Rosa Schapire - In Hamburg

Rosenknospe auf Tintenfüßchen

Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe zeigt eine Ausstellung über Rosa Schapire (1874 bis 1954), die die Künstler des Expressionismus förderte und ihnen freundschaftlich verbunden war

Die Leidenschaft für den Expressionismus schlug sich sogar in ihrer Wohnung in Hamburg-Uhlenhorst nieder. Rosa Schapire residierte in Wänden, die in Grün, Schwarz, Rot, Gelb, Blau und Rosa gehalten waren, den Farben, die von den Malern des Expressionismus oft verwendet wurden. Die Kunsthistorikerin und
-sammlerin war von größter Bedeutung für die Entwicklung jener Kunst, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst von der Kritik abgelehnt wurde. „Gerade den Brücke-Künstlern war Schapire eine wichtige Stütze“, schreibt Leonie Beiersdorf in ihrem Beitrag zum Katalog der Ausstellung „Rosa. Eigenartig grün. Rosa Schapire und die Expressionisten“.

Schapire, 1874 als Kind jüdischer Eltern in Brody (Ostgalizien) geboren, war eine der ersten Frauen, die in Deutschland ein Studium der Kunstgeschichte mit der Promotion krönten. Der Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler machte sie 1907 mit der Künstlervereinigung „Die Brücke“ bekannt, die zwei Jahre zuvor in Dresden gegründet worden war, Rosa Schapire schloss sich sogleich als passives Mitglied an. Mit den Malern Karl Schmidt-Rottluff und Erich Heckel verband sie eine enge Freundschaft, aber auch Franz Radziwill und die regionalen Künstler der Hamburger Sezession profitierten von ihrem großen Engagement für den Expressionismus.

Rosa Schapire vermittelte die Künstler an Galerien, sie propagierte ihre Kunst in Vorträgen und Artikeln, förderte Ankäufe durch Museen und stand in reger Korrespondenz mit den Künstlern, wovon zahlreiche Künstlerpostkarten zeugen. Die Künstler wiederum haben ihre Förderin immer wieder gemalt, Schmidt-Rottluff entwarf Schmuck, Möbel und persönliches Briefpapier für sie. In der Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sind außer persönlichen Zeugnissen etwa 130 Gemälde, Grafiken und Skulpturen zu sehen. Den Titel hat die Schau einem Zitat des Kunsthistorikers Aby Warburg entlehnt, der seiner Frau 1907 berichtete: „Frl. Schapire benimmt sich eigenartig grün … Sie ist sehr affektiert und beredt. Dieses Rosenknöspchen auf Tintenfüßchen.“

Wegen ihrer jüdischen Herkunft wurde Schapires Einsatz für die als "entartet" geltende Kunst im
Nationalsozialismus erschwert, zu einigen Sammlungen wurde ihr der Zutritt verwehrt. 1939 emigrierte sie nach London, wo sie sich weiterhin als Fürsprecherin der deutschen Avantgarde sah. Abgesehen von wenigen Ausnahmen,
wie den meisten Werken Schmidt-Rottluffs, musste sie einen großen Teil ihrer Sammlung in Hamburg zurücklassen. Im Exil setzte sie sich weiter für die deutschen Expressionisten ein und eröffnete inLeicester 1953 die erste Schmidt-Rottluff-Ausstellung auf englischem Boden. Bis zu ihrem Tod 1954 kehrte Rosa Schapire nicht mehr nach Deutschland zurück.

"Rosa. Eigenartig grün. Rosa Schapire und die Expressionisten"

Termin: 28. August bis 15. November. Katalog: Verlag hatje Cantz, 25 Euro. Ein spezielles Schülerbegleitheft zur Ausstellung, das wie ein Ausstellungrundgang funktioniert und ein paar Anleitungen zum Nachmachen enthält, kostet 7 Euro
http://www.mkg-hamburg.de/