Théodore Géricault - Frankfurt am Main

Leiden und Vergänglichkeit

Er war ein Pferdenarr und begeisterte sich für die Anatomie des menschlichen Körpers und der Seele. Die Frankfurter Schirn-Kunsthalle zeigt "Bilder auf Leben und Tod" des französischen Romantikers Théodore Géricault, dessen "Floß der Medusa" ihn einst auf einen Schlag berühmt machte.

Für seine Kunst gab Théodore Géricault alles: Als der Dichter Alexandre Dumas den Künstler (1791 bis 1824) ein einziges Mal am Krankenbett besuchte, berichtete ihm dieser Unvorstellbares: Er habe bei einer Operation am eigenen Rücken zum Zweck anatomischer Studien das Kopfende seines Bettes "genau so vor den Spiegel rücken lassen, so dass ich mich, während
sie über meinem Kreuz her waren … ihnen zusehen konnte".

Der Kunsthistoriker Gregor Wedekind, der die Frankfurter Géricault-Ausstellung kuratiert hat, hält diese von der Géricault-Biografin Denise Aimé-Azam überlieferte Episode eher für eine "Anekdote", deren "Wahrheitsgehalt fraglich ist, die aber ein aufschlussreiches Zeugnis für die posthume Legendenbildung um den Künstler als poète maudit darstellt". Fakt ist, dass Géricault ein Künstler war, der den Klassizismus überwunden hatte und einer der bedeutendsten Maler der Romantik war. Man kennt seine emotionsgeladenen Massenszenen wie den Überlebenskampf der Schiffbrüchigen auf dem "Floß der Medusa" (eine Vorstudie ist in der Ausstellung zu sehen), seine sich unter verwegenen Reitern wild aufbäumenden Rösser oder das Gewimmel von Wildpferden bei einem Rennen in Rom.

Die Frankfurter Schirn-Kunsthalle hat nun dem anderen Géricault eine Ausstellung gewidmet, die schon im Untertitel verrät, um was es geht: um "Bilder auf Leben und Tod", um Darstellungen von existenziellen Situationen, von Wahnsinn und Krankheit, von Leiden und Vergänglichkeit. Entfleischte Totenschädel oder abgetrennte Gliedmaßen auf der einen Seite, auf der anderen aber auch das psychische Leiden, wie es seine einfühlsamen Porträts unter "Monomanie" leidender Menschen zeigen; darunter verstand man im 19. Jahrhundert eine partielle Störung psychischer Funktionen. Die Ausstellung macht aber auch deutlich, dass "die Mehrzahl seiner Studien nicht der Anatomie, sondern der Darstellung von unversehrten Körpern – dem Leben – gewidmet sind", so Gregor Wedekind im Katalog. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist ein sehr lebendiges weißes Pferd, dessen edler Kopf in schönster Chiaroscuro-Manier leuchtend aus einem düsteren Hintergrund scheint.

Géricault – Bilder auf Leben und Tod

bis 26. Januar,
Schirn Kunsthalle,
Frankfurt am Main,
Gegen Vorlage ihrer artcard erhalten unsere Abonnenten ermäßigten Eintritt. Der Katalog ist im Hirmer Verlag erschienen und kostet 39,90 Euro
http://schirn.de/GERICAULT.html

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