Paul Klee und Wassily Kandinsky

Gipfeltreffen

Erstmals vergleicht eine Ausstellung die beiden führenden Maler der Moderne. Gezeigt werden 180 Werke von Paul Klee und Wassily Kandinsky, darunter Leihgaben aus dem New Yorker Guggenheim 
Museum und dem Centre Pompidou in Paris.
Stelldichein:Klee & Kandinsky in Bern

Paul Klee: "Das Lamm", 1920, Öl und Federzeichnung auf Pappe

Wenn man den Ausstellungsbetrieb der Klassischen Moderne anschaut, darf man aufatmen. Da ist nichts zu spüren von persönlichen Zerwürfnissen und Brüchen, von gesellschaftlichen Unruhen und Kriegen. Freundschaften werden gefeiert.

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Gerade noch waren es im Münchner Lenbachhaus August 
Macke und Franz Marc. Letztes Jahr wurde im Zentrum Paul Klee den Früchten der Tunis-Reise ein Kränzchen gewunden, die Macke, Paul Klee und Louis Moilliet bestritten haben. Jetzt dürfen sich Paul Klee und Wassily Kandinsky in einer gemeinsamen Ausstellung beider Häuser die Hand reichen. Die Begegnung als Ausstellungskonzept passt in eine Zeit, die Zusammenarbeit und Netzwerke pflegt.

Klee (1879 bis 1940) und Kandin
sky (1866 bis 1944) sind ihre eigenen Wege zur Kunst gegangen. Der Russe ist bereits ausgebildeter Jurist, als er mit 31 Jahren in München Kunst zu studieren beginnt. Paul Klee überlegt lange, ob er Musiker oder Künstler werden will. Beide treffen sich 1900 in der Klasse des Malerfürsten Franz von Stuck. Richtig wahrnehmen werden sie sich aber erst im Herbst 1911, ein paar Wochen, bevor die erste Ausstellung des "Blauen Reiters" eröffnet. "Er ist wer und hat einen ausnehmend schönen klaren Kopf", beobachtet Klee. Und Kandinsky überreicht dem "lieben Freund Paul Klee" seine Schrift über das Geistige in der Kunst.

Die beiden Künstler stehen sich hier zum ersten Mal gegenüber

Der bisweilen satirische Klee 
und der eher idealistische Kandinsky haben da ihre Positionen schon gefunden. Der eine hat sich auf seinem Weg mit Kinderzeichnungen, der an
dere mit russischer Volkskunst auseinandergesetzt. So unglaublich es klingt, aber die Berner Ausstellung stellt die beiden Künstler zum ersten Mal überhaupt gegenüber. Acht Themenbereiche sind chronologisch geordnet. Die gemeinsame Zeit des "Blauen Reiters" von 1910 bis 1914, als Kandinsky seine abstrakten Improvisationen zeigt, bildet einen ersten Höhepunkt. Der zweite Teil der Schau fächert Dialog und Annäherung zwischen beiden auf, als sie nach dem Ersten Weltkrieg zwischen 1922 und 1931/32 als Lehrer am Bauhaus in Dessau und Weimar tätig sind. Klee blüht auf, sein Werk ist vielschichtig und erzählerisch. Kandinsky sucht nach einem "Generalbass". Beide gehen soweit aufeinander zu, dass es selbst Zeitgenossen schwerfällt, die Geometrisierungen Klees und die Lockerungen Kandinskys voneinander zu unterscheiden. Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 setzt hier eine Zäsur. Beide Künstler ge
hen ins Exil. Den Neuansätzen, die sie in Paris und Bern entwickeln, gilt der 
abschließende Ausstellungsteil. Klee schafft wunderbar farbintensive Gemälde, die zunehmend von Todesbewusstsein geprägt sind. Kandinsky fin
det zu einer spielerischen Leichtigkeit.

180 Werke, darunter Leihgaben aus dem New Yorker Guggenheim 
Museum und dem Centre Pompidou in Paris, wurden für dieses Stelldichein zusammengebracht. Ab 21. Oktober gastiert die Ausstellung im Münchner Lenbachhaus.

Klee & Kandinsky

Die Ausstellung ist vom 19. Juni bis zum 27. September im Zentrum Paul Klee in Bern zu sehen.
http://www.zpk.org/