Polaroid-Auktion

Sotheby's New York



POLAROIDS UNTER DEM HAMMER

Die hauseigene Sammlung des Polaroidunternehmens diente einst als Motivationskick und zu Werbezwecken – im Juni wird bei Sotheby's in New York ein Teil der Sammlung versteigert. Kritiker bezeichnen diese Auktion als kriminell und illegal, doch Klagen wurden abgeschmettert.
// CLAUDIA BODIN, NEW YORK

Die Polaroid-Kamera revolutionierte nicht nur die Bilder, die Hobby-Fotografen auf der ganzen Welt von ihrer Familie oder ihren Freunden schossen, sondern die Art und Weise, wie Künstler arbeiteten. Als das traurige letzte Kapitel der Polaroid Corporation kommt im Juni bei Sotheby's in New York ein Teil der Sammlung des Unternehmens unter den Hammer. Darunter sind allein 400 Bilder von Ansel Adams sowie Fotos von Künstlern wie Chuck Close, Robert Rauschenberg, David Hockney, Robert Frank, Robert Mapplethorpe und Polaroid-Fan Andy Warhol.

Die Sammlung sei einmalig und der Verkauf kriminell, so Chuck Close. Doch leider meldete kein Museum Interesse an den Bildern an. Dass die Sammlung überhaupt zustande gekommen war, verdankt Polaroid der Weitsicht und dem Artist Support Program ihres Firmengründers Edwin Land. Der ließ Künstler mit Filmen und Equipment versorgen. Ermunterte sie, zu experimentieren, nutzte ihre Erkenntnisse, um sein Produkt weiterzuentwickeln und erhielt im Gegenzug einmalige Aufnahmen. Einige Künstler hatten versucht, den Verkauf zu stoppen. Ihre Bilder hätten sie dem Unternehmen damals als Werbematerial zur Verfügung gestellt und damit immer noch die Rechte an dem Material, so das Argument. Ein Richter schmetterte die Klage ab.

Das 1937 von Land gegründete Unternehmen fiel erst der digitalen Fotografie und später einem betrügerischen Eigentümer zum Opfer. 2001 ging Polaroid zum ersten Mal Pleite, 2008 ein zweites Mal. Der amerikanische Unternehmer Tom Petters übernahm die Firma und verwickelte sie in einen Betrugsfall von mehr als drei Milliarden Dollar. Petters wurde inzwischen unter anderem wegen Betrug und Geldwäsche verurteilt.

Sotheby's wird mit 1200 Fotos nur einen Bruchteil der mehr als 10000 Bilder umfassenden Sammlung versteigern. Einige von Ansel Adams´ Bildern vom Yosemite National Park sollen Preise von bis zu 200 000 Dollar erzielen. Ein neunteiliges Selbstporträt von Chuck Close von 1987 wird auf einen Mindestpreis von 40 000 Dollar geschätzt. Insgesamt werden Einnahmen von mehr als sieben Millionen Dollar erwartet – das Geld soll an Polaroids Gläubiger gehen.

"Polaroid Auktion"

Termin: 20. bis 21. Juni, Sotheby's New York

http://www.sothebys.com

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