Art Karlsruhe

Kunstmesse



SECHS NULLEN SIND DIE ABSOLUTE AUSNAHME

Die siebte Ausgabe der Art Karlsruhe hat durch flankierende Angebote an Niveau und Bedeutung gewonnen, bleibt aber weiterhin recht bodenständig. Zur Messe traten 208 Galerien aus zwölf Ländern an.
// ADRIENNE BRAUN, KARLSRUHE

Wie wäre es mit Pralinen? Mit einem riesigen Eisbecher oder einem gigantischen Orangenschnitz? Peter Anton mag Süßes. Es kann ihm gar nicht groß genug sein: Der Bildhauer hängt Süßigkeiten im XXL-Format an die Wände, fußballgroße Trüffelkugeln oder in Schokolade getauchte Erdbeeren, die Gen-Obst alle Konkurrenz machen.

Die Galerien Schriever aus Köln und DavisKlemm aus Frankfurt haben den munteren Objekten viel Platz gewährt auf der diesjährigen Art Karlsruhe – und damit den Nörglern Nahrung geliefert, dass allzu viel harmlose Kunst der Qualität der Messe schade. Zum siebten Mal hat die Art Karlsruhe nun stattgefunden – und bleibt dabei eine Messe der Widersprüche. Die vergangene Art Karlsruhe sei "die beste Messe aller Zeiten" für sie gewesen, erzählt Angelika Harthan aus Stuttgart. Geld verdienen könne man hier nicht, meint dagegen ihre Kollegin Marianne Hollenbach. Und trotzdem bleibt die Galeristin dabei, weil inzwischen jeder, der in Baden-Württemberg etwas auf sich hält, vertreten sein will. Auch die großen Kunstinstitutionen haben sich diesmal mit Ständen präsentiert – die Museen des Landes, die Kunstakademien, die Kunststiftung Baden-Württemberg.

Ewald Karl Schrade, der Kurator der Messe, ist ein versierter Netzwerker. Er hat in diesem Jahr zusätzliche Kräfte mobilisiert, um frühere Defizite auszugleichen: Da Videokunst bisher fehlte, hat er die Kollektion von Carola und Günther Ketterer-Ertle eingeladen, die Arbeiten von jungen, vor allem Schweizer Videokünstlern sammeln. Eine Sonderausstellung zeigte Kunst aus Südafrika, und unter dem Label "Art from Berlin" wurden neue Positionen aus Berlin vorgestellt.

Art Karlsruhe betreibt Nachwuchsförderung und wirbt um neue Sammler

Dadurch ist Art Karlsruhe auf vier Hallen gewachsen, ist sich aber als Messe fürs mittlere Segment treu geblieben. Das Gros bildeten wieder junge, noch nicht abgesicherte Künstler und Arbeiten zwischen 2000 und 10 000 Euro. Die neue Malergeneration arbeitet sich vor allem am Konkurrenzmedium Fotografie ab. Marc Taschowsky hat Porträts von Promis einigermaßen linkisch abgepinselt: Obama und Heike Makatsch, Lagerfeld und Schlingensief. Natalia Berschin malt "Übergänge" – banale Straßenszenen mit Passanten, die die Galerie Bengelsträter zu 2200 Euro anbietet. Es wird kopiert und gewildert im Werk der Kollegen – elegante, ästhetisch-glatte Farbdrippings von Susanne Lyner gibt es für 3500 Euro in der Galerie Mäder aus Basel. Mi Youn Choi (Aka Space, Korea) schichtet und spachtelt à la Gerhard Richter – und Ottmar Hörl hat Richters legendäre Kerze in seinem Gemälde "Zwei Kerzen" kühn verdoppelt. Aber es gab auch viele erfrischende Positionen zu entdecken: die komplexen Raumkonstruktionen von Martin Krenn oder die Gemälde von Justine Otto bei Barbara von Stechow (Frankfurt). Anmut und Bestialität treffen in ihren Bildern aufeinander, Mädchen mit Jungfernkranz domestizieren bissige Köter, oder hübsche Frauen machen sich über blutiges Schlachtvieh her.

Auch in diesem Jahr hat sich die Art Karlsruhe als ganz und gar bodenständige Messe gegeben, die Nachwuchsförderung betreibt, nicht nur für Künstler, sondern sie will auch neue Sammler gewinnen. Das kann man für provinziell halten – oder im Gegenteil sympathisch finden, von der eitlen Selbstbeschau, wie man sie beispielsweise auf der (gescheiterten) Fine Art Fair Frankfurt praktizierte, ist man in Karlsruhe in jedem Fall weit entfernt. Museale Qualität und Hochpreisigeres gab es aber auch bei den 208 Galerien aus zwölf Ländern, wobei ein spätes Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner für 3,3 Millionen Euro bei der Galerie Henze & Ketterer aus Wichtrach/Bern absolute Ausnahme war.

In Karlsruhe werden kleinere Brötchen gebacken, aber auch die machen bekanntermaßen satt. So hat die Galerie Ludorff aus Düsseldorf eine Berliner Straßenszene von Lesser Ury aus dem Jahr 1925 für 300 000 Euro verkauft, die Galerie Schlichtenmeier eine kleine Bronze von Otto Herbert Hajek zu 45 000 Euro oder das "Fräulein Daphne", einen Farbholzschnitt von HAP Grieshaber zu 32 000 Euro. Die Karlsruher Galerie Supper verkaufte für 60 000 Euro Arbeiten von Roland Schauls, Andreas Wachter und Monika Thiele. Und bei der Galerie Michael Werner, die zum ersten Mal dabei war, ist man ebenfalls sehr zufrieden. Kritik, dass die Art Karlsruhe nicht international und hochkarätig genug ist, lässt Schrade deshalb gelassen an sich abprallen. "Die Qualität" sagt er, "regelt sich, indem die Galerien, die nicht von den Sammlern respektiert werden, keine Geschäfte machen und nicht wieder auftauchen."

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1 Leserkommentar vorhanden

Strieder Markus F.

15:16

16 / 03 / 10 // 

Zu Bilderstrecke / ArtKarlsruhe

Guten Tag, die abgebildenden Arbeiten auf Bild 3 (von 14) im Vordergrund sind von Markus F.Strieder präsentiert von der Galerie Wohlhüter aus Leibertingen.

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