07 / 12 / 2007
Art Basel Miami
Kunstmesse
DER HIRST ZUM DIAMANTENKOLLIER
Es war wie beim Schlussverkauf bei Macy's, meinte Starautor Tom Wolfe, der sich im obligatorischen cremefarbenen Anzug unter die geladenen Gäste zur Eröffnung der „Art Basel Miami Beach” mischte. Punkt zwölf Uhr schob und schubste sich die sonst auf Contenance bedachte Gesellschaft in die Ausstellungshalle. Die Ladys mit dem nötigen Kleingeld trugen ihre teuren Handtaschen spazieren, die jungen Damen kurze Röcke. Schampus wurde auf Servierwagen durch die Gänge gekarrt, um alle bei der Stange zu halten. Ansonsten hatte die Veranstaltung wenig glamouröse Momente.
Die sichtlich gerührte Bürgermeisterin Matti Herrera Bower verlieh dem dieses Jahr ausscheidenden Messechef Sam Keller die „Medal of Honor“ für seine Verdienste für die Stadt. Rennrad-Star Lance Armstrong lief wenig schillernd in Trainingshosen auf. Der Schauspieler Toby Maguire kaufte lieber auf der ursprünglich ersten Messe vor Ort „Art Miami” ein, die sich der mächtigen Konkurrenz gebeugt und den Termin vorverlegt hatte. Immerhin überraschte seine Kollegin Lucy Liu („Kill Bill“) bei einer Veranstaltung von Kultursponsor Montblanc mit der Neuigkeit, dass sie nebenberuflich Künstlerin sei.
Zum geschäftlichen Erfolg der Messe unter Palmen war im Vorwege viel spekuliert worden: Der Dollar sei zu schwach, die Wirtschaftslage zu unsicher, die Kunst überteuert, die Messe mit ihren inzwischen 21 Satelliten-Veranstaltungen und mehr als 1100 teilnehmenden Galerien zu groß und die ganze Veranstaltung überhaupt viel zu rummelig: Doch allen Warnungen zum Trotz wurde auf der Art Basel Miami zum Auftakt wie gehabt kräftig eingekauft.
Auf die Frage, ob seine Messe den Zenit überschritten habe und sich von nun an nur noch bergab bewegt, entgegnete Sam Keller: „Das Potenzial ist sogar noch größer, dies ist erst der Anfang.“ Bei der New Yorker Galerie Matthew Marks ging das Nachtclubfoto „Cocoon“ (2007) von Andreas Gursky für 900 000 Dollar weg. Damian Hirsts mit Diamantenstaub überzogene Prints seines ikonischen Totenschädels („For the Love of God, Laugh“) wurden bei White Cube aus London in limitierter Auflage von 250 für knapp 14 000 Euro pro Stück angeboten und waren innerhalb der ersten drei Stunden so gut wie ausverkauft.
Der in Los Angeles und Berlin ansässige Galerist Javier Peres war zur Eröffnung ein paar Minuten zu spät dran. Als er seinen Messestand erreicht hatte, war eine Fotoserie des derzeit heiß gehandelten New Yorker Künstlers Terence Koh bereits für 210 000 Euro verkauft. Die Bilder zeigen Koh und ein paar nackte Jungs beim Drogenkonsum, Sexspielchen und anderen eher verstörenden Abenteuern. „Der Sammler muss zum Stand gerannt sein“, meinte Peres.
07 / 12 / 2007
