Damien Hirst

Sotheby's

"Warhol, Picasso und ich"
Der Tanz ums goldene Kalb – Damien Hirst vor seiner neuen Skultur (Courtesy Sotheby's, London)

"WARHOL, PICASSO UND ICH"

Damien Hirst testet den Kunstmarkt – und verkauft 223 seiner "größten Hits" direkt beim britischen Auktionshaus Sotheby's. Selbst seine Galeristen wollen bei der Auktion kräftig mitbieten – erwartet werden rund 84 Millionen Euro Erlös.
// HANS PIETSCH, LONDON

"Hallo, ich bin Damien Hirst. Da führt kein Weg dran vorbei. Ich kann es nicht mehr leugnen", sagte der Künstler auf einer seiner immer seltener werdenden Pressekonferenzen. Er war zu Sotheby's in die Bond Street gekommen, um die Schau mit, wie er sagte, "seinen größten Hits" vorzustellen.

223 in den letzten zwei Jahren entstandene Arbeiten, angefertigt – unter seiner Aufsicht – von 180 Assistenten in mehreren Ateliers. Von kleinen Vorzeichnungen für seine Großprojekte bis zum "Goldenen Kalb" (2008), einem stattlichen jungen Bullen in Formaldehyd, mit goldenen Hörnern und Hufen und einer goldenen Aureole, und das alles auf einem marmornen Sockel.

Hirst hat sich verändert. Er hat nichts mehr von dem schäbig angezogenen, fluchenden, oft betrunkenen Enfant terrible. Sein Anzug ist perfekt geschnitten. Geduldig und höflich antwortet er auf alle Fragen, er hat dem Alkohol und dem Nikotin abgeschworen. Seine Familie geht ihm über alles, und irgendwie scheint er auch Gott gefunden zu haben. Jedenfalls taucht die Religion in seinem jüngsten Werk immer wieder auf, bis hin zu einer Nachbildung des großen Rosettenfensters der Kathedrale von Durham – aus Schmetterlingsflügeln.

Hirst will den Markt testen

Und er macht Geld. Viel Geld. 200 Millionen Pfund soll er besitzen, nach jüngsten Schätzungen. Oder sogar eine Milliarde Dollar, wie kürzlich eine Zeitung schrieb. Ihm treibt das keineswegs die Schamröte ins Gesicht. Im Gegenteil: "Die Leute glauben, wenn man Geld verdient, ist man kein richtiger Künstler. Warhol, Picasso und ich haben uns dem kommerziellen Aspekt der Kunst gestellt." Und er erinnert an noch ältere Altmeister, die das ebenfalls taten: Rembrandt, Velázquez, Goya. Warum also nicht auch er?

Die Versteigerung seiner "größten Hits" ist eine Art Novum. Gegen die Gepflogenheiten des Markts schaltet Hirst seine beiden Galeristen aus und verkauft direkt über das Auktionshaus. Larry Gagosian und Jay Jopling machen gute Miene zum bösen Spiel und haben versprochen, kräftig mitzubieten, um ihren größten Star bei Laune zu halten. Der will "den Markt testen", denn alles ist im Fluss, und er weiß nicht, was die Zukunft bringen wird.

Künstlerkollegen, andere Auktionshäuser und Galeristen werden genau hinschauen, wenn am 15. und 16. September die Werke unter den Hammer kommen. Das Auktionshaus verzichtet, so bestätigt es Hirst, auf die vom Verkäufer kassierte Prämie, das bedeutet also: 100 Prozent Profit für den Einlieferer. So stark ist das Interesse an dieser wohl historisch einzigartigen Auktion. Doch natürlich kann alles auch schief gehen – sowohl Hirst als auch Sotheby's können böse auf die Nase fallen. Es kann zum Beispiel passieren, dass die vorhergesagten 84 Millionen Euro Erlös nicht erzielt werden. "Man muss breite Schultern haben", sagt Cheyenne Westphal von Sotheby's. Ist Hirst gegen die gegenwärtige Rezession gefeit? "Das wird sich zeigen", ist die lakonische Antwort.

Damien Hirst bei Sotheby's

Auktion: 15. und 16. September, Sotheby's London.

http://www.sothebys.com

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1 Leserkommentar vorhanden

Werner Hahn

17:49

17 / 09 / 08 // 

Zum Phänomen Damien Hirst - Kritik

Zu Damien Hirst wurde von mir in ZEIT ONLINE (Community) ein längerer aktueller Artikel veröffentlicht. Bitte Googeln: „Damien Hirst: Kunst-Markt-Kunst primär & sekundär und die unabhängigen Künstler“. Ist Hirsts Versteigerung von Formaldehyd-Kadavern bei Sotheby's am 15./16. September 2008 eine Ausverkaufsaktion für dumme Reiche? Damien Hirst sei eine „unumstrittene Majestät des gegenwärtigen Kunstbetriebs“, ein Mann „der traurigen Sehnsucht der Museen“, schreibt die SZ am 13.09.08. Holger Liebs fördert mit seinem Artikel „Ich bin Kunst“ den Prozess, dass „am Ende überall nur noch ein Name kursiert“ - der des D. H.. Warum reiht sich die SZ ein in die frohe Bewunderungsepistel-Verkündigung statt eine gehaltvolle Strafpredigt für die Irrlehre des Tier-Mumien-Kunst-Markt-„Künstlers“ zu halten. Dass Hirst reicher sein soll als der reiche „King of Kitsch“ (Kollege Jeff Koons) ist kein Kriterium für etwaige gute oder innovative Kunst. (…)

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