08 / 12 / 2008
Art Basel Miami
Impressionen
MIAMI HOTSPOTS
Kunst zum Riechen?
Die New Yorker Nightlife-Ikone Amanda Lepore nahm die Gelegenheit wahr und stellte ihren eigenen Duft "Amanda" vor. Als Präsentationsort wählte die Muse von Fotograf David LaChapelle, die 2005 mit ihrem Nacktauftritt auf einer Party von Verleger Taschen Messe-Geschichte geschrieben hatte, die Alternativmesse Pulse. Leider machten die mit Swarovski-Kristallen besetzten Flakons mehr her als der Duft.
Trend: Kunst fürs Wohnzimmer
Es waren nicht nur die Preise, die von der neuen wirtschaftlichen Realität eingeholt wurden. Die meisten Galeristen brachten weniger Arbeiten mit nach Miami – und zeigten obendrein weniger raumeinnehmende, nach Aufmerksamkeit schreiende Werke. Insgesamt war die angebotene Kunst weniger gewaltig, weniger prestigeträchtig. Die Leute würden sich wieder mehr in ihr Zuhause zurückziehen und Kunst besitzen wollen, mit der sie leben können, meinte ein Kunstberater.
Miami Sound Bites
Ein amerikanischer Dealer zu einem Kollegen: "Habt Ihr auch einen Obama dabei?"
Promi-Fotograf Patrick McMullan auf der Hauptmesse: "Es ist wie im Himmel – wenn nur die vielen Menschen nicht wären."
Der New Yorker Galerist Bruce Silverstein zum Platzen der Kunstblase: "Der Sammler, der sich einen Damian Hirst für 30 Millionen Dollar gekauft hat, der auf einmal nur noch drei Millionen wert ist, sollte sich davon nicht weiter stören lassen. Ihm sollte die Arbeit 30 Millionen wert sein. Denn es geht um die Liebe zur Kunst. Darum, eine Arbeit unbedingt besitzen zu wollen. Und nicht um die Investition."
Ein deutscher Galerist zu einem deutschen Sammler, der mit dem Galerienplan in der Hand durch die Halle steuerte: "Sie machen das also ganz professionell mit Ankreuzen." Der Sammler: "Und Abhaken."
Pulse-Messechefin Helen Allen: "Messen sind das notwendige Übel der Kunstwelt – ohne sie geht es nicht mehr. Auch nicht in Zeiten wie diesen."
Galerist Javier Peres, der neue Arbeiten von Dash Snow zeigte, darunter Fotos von Snows kleiner Tochter Secret mit einem Hamburger auf dem Kopf: "Die Leute sollten Kunst nicht als Investment kaufen – da sind Branchen wie die Prostitution oder der Handel mit Alkohol sicherer. Ich überlege, ob ich eine der Arbeiten an ein amerikanisches Museum oder an einen Sammler in Hollywood gebe – ich denke, es wird Hollywood werden."
Neu-Entdeckung
Einer der neuen Stars der Messe: Mickalene Thomas. Alle vier Editionen ihrer Arbeit "Oh Mickey" gingen bei Lehman Maupin für je 35 000 Dollar weg. Die 37-jährige New Yorkerin zeigte Bilder von glitzernden Frauenbeinen in sexy Kniestrümpfen und Pumps. Dazu ein Video mit einer halbnackten African-American Lady im für die Künstlerin so typischen Eighties Ambiente.
Model-Retrospektive
Eine der merkwürdigsten Veranstaltungen der diesjährigen Messe war auf jeden Fall "Art Photo Expo Miami": Die Modefoto-Messe, immerhin zum zweiten Mal in Miami dabei, nahm das Motto "Underground" wörtlich und hatte einen nicht besonders glamourösen Parkplatz unterhalb von Autobrücken bezogen. Ein Teil der Ausstellung wurde Supermodel Naomi Campbell gewidmet. Fotografen wie Albert Watson, Jean Paul Goude, Bettina Rheims oder Bruce Weber steuerten Bilder bei. Der Katalog zeigte das Hinternteil des Models im weißen Unterhöschen. Campbell, die sich einen Ruf für schlechtes Benehmen erarbeitet hat, erschien ganze zweieinhalb Stunden zu spät, um ihre eigene Ausstellung zu eröffnen.
Beutelkunst: "Ich brauche Geld"
Das New Museum präsentierte eine neue Kollektion von Leinentaschen (für 35 Dollar) auf der Alternativmesse NADA (New Art Dealers Alliance). Jeder Beutel wurde von einem anderen Künstler designt. Am meisten gefragt waren – wen wundert es in diesen Zeiten – Chris Caccamises Kreationen mit der Aufschrift: "I Need Money".
Maler Marilyn Manson
Überraschungskünstler war dieses Jahr Gothic-Rocker Marilyn Manson, der von der Kölner Galerie Brigitte Schenk in der Galerie "101 Exhibit" in Miamis Design District vertreten wurde. Im vergangenen Jahr hatte Hollywood-Star Lucy Lui die Kunstwelt mit der Nachricht überrascht, dass sie seit Jahren malt. Manson, im schwarzen Mantel mit Lackhut und dem für den Musiker typischen gespenstischen Make-up, zeigte verstörende Aquarell-Porträts, auf denen er Berühmtheiten, Freunde, aber auch Opfer von Verbrechen festgehalten hatte. "Es fällt mir schwer, meine Bilder an andere zu verlieren", so Manson, der eine Zeitlang überlegt hatte seine Karriere als Musiker für die Kunst aufzugeben. Seine ersten Arbeiten 1999 waren künstlerische Schnellschüsse, der er bei Dealern gegen Drogen eingetauscht hatte.
08 / 12 / 2008
