der "Veröstlichung" der Kunst erfolgreich Kapital zu schlagen.

"Auktion BRIC"

Termin: 23. und 24. April, Saatchi Gallery, London

http://www.phillipsdepury.com

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