Christie's-Auktion

Rembrandt

"Die Leute suchen nach einer guten Wertanlage"
Rembrandt (1606-1669): "Portrait eines Mannes", umgerechneter Schätzwert zwischen 19,9 Millionen und 27,6 Millionen Euro (Christie's 2009)

"DIE LEUTE SUCHEN NACH EINER GUTEN WERTANLAGE"

Das Autionshaus Christie's versteigert heute Abend, von 19 Uhr an, in London drei bislang fast unbekannte Meisterwerke der Maler Rembrandt, Raffael und Domenichino. Der Christie's-Auktionator und -Experte für Alte Meister, James Bruce-Gardyne, über die Wiederbelebung des Altmeistermarkts, dünne Kataloge während der Krise und die emotionale Seite des Kunstkaufs.
// SARA MARIA MANZO, HAMBURG

Herr Bruce-Gardyne, eine Zeit lang haben sich die Leute mehr für zeitgenössische und moderne Kunst interessiert als für Rembrandt oder Raffael. Sind Sie erleichtert, dass die Werke der Alten Meister jetzt ihre Rückkehr feiern?

James Bruce-Gardyne: Ja, natürlich bin ich froh, dass das Interesse für die Alten Meister wieder zugenommen hat. Aber die Kunstsammler haben sich immer schon für Alte Meister interessiert. Es ist ein sehr stabiler Markt.

Liegt es an der Wirtschaftskrise, dass die Meister der Malerei des 14. bis 18. Jahrhunderts wieder gefragt sind?

Der Markt der Alten Meister stützte sich nie auf Spekulationen, wie es vielleicht andere Märkte getan haben oder immer noch tun. Es gab nie solche dramatischen Preisanstiege wie bei der zeitgenössischen Kunst. Die Alten Meister sind vielleicht eine Weile übersehen worden, weil die Werke der Gegenwart die Menschen mehr angezogen haben. Aber die Leute suchen nach einer guten Wertanlage, in die sie ihr Geld sicher investieren können. Die Alten Meister wurden immer ganz klar als solch eine gesehen.

Spüren Sie die Wirtschaftskrise im Kunstmarkt?

Unsere Verkäufe laufen gut. Allerdings hat das Volumen der Verkäufe abgenommen. Das liegt daran, dass viele der Ansicht sind, im Moment sei nicht die beste Zeit zu verkaufen. Aber das stimmt nicht. Die Auktion am Dienstag wird zeigen: Es sind genügend Interessenten da; es gibt Sammler Alter Meister.

Das ist aber auch nicht schwer, wenn Sie für die Auktion die berühmtesten Maler wählen.

Es wäre schön, wenn ich sagen könnte, wir hätten diese Werke gewählt. Aber so läuft das nicht. Wir können nicht einfach den Telefonhörer abheben und sagen: Okay, dieses Mal nehmen wir den Rembrandt und den Raffael.

Die Bilder werden also nicht verkauft, weil ihre Besitzer in Geldnot geraten sind?

Die Gemälde waren alle mindestens 30 Jahre Teil einer Privatsammlung – der Evangelist Johannes von Domenichino wird erstmals seit mehr als 100 Jahren zum Verkauf angeboten. Die Besitzer verkaufen keines der Bilder wegen der Finanzkrise. Das kann ich Ihnen zu 100 Prozent versichern.

Wie kommen Sie an die Werke heran – melden sich die Sammler bei Ihnen, ruft Sie jemand an und sagt: "Hören Sie, ich habe da einen Rembrandt im Keller gefunden"?

Das wäre schön, wenn das passieren würde. Einige Gemälde kennen wir schon seit Jahren. Wenn wir ein Werk versteigern, steht dahinter oft ein jahrelanger Kontakt zum Besitzer, zu dem wir eine Beziehung aufgebaut haben. Manchmal steckt aber auch besonderer Umstand dahinter. Entweder kommen die Leute dann zu uns oder wir stoßen das an.

Wissen Sie, was in den Privathäusern auf der ganzen Welt hängt?

Nicht alles. Aber wir verbringen viel Zeit damit, Werke für Kunden zu bewerten. Das machen wir in Privathäusern und Institutionen. Über die Jahre haben wir vieles aus Privatsammlungen gesehen.

Verfolgen Sie auch die Wirtschaftslage von Unternehmen, um zu wissen, wie es wem geht und was wo hängt?

Ja, selbstverständlich. Unsere Arbeit ist eng verbunden mit dem, was in der Wirtschaftwelt passiert. Und das ist noch wichtiger geworden, seitdem wir unser Geschäft in neue Länder und neue Märkte erweitert haben.

Und woher kommen die Käufer von Alten Meistern?

Traditionell aus Amerika und Europa. Es ist eine Mischung aus Privatpersonen, Händlern und Museen. Jetzt haben wir russische Käufer, die einen großen Teil unseres Geschäfts ausmachen. Vor kurzem hatten wir den ersten Chinesen bei einer Altmeister-Auktion. Der Markt hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf die ganze Welt ausgeweitet, und die Käufer von Alten Meistern werden jünger.

Rembrandts Porträt eines Mannes haben Sie auf einen Wert von bis zu 25 Millionen britische Pfund geschätzt – umgerechnet rund 27,6 Millionen Euro. Wie legen Sie den Wert eines Werkes fest?

Das ist ein kompliziertes Verfahren. Kein Gemälde gleicht dem anderen. Also vergleichen wir Bilder mit ähnlichen Werken desselben Künstlers oder mit anderen Malern. Wir schauen uns auch an, in welchem Zustand das Gemälde ist, die Qualität, woher es kommt.

Wer kauft in Deutschland Alte Meister?

Es gibt eine Gruppe von Sammlern, die sich speziell für Alte Meister interessiert. Viele von ihnen sind Geschäftsleute und haben ein detailliertes Wissen über die Werke Alter Meister. Und die Gruppe wird größer.

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