Art Basel Miami

Kunstmesse

Mit leichtem Gepäck
Buntes Treiben auf der Art Basel Miami Beach (Foto: Claudia Bodin)

MIT LEICHTEM GEPÄCK

Wie jedes Jahr wimmelt es auf der Art Basel Miami Beach auch dieser Tage von Prominenz. An Glamour und Dekadenz hat die Kunstmesse nicht verloren. Nur: Wie ist es mit der Kauflust in der Kunstmarkt-Krise bestellt? art-Autorin Claudia Bodin über die Stimmung bei den Galeristen, den US-Präsidenten Barack Obama als Verkaufsschlager und einen verkleideten Takashi Murakami.
// CLAUDIA BODIN, MIAMI

Während die Rezession Amerika in diesen Tagen offiziell seit einem Jahr überschattet, machten die Sparmaßnahmen auch vor der Messe in Miami nicht halt. Um die Kosten für Barkeeper einzusparen, wurden auf manchen Veranstaltungen keine Cocktails mehr ausgeschenkt – sondern nur Champagner.

Ansonsten lief auch bei der siebten Neuauflage alles so dekadent ab wie in den guten, fetten Vorjahren. 800 Galerien stellten bei der Hauptveranstaltung und den fast 20 Satellitenmessen aus. Zwar sprang auf Grund des eisigen Windes niemand beim Messe-Empfang im "Delano Hotel" in den Pool, und die Kellner trugen T-Shirts mit der Aufschrift "Fuck the Recession". Aber die neuen Uhrenmodelle von Designerstar Mark Newson, die in einem Sperrholz-Pavillon vor dem "Raleigh Hotel" für Preise von 7000 bis 25 000 Dollar präsentiert wurden, gingen weg, als wären Swatch-Uhren im Angebot. Bei der Afterparty zur Eröffnung der "Design Miami" mit Gästen wie Messechef Marc Spiegler, Maler Chuck Close oder Galerist Jay Joplin von White Cube aus London ließ sich Model Naomi Campbell, die in Begleitung eines Kleiderschranks von Bodyguard auflief, mit Tony Shafrazi und Benedikt Taschen fotografieren. Alle strahlten, alle tranken und waren zum Messestart nervös. Denn obwohl die private Fluggesellschaft NetJets wie gehabt den betuchten Kunst-Jet-Set einflog, Cartier wieder seinen Kuppelbau mit millionenschwerem Schmuck errichtet hatte und für Luxus-Penthouses in Messenähe geworben wurde, machten Gerüchte von erschreckend vielen Stornierungen in den Hotels die Runde. Es wurde diskutiert, ob die Kunstwelt wirklich eine Messe in New York und in Miami braucht und welche der beiden Veranstaltungen in Zukunft überleben wird. Und alle fragten sich bange: Kommen die Sammler? Werden sie kaufen?

„Die Sammler zögern – aber sie sind da.“

Zuerst gab es aufmunternde Nachrichten: Die Schweizer Messegesellschaft hat den Vertrag mit der Stadt Miami auf weitere drei Jahre verlängert. Auch der Sprecher der Schweizer Investmentbank UBS, die herbe Verluste verkraften musste, beteuerte immer wieder, dass das Unternehmen sich weiterhin als Sponsor der "Art Basel Miami Beach" verpflichtet hat. Kurz nach der Eröffnung strömten deutlich weniger Interessenten als im Vorjahr in die Halle, aber die Messe war dennoch gut besucht. 14 Dollar für das Glas Champagner wurden weiterhin gerne bezahlt.

Präsentiert wurde solide Qualität. Auffällig war, dass viele Galerien im Zuge des neuen Sparkurses weniger Kunst im Gepäck hatten. So bestätigte auch Miamis Messe-Dienstleister Gander & White, der für den Transport von Kunstwerken zuständig ist, einen Rückgang der Geschäfte. Der Franzose Emmanuel Perrotin, der eine Galerie in Paris und Miami betreibt und sonst für seine bunten Inventurshows bekannt ist, setzte am ersten Tag auf ganze zwei Arbeiten von Fahrhad Moshiri, die verloren an den Wänden hingen. Immerhin ging eine davon mit dem Titel "Run Like Hell" in den ersten Stunden für 250 000 Dollar weg. In den vergangen neun Monaten seien die Sammler in New York wie vom Erdboden verschwunden gewesen, meinte der in Chelsea ansässige Galerist Zach Feuer, der junge, hoch gehandelte Künstler vertritt und neue Arbeiten von Nathalie Djurberg und Jules de Balincourt mitgebracht hatte. "Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen." so Feuer, der sichtlich erleichtert in den ersten zwei Stunden zwei Arbeiten verkauft hatte.

Wo bleiben die Russen?

Ob an den Ständen der großen etablierten Galerien oder der kleineren Häuser, es war überall das gleiche zu hören. "Langsame Geschäfte", bestätigte David Zwirner. Von zugenähten Hosentaschen war die Rede. Und davon, dass die Amerikaner im Vergleich zu den Europäern auf Grund der Krise wie unter Schock stehen würden. Auch die viel beschworenen kauffreudigen Russen blieben fern. Die russischen Sammler mit unendlich viel Geld seien eine Legende, so die Moskauer Galerie XL, die mit einer starken gemeinsamen Arbeit von zwei heimischen Künstlern angereist war. Während Striche und Kreise auf der Leinwand beim Sex aufeinander losgingen, hockte eine Truppe von Zuschauerfiguren aus Styropor teilnahmslos in ihren Kinositzen. So mancher Galerist hatte auf Roman Abramovich oder Leonid Friedland gehofft, der mit seiner Luxusgüter-Firma Mercury gerade das Auktionshaus Phillips de Pury übernommen hat. Doch wie schon im Vorjahr gab es eine nicht besonders stilvolle Russen-Party mit Teigtaschen statt Kaviar, bei der Tänzerinnen auf Sockel im Pool verfrachtet wurden.

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