Lucas Cranach - Thüringen

Schulterschluss mit Luther

Mit gleich drei großen Ausstellungen stellt Thüringen in diesem Jahr das Schaffen der Künstlerfamilie Cranach in den Mittelpunkt. Eine Schau in Gotha zeigt Cranach als Sprachrohr des Protestantismus. Denn dass wir Luther heute so sehen, wie wir ihn sehen, ist zu großen Teilen Lucas Cranach dem Älteren zu verdanken.
Lukas Cranach d Ä. - Luther

Lucas Cranach der Ältere: "Porträt des Martin Luther", 1533, Öl auf Birkenholz

Das Seelenheil kann man nicht kaufen – das ist die Botschaft der Bildtafel
"Verdammnis und Erlösung". Lucas Cranach der Ältere (1472 bis 1553) schuf sie 1529, zwölf Jahre nachdem Martin Luther seine berühmten Thesen wider das Papsttum in Wittenberg angeschlagen hatte.

Als eingängige Bildgeschichte organisiert, zeigt das Werk, dass kein irdischer Ablass, sondern allein himmlischer Beschluss Befreiung von den Sünden gewährt. Es befindet sich in der exzellenten Sammlung des Herzoglichen Museums in Gotha. Dort wird Cranach mit über 100 Gemälden, Grafiken, Münzen und Medaillen als bildgewaltiges Sprachrohr des Protestantismus gefeiert. Eine Entdeckung sind dabei besonders Propaganda-Flugschriften wie das bissige Passional Christi und Antichristi von 1521.

Die Gothaer Schau unter dem Motto "Bild und Botschaft" gehört zu einem wahren Reigen von Cranach-Ausstellungen im einstigen Kernland der Reformation. Weimar darf da nicht fehlen, besonders weil hier der greise Meister seine Tage im Dienste des protestantischen Herzogs Johann Friedrich I. von Sachsen beschloss. In Weimar wurde er auch begraben. Allerdings hinterließ er mit seinem Sohn Lucas Cranach dem Jüngeren (1515 bis 1589) einen begabten Nachfolger. So würdigte dieser den Vater 1555 im Altarbild der Herderkirche – ein externer Höhepunkt der Cranach-Ausstellung im Schiller-Museum und unbedingt einen Besuch wert. Denn dort sieht man Cranach senior direkt neben Luther; ein weiterer Beweis dafür, wie sehr sich der Künstler um die Verbreitung des neuen Glaubens verdient gemacht hatte.

Der Schulterschluss mit dem Reformator führte auch dazu, dass wir diesen noch heute mit den Augen Cranachs sehen. Dies illustrieren ganze Serien von viel kopierten Porträts, die Cranach von Luther gemacht hat – vom jungen Theologen bis hin zum wohlbeleibten Bürger. Auf der Eisenacher Wartburg, dort, wo der aufsässige Theologe als "Junker Jörg" einst Schutz vor Verfolgung suchte, wird dieser Typologie in einer speziellen Ausstellung nachgespürt. So wird in diesem Frühjahr und Sommer eine Reise nach Thüringen zu einem Ausflug zu den künstlerischen Wurzeln der deutschen Reformation, und Vater wie Sohn Cranach bieten sich als omnipräsente Reisebegleiter an.

Bild und Botschaft – Cranach im Dienst von Hof und Reformation

Die Ausstellung ist in Gotha noch bis zum 19. Juli 2015 im Herzoglichen Museum zu sehen.
http://www.stiftungfriedenstein.de/ausstellungen-und-veranstaltungen/bild-und-botschaft-cranach-im-dienst-von-hof-und-reformation-0

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