Thaddaeus Ropac

Interview

"Iran wird das große Thema der Kunstwelt!"
Der Galerist Thaddaeus Ropac hat in der Peripherie Salzburgs eine neue Kunsthalle eröffnet (Galerie Thaddaeus Ropac Paris/Salzburg)

"IRAN WIRD DAS GROßE THEMA DER KUNSTWELT!"

Thaddaeus Ropac eröffnet in Salzburg eine monströse Kunsthalle, die in der Galerienlandschaft neue Maßstäbe setzt. art sprach mit Ropac über das ambitionierte Projekt.
// BIRGIT SONNA, SALZBURG

Thaddaeus Ropac, 50, ist ein Global Player des Kunstmarkts und eine seiner elegantesten Erscheinungen. Der Salzburger Galerist vertritt Kunstgrößen wie Georg Baselitz, Anselm Kiefer, Gilbert & George, aber auch junge Künstler auf nahezu allen großen Messen. Mitten in der Rezession baute er eine Industriehalle zum neuen Kunstschauplatz in die Peripherie von Salzburg aus. Wir unterhielten uns mit dem auch in Paris aktiven Galeristen zur Eröffnungsschau der "Halle", die durch schwarz-weiße Bildobjekten von Imi Knoebel rhythmisiert wird.

Herr Ropac, mitten in den Krisenzeiten haben Sie in Salzburg eine riesige Halle für Kunst realisiert. Woher wussten Sie, dass Sie die Rezession nicht wirklich treffen wird.

Thaddaeus Ropac: Wir haben vor drei Jahren mit der Planung begonnen, der Bau ist dann voll in die Finanzkrise hineingefallen. Gut, es gab einen Moment, in dem ich mir gedacht habe, vielleicht muss es nicht mehr unbedingt so groß sein. Ich wusste aber, dass die Krise temporär sein wird, dass die Künstler, mit denen wir arbeiten, ganz relevant für den Kunstbetrieb und die -geschichte sind. Wir gehen aus der Krise größer und stärker hervor.

Wie erklären Sie sich das?

Das hat tatsächlich damit zu tun, dass die ohnehin herausragenden Kunstpositionen im Galerienbereich weiter gestärkt geworden sind und dass jene, die vielleicht leichte Schwächen hatten, noch mehr gelitten haben oder verschwunden sind. Es wurde leider ziemlich ausgesiebt, einige Karrieren sind regelrecht weggeblasen.

Sammler setzen offensichtlich mehr auf verlässliche Werte.

Sicher, die Krise hat jungen Künstlern geschadet, die schnell hohe Preise erzielt haben. Dafür gibt es auch Beispiele in unserer Galerie: Banks Violette etwa – einen Künstler, den wir sehr schätzen. Seine Kunst hatte in kurzer Zeit eine gigantische Preisentwicklung. Bei der ersten Ausstellung kosteten die Arbeiten um 20 000 Dollar, dann waren es plötzlich 300 000 Dollar auf dem Sekundärmarkt. Diese Summen werden heute nicht mehr gezahlt, wir haben allerdings auch bei Violette unsere Galeriepreise nicht korrigiert. Aber es gab bei einigen Künstlern empfindliche Einbußen. Bei den seit jeher soliden Künstlern sind wir gerade wieder dabei, den Preis leicht anzuheben: bei Anselm Kiefer, Antony Gormley, Georg Baselitz, Alex Katz, Gilbert & George etwa. Sie haben die Krise wunderbar durchsegelt, vielleicht ist in der Zeit ihre Warteliste nur etwas kürzer geworden.

Sie wollen in der neuen Halle vor allem mit großen Formaten auftrumpfen.

Die momentane Ausstellung von Imi Knoebel zeigt in ihren Dimensionen noch nicht wirklich auf, was wir dort beabsichtigen. Einige unserer Künstler werden eigens für die Halle monumentale Arbeiten und Skulpturen schaffen. Richard Deacon war bereits da und ist begeistert: Er konzipiert eine Holzskulptur, die sich organisch durch den Raum bewegen, ihn ganz ausfüllen wird. Gilbert & George denken an einen riesigen Fries, der sich auf einer Länge von über 40 Metern über die Wände zieht. Solche verrückte Dinge können und wollen wir uns dort leisten. In Zukunft werden wir in der Regel ein für den Raum produziertes Werk zeigen. Es gibt jetzt in der Ausstellung von Knoebel zwei installative Bilder: Triptychen, deren Flügel wie ein Altarbild eingeklappt sind. Ich hielt es für eine tolle Idee mit Knoebel anzufangen. Mit Tafelbildern, die sowohl den Raum definieren als auch eine Art Altar gestalten. Es gäbe gar keine bessere Taufe für das Haus!

Das klingt jetzt aber etwas sakral.

Nee, wir bleiben schon bei der Industrie. Ich werde ständig gefragt, warum ich in dem barocken, schmucken Salzburg keinen Architekten von großem Format genommen habe. Mit einigen wie Sir Norman Foster bin ich ja sehr befreundet. Wir wollten in Salzburg bewusst etwas machen, das ganz roh, ganz Halle und aus Wellblech ist – ohne irgendeinen architektonischen Anspruch. Wenn der Architekt das jetzt hört, fliegt er gleich vom Stuhl.

Wofür dient die über 2600 Quadratmeter Fläche umfassende Halle außerdem?

Die Logistik spielt eine noch größere Rolle als der 400 Quadratmeter große Ausstellungsraum für die laufenden Ausstellungen. Wir haben quasi für den deutsch-österreichischen Raum ein Zentrallager gebaut. In Paris und New York gibt es noch weitere Lager, aber wir konnten München und Köln auflösen. Im ersten Stock – das ist noch nicht fertig – wird es sieben unterschiedlich große Viewing Rooms geben. In einem kann man etwa Bilder bis zu 18 Meter zeigen, es gibt aber auch drei Räume für Kleinformatigeres. Diskret können sich hier von uns eingeflogene Sammler gezielt Kunstwerke ansehen. Dann haben wir dort auch das Foto-Archiv und Fotostudio. In Zukunft holen wir die Werke direkt bei den Künstlern ab, um sie zu fotografieren.

Die Galerie Thaddäus Ropac fungiert also wie ein kleiner Museumsbetrieb.

Wir haben eine gute Infrastruktur, ein Curatorial Team aus zirka zehn Mitarbeitern und auch ein eigenes Archiv. Weil wir oft stark in den Ausstellungsbetrieb eingebunden sind, arbeiten wir mit vielen Museen eng zusammen. Das ist sicher eine unserer Stärken und hat auch unser Verhältnis zu den Künstlern intensiviert. Bis etwa eine Skulptur von Kiefer fotografiert ist, bedarf es eines Riesenaufwands. Schließlich wiegen die Arbeiten zum Teil eine Tonne. Im Moment haben wir 34 Mitarbeiter in Salzburg und Paris, wenn der Vollbetrieb mit der Halle ab Pfingsten richtig läuft werden es 40 sein.

Nach wie vor bildet der Standort Salzburg neben der Dependance in Paris das Zentrum Ihrer Galerietätigkeit.

Ich sehe Paris mittlerweile schon als das eigentliche Zentrum an. Das hört man hier im Stammhaus natürlich nicht so gerne. Ich werde immer geprügelt, wenn ich das sage. Aber nein, die Aktivität in Paris ist schon größer, ich habe dort auch mehr Mitarbeiter. Flächenmäßig sind wir mit der neuen Halle natürlich jetzt hier besser ausgestattet. Aber ohne Paris, die Internationalität und Erreichbarkeit dieser Metropole wären wir nicht da, wo wir heute sind. Das hätte sich von Salzburg aus allein nicht machen lassen.

Inwieweit reagieren sie denn auf Sprünge des Markts?

Angesichts der Marktentwicklung könnte man jetzt sagen, wir möchten Kunst der Bewegung Zero ausstellen. Das interessiert mich aber nicht wirklich. Neben der großen Säulen, wegen der wir am Kunstmarkt im Moment eine große Rolle spielen, beschäftigen mich völlig neue Tendenzen. Junge Kunst, die wir zum Teil mit entdecken und mit entwickeln lassen.

Was meinen Sie genau?

Junge Kunst aus dem Iran. Das ist so neu und aufregend! Im Moment sind wir in diesem Bereich am aktivsten, letztes Jahr präsentierten wir in Paris 15 junge Künstler aus dem Iran unter dem Titel "Raad O Bargh" – "Blitz und Donner". Das hat eine Lawine ausgelöst: Große Sammler haben sich regelrecht darauf gestürzt – Saatchi aus London als erstes, inzwischen auch Pinault in Paris. Daraufhin haben wir beschlossen, dass wir mit fünf dieser jungen Künstler intensiv zusammenarbeiten. Es ist kaum zu glauben, auf welches Interesse wir stoßen, für alle fünf Künstler gibt es schon Wartelisten. Die Situation gleicht fast 2007. Sie werden sehen: Iran wird das große Thema der Kunstwelt!

"Imi Knoebel: Weiss-Schwarz"

Termin: bis 15. Mai, Galerie Thaddaeus Ropac, Halle, Vilniusstraße 13, Salzburg

http://www.ropac.net

Kommentieren Sie diesen Artikel

2 Leserkommentare vorhanden

Nonselius

15:33

03 / 06 / 10 // 

Its very best nonsens

Habe gaz wenig mit nichts gesehen und habe dann keine Worte mehr für Artikel.

Orm Schopenhauer

10:47

24 / 09 / 10 // 

Das Wenige ist immer auch das Ganze

Das ganz Wenige ist in sich das Ganze. Weil im Ganzen liegt das Einzige, ebenso wie das Geringe nur vor der Welt das Geringe zu sein scheint. Es aber doch Alles, ergo das Asolute ist. Das Nichtgelingen liegt auch im Sparsamen verborgen und kann aus sich selbst erwachsen und erblühen. Wir reden hier nicht von Übelkeit entstanden am Faden, am Wenigen, das sich dem Purismus zu neigt, nein wir reden von der Grösse der klaren Ausstrahlung. Und damit sehen wir im Wenigen auch die Angst des Künstlers vor dem Vielen, Sorge vor Chaos und Wagnis.

Abo