Kaiser Napoleon und Europa

Der Januskopf

Die Ausstellung "Napoleon und Europa. Traum und Trauma" in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn richtet ihr Augenmerk auf die von Napoleon Bonaparte erzwungene Neuordnung Europas. In zwölf thematischen Abteilungen entsteht ein weit gefasstes Panorama der napoleonischen Ära und ihrer Rezeptionsgeschichte.
Der Januskopf:Facettenreiches Bild von Kaiser Napoleon I.

Darstellung Napoleons I. im Krönungsornat auf dem Kaiserthron von Jean-Auguste-Dominique Ingres

Es gibt ein ehernes Gesetz, nach dem die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Im Fall von Napoleon Bonaparte (1769 bis 1821) ist die Sache jedoch komplizierter. Obwohl er das Schlachtfeld als Geschlagener verließ, hatte er seine Gegner in den Jahren seiner Herrschaft bereits so sehr reformiert, dass sie ihn nur verleugnen konnten, indem sie einen Teil ihrer selbst verleugneten. Diese innere Zerrissenheit der Sieger prägt die Napoleon-Rezeption bis heute – insbesondere in Deutschland, wo er als "Weltgeist zu Pferde" (Hegel) gerühmt und als Menschenschlächter geschmäht wurde.

In der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn ist der janusköpfigen Figur Napoleon nun eine große Schau gewidmet. Sie richtet das Augenmerk vor allem auf die durch Bonaparte erzwungene Neuordnung Europas und fasst die Rezeption des selbsternannten Befreiers unter dem treffenden Titel "Traum und Trauma" zusammen. Neben Philosophen und Literaten fühlten sich gerade bildende Künstler durch Napoleons Erscheinung angespornt. Antoine-Jean Gros stilisierte den jungen Feldherrn 1796 mit wehendem Haar mzum Inbild des Freiheitskämpfers, ein Jahrzehnt später hüllte ihn Jean-Auguste-Dominique Ingres mit Prunk und Pomp in den vollen Ornat der Propaganda. Die künstlerisch eindrucksvollste Opposition gegen diesen Heldenkult formierte sich in Spanien, wo Francisco de Goya die französische Besatzung an ihren Gräueltaten maß. Auch die politische Karikatur erlebte eine seltene Blüte, in Deutschland vor allem durch Johann Michael Voltz.

Gleichwohl richten die Kuratoren das Napoleon-Bild weniger an den Extremen aus als an seinen zahlreichen Facetten. Dazu soll in zwölf thematischen Abteilungen ("Faszination und Abscheu", "Blut und Sex", "Nationen – Emotionen") ein weit gefasstes Panorama der napoleonischen Ära und ihrer Rezeptionsgeschichte entstehen. Möglich wird dies durch 114 Leihgeber aus aller Welt, die insgesamt 380 Exponate nach Bonn schickten. Mit 90 Gemälden hat die Malerei den größten Anteil, dazu kommen Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken und Gebrauchsgegenstände sowie zahlreiche "Reliquien" wie Hut und grauer Redingote-Mantel des Generals. Das jüngste Exponat ist Jonathan Meeses Bronzeskulptur "Der Terminator: Napoleon", datiert von 2006.

"Napoleon und Europa"

Termin: 17. Dezember 2010 bis 25. April 2011 in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn sowie von März bis Juni 2012 im Musée de l’Armée in Paris, der Katalog erscheint im Prestel Verlag und kostet 32 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro
http://www.bundeskunsthalle.de/
info@bundeskunsthalle.de

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