Naumburger Meister

Uta und ihr Gefolge

Man kennt nicht seinen Namen, nicht seinen Geburtsort, nicht das Jahr. Doch seine Kunst ist europaweit bekannt: Der Naumburger Meister, Schöpfer der steinernen Uta am Dom dieser Stadt, gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer des Mittelalters. In Naumburg würdigt nun eine Ausstellung den virtuosen Stilisten
Uta und ihr Gefolge:Ausstellung über den Naumburger Meister

Naumburg, Dom St. Peter und St. Paul, Westchor, Stifterfigur Uta von Ballenstedt, 1243-1249.

Uta muss man gesehen haben wie die Nofretete oder die Mona Lisa. Aber weil sich diese Dame auch im Zeitalter der Blockbusterausstellungen partout nicht in eine der Kunstmetropolen verfügen will, ist die Pilgerfahrt nach Naumburg Pflicht. Am besten gleich jetzt: Im Rahmen einer groß angelegten Landesausstellung wird im Dom und an weiteren Orten im schönen Bischofssitz über der Saale alles zusammengetragen, was es über den Naumburger Meister (art 10/2010) zu wissen gibt.

Zwar kennt man weder Namen noch Lebensdaten dieses bedeutenden Bildhauers und Architekten der Gotik, aber sein Stil und seine Naturauffassung sind so einzigartig, dass man den Weg seiner Bauhütte in der Mitte des 13. Jahrhunderts nachvollziehen kann: Von den Kathedralbauten in Reims und Amiens zog er über Mainz und Naumburg schließlich nach Meißen. Die Naumburger Schau versammelt die Zeugnisse seines Schaffens nun erstmalig in Originalen und Abgüssen und lässt mit vielen internationalen Leihgaben ein Bild der Epoche entstehen, die, allen späteren chauvinistischen Vereinahmung zum Trotz, ein Zeitalter des europäischen Kulturaustauschs war.

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Die zentralen Merkmale und künstlerischen Umbrüche der Epoche: ein Schnellkurs zu Malerei und Architektur des Mittelalters

Im Zentrum steht aber unverrückbar der Westchor des Doms mit seinen unvergleichlich lebensvollen und dauerhaft rätselhaften Stifterfiguren und dem Lettner, der die Passionsgeschichte wie in Filmstills nacherzählt. Faszinierend, wenngleich viel weniger beachtet als das ritterliche Starensemble sind auch die Schmuckformen der Kapitelle und Friese, die den Chor zu einem Gesamtkunstwerk machen: 150 Pflanzen der Region sind anatomisch korrekt und herrlich stilisiert dargestellt – sie alle werden nun auch im neu angelegten Domgarten zu finden sein. Übrigens auch die Feige, die in der mittelalterlichen Warm- und Blütezeit hier heimisch war.

Der Naumburger Meister

Die Ausstellung "Der Naumburger Meister" ist noch bis zum 2. November 2011 im Dom und weiteren Orten in Naumburg zu sehen.

Der zweibändige Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag (49,95 Euro und 68 Euro im Buchhandel).
http://www.naumburgermeister.eu/