Impressionismus - Expressionismus - Berlin

Die Vielgeliebten

Viele Zeitgenossen haben den Expressionismus als Gegenbewegung zum Impressionismus empfunden. Dass es durchaus auch Parallelen gibt, will Kuratorin Angelika Wesenberg nun mit der Ausstellung "Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende" in der Alten Nationalgalerie zeigen.
Eduard Manet: "Im Wintergarten"

Eduard Manet: "Im Wintergarten", Öl auf Leinwand, 1978

Neue Farben, Formen und Sujets: So brach der Impressionismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit den bis dahin vorherrschenden Bild- und Geschmackskonventionen. Maler wie Claude Monet, Edgar Degas, Édouard Manet oder Auguste Renoir richteten den Blick auf die Malerei selbst und begannen den Kampf gegen den Akademismus. Auch als Reaktion auf den Siegeszug der Fotografie beginnt ein neues Kapitel in der Kunst: die Moderne.

Paris, Natur und Bourgeoisie

Plötzlich geht es um Licht, Farbe und die Befreiung des Malens aus der Enge des Ateliers. Durch die Pleinairmalerei kommen neue Motive in den Blick: die pulsierende Metropole Paris, Natur- und Lichtstudien, Pferderennen oder Bootstouren – die Vergnügungen von Petite und Haute Bourgeoisie. In Paris ist der Impressionismus entstanden – dort geriet er auch zum Ende des Jahrhunderts in die Krise: Angesichts zunehmender gesellschaftlicher Konflikte, politischer und wirtschaftlicher Verwerfungen erschien die bedingungslose Bejahung der Moderne nicht mehr zeitgemäß. Neue Ismen kündigen sich an.

Um 1900 trieben die Expressionisten schließlich die Loslösung der Malerei von ihrer Abbildfunktion weiter voran. In Deutschland betraten Maler wie Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Franz Marc und Max Pechstein die Bühne. Die Malerei entwickelte sich weiter und zielte tiefer hinein in das Reich des Imaginären: In ihren Bildern schlug die sichtbare Wirklichkeit in eine subjektive Gegenwirklichkeit um. Kunst wurde zum Medium des Ausdrucks einer emotional aufgeladenen Künstler-Innenwelt. Viele Zeitgenossen haben den Expressionismus als Gegenbewegung zum Impressionismus empfunden. So konträr erschienen die Ansätze: hier der hedonistische Impressionismus, dort der existenzialistische Expressionismus.

Das Erleben des Moments

Doch die Geschichte ist komplexer. Dies jedenfalls ist die Grundthese von Kuratorin Angelika Wesenberg, die mit der Ausstellung "Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende", die in der Alten Nationalgalerie in Berlin gezeigt wird, nicht nur das Trennende, sondern vor allem auch Parallelen und Gemeinsamkeiten der beiden Kunstströmungen herausstellen möchte. Und es gibt durchaus Verbindendes: Angefangen damit, dass die Maler beider Stilrichtungen die Ablehnung akademischer Vorgaben eint, geht es Impressionisten wie Expressionisten in ihrer Kunst um
das Erleben des Moments. Beide begeistern sich zudem für bestimmte Themen wie etwa für die Stadt, die ihnen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Ort der Veränderung, der Bewegung, der Verführung galt.

Mit ihren rund 160 Gemälden – vielen Werken aus den Beständen der Nationalgalerie sowie einigen großartigen Leihgaben – könnte die Berliner Schau zum Sommerhit werden und so die These der Ausstellung zusätzlich stärken. Denn auch die bis heute anhaltende Popularität beider Kunstrichtungen hat retrospektiv etwas Einendes.

Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende

Die Ausstellung ist vom 22. Mai 2015 bis zum 20. September 2015 in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen.
http://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/alte-nationalgalerie/ausstellungen/ausstellung-detail/imex-impressionismusexpressionismus.html

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