Die Zweitsprache in Miami: Deutsch

Mary Boone landete mit einer neuen Serie ihres Künstlers Eric Fischl einen netten Treffer, zehn Millionen Dollar zahlte ein amerikanischer Sammler für die fünf gewaltigen Bilder. Blum and Poe aus Los Angeles hatte bereits nach dem ersten Tag nur noch Getränke zu bieten, eine neue Arbeit von Takashi Murakami („Daruma the Great“) brachte 1,5 Millionen Dollar. Der Berliner Galerie Neugerriemschneider kaufte ein Sammler den Boden unter den Füßen weg. 250 000 Dollar kosteten hundert Quadratmeter Holzparkett von Jorge Pardo. Als „hot tickets” scheinen sie nicht mehr zu gelten, aber die deutschen Künstler schlugen sich wacker. Jonathan Meese war äußerst gefragt, eines von Martin Eders Schmusekätzchen (68 000 Euro) fand bei Eigen+Art prompt einen Liebhaber.

Besonders die Berliner Galerien waren stark vertreten. Die Gäste freuten sich über die verrückten Amis, die sogar das Plastikbesteck im Messerestaurant verchromen und dass zu den Crêpes wie zu Hause Nutella serviert wurde. Der Kölner Galerist Dr. Philipp von Rosen reiste zum ersten Mal mit seiner Galerie in Miami an. Während es sich sein Schweizer Künstler Nic Hess am Strand gut gehen ließ, schwitzte von Rosen tapfer in einem der Kunstcontainer. „Wir sind nicht hergekommen, um große Geschäfte zu machen. Unsere Erwartungen wurden bislang übertroffen“, meinte der Galerist. Die Kontakte seien hervorragend. Auch Andreas Wiesner von den Berliner Kunstagenten, der sich zum ersten Mal an der Teilnahme der Nebenmesse Scope durchgerungen hatte und die zu Trödelmarkt-Stücken aus Miami arrangierten Arbeiten des Hamburgers Thorsten Brinkmann ausstellte, war zufrieden. Vertreter des Museum of Modern Art hatten Interesse gezeigt, mehrere Arbeiten waren bereits verkauft. Womit sich die Investition von 18 000 Dollar allein für die Standmiete rechnete.

Takashi Murakami verpflanzte seine Talentshow „Geisai“, die seit sechs Jahren in Tokio läuft, zur „Pulse” nach Miami. Unter Tausenden von Online-Bewerbungen wählte sein Komitee 20 Künstler aus, die kostenlos ausstellen durften. „Es ist eine Chance für Künstler, die eher auf der schüchternen, schrulligen Seite sind“, so Murakami. Gediegen waren dann auch die Arbeiten. Ob die mit Brüsten ausgestatteten Kissenschals des Japaners Sumiko Nogi oder die Cornflakes-Packungen der Kalifornierin Kristin Posehn, die den Anspruch erheben, wie Pfeiler von Highwaybrücken auszusehen.

Eric Doeringer aus Massachusetts führte seinen Kollegen mit handlichen Repliken vor, wie man als Nachwuchskünstler ein Geschäft macht. „Die besten Kunst-Deals der Stadt“ und Sonderangebote versprachen die neonfarbenen Schilder seiner kleinen Standbude. Für 250 Dollar war alles im Sortiment, was Rang und Namen hat: Andy Warhol, Richard Prince, Jenny Holzer, Maurizio-Cattelan-Minis im preisgünstigen Fünferpack. Kara Walker war auf 80 Dollar herabgesetzt. Und Doeringer verkaufte, bis ihm die Plastiktüten ausgingen.

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