Galerienszene

London

Good Bye Rezession!
Gregor Muir, Sara Harrison, Iwan Wirth und Manuela Wirth (v.l.): Die neuen Räume von Hauser & Wirth – fast 1400 Quadratmeter im Erdgeschoss eines neuen Bürogebäudes (Foto: Felix Clay; Courtesy Hauser & Wirth)

GOOD BYE REZESSION!

Die Krise am Kunstmarkt scheint auch in London überwunden: Zahlreiche Galeristen ziehen in größere Räumlichkeiten – die Galerien Hauser & Wirth, Max Wigram und Bischoff/Weiss eröffnen demnächst neu.
// HANS PIETSCH, LONDON

"Wir sind irgendwie erwachsen geworden", sagt Raphaëlle Bischoff. Mit ihrer Schweizer Partnerin Paola Weiss ist die junge Französin Anfang des Jahres vom Londoner East End ins Nobelviertel Mayfair umgezogen. Fast fünf Jahre lang betrieben die beiden im Stadtteil Hoxton ihre Galerie Bischoff/Weiss, die sie als Sprungbrett für junge Künstler am Anfang ihrer Karriere verstanden.

Der winzige Raum in der Rivington Street, in dem sie unter anderem Neonplastiken von Nathaniel Rackowe und filigrane Installationen von Aya Haidar zeigten, lag um die Ecke von Jay Joplings White Cube, dem mit Abstand erfolgreichsten Unternehmen der Branche in den letzten Jahren. Für eine junge Galerie ein eindeutiges Plus, denn Sammler, die bei den Großen kaufen, sind oft auch neugierig, was die Kleinen anzubieten haben. Doch als Jopling seinen Hauptsitz nach Mayfair verlegte, machten sich auch die beiden Jung-Galeristinnen auf die Suche. "Es stellte sich auch heraus, dass die Sammler wegen der Rezession weniger Zeit in London verbrachten und das East End für sie daher einfach zu weit draußen war." Obwohl der neue Standort in einer Seitenstraße liegt, schauen Sammler trotzdem herein, auf dem Weg zwischen zwei etablierten Galerien, von Sprüth Magers zu Simon Lee. Außerdem sind auch die einschlägigen Restaurants und Bars zu Fuß zu erreichen. Die Besucherzahl hat schon zugenommen.

Die kleine Galerie ist nicht die einzige, die in Zeiten der Rezession umgezogen ist oder sich vergrößert hat. "Wenn man da nicht Mut hat, überlebt man es nicht", sagt Raphaëlle Bischoff. Auch Max Wigram zeigte diesen Mut. Er zog in der schicken Bond Street zwar nur ein paar Häuser weiter, doch er hat sich erheblich vergrößert. Im neuen Galerieraum kann er seinen Künstlern wie dem deutschen Videomacher Julian Rosefeldt und dem in Manchester lebenden Prager Pavel Büchler nun mehr Platz geben. Zwar zahlt er, wie auch Bischoff/Weiss, eine höhere Miete als zuvor, doch das Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich verbessert: Die Preise sind gesunken.

Eine ganz andere Atmosphäre

Geld scheint bei Hauser & Wirth, einem der erfolgreichsten Häuser des letzten Jahrzehnts mit großen Namen wie Louise Bourgeois, Pipilotti Rist und Paul McCarthy, keine Rolle zu spielen. Das von Iwan und Manuela Wirth geleitete Familienunternehmen betreibt, neben dem Stammhaus in Zürich und einem Ableger in New York, gleich zwei Galerien in London: die eine in einer ehemaligen Bank in Piccadilly, die andere in den Räumlichkeiten der angesehenen Altmeistergalerie Colnaghi. Im Herbst soll jetzt noch eine dritte hinzukommen, fast 1400 Quadratmeter im Erdgeschoss eines neuen Bürogebäudes in der berühmten Herrenschneider-Straße Savile Row.

"Seit wir Coppermill vor fast drei Jahren verlassen mussten, suchen wir nach großen Räumlichkeiten", sagt Sara Harrison, eine der Londoner Direktorinnen. In dem riesigen aufgelassenen Fabrikgebäude in der Brick Lane im East End zeigte Hauser & Wirth einige denkwürdige Ausstellungen, etwa zwei verrückte Installationen von Christoph Büchel und Paul McCarthy sowie neue Arbeiten des Turnerpreisträgers Martin Creed. Die fast fünf Meter hohen neuen Räume werden eine ganz andere Atmosphäre als das rohe, schmutzige Lagerhaus haben, meint Harrison, doch man kann schon jetzt die Möglichkeiten sehen, die sie bieten. Die Künstler waren, wie immer bei Hauser & Wirth, an der Entscheidung für den neuen Standort beteiligt. Wer nach einem schlagenden Beweis für das Wiedererstarken des Marktes nach 18-monatiger Flaute sucht: Hauser & Wirths Glaube daran ist ein solcher.

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