Patrick Angus in Stuttgart

Suche nach Nähe

In seinen Bildern widmete er sich der Schwulen-Szene in New York und Los Angeles der achtziger Jahren. Nach seinem frühen AIDS-Tod 1992 geriet das Werk des Künstlers Patrick Angus zunächst in Vergessenheit, jetzt widmet ihm das Kunstmuseum Stuttgart seine erste große Museumsschau.
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Patrick Angus: "A Shower at the Baths", 1984, 51 x 71 cm, Acryl auf Leinwand

Der Tod näherte sich bereits in großen Schritten, als Patrick Angus einen seiner schönsten Erfolge erlebte. Nicht irgendjemand interessierte sich für seine Arbeit, sondern David Hockney. Angus bewunderte den englischen Maler, der wie er homosexuell war und ebenfalls das schwule Leben unter der Sonne Kaliforniens gemalt hatte. Hockney kaufte gleich sechs Arbeiten des jungen Kollegen, der bald darauf, mit gerade 38 Jahren, an Aids starb.

Nach seinem Tod 1992 ist Angus’ Werk weitgehend in Vergessenheit geraten. Jetzt widmet das Kunstmuseum Stuttgart dem US-Maler die erste große museale Einzelausstellung – gezeigt werden auch die Werke aus Hockneys Sammlung. Angus malte Stripper, Saunaclubs und Schwulentreffs, Aktbilder und Schlafzimmerinterieurs. Er sei ein “einfühlsamer Künstler mit hoher Kunstfertigkeit und Beobachtungsgabe gewesen“, sagt Ulrike Groos. Die Direktorin des Kunstmuseums entdeckte die Gemälde von Angus in der Stuttgarter Galerie Fuchs, die heute den Nachlass verwaltet. Die Museumschefin war sofort angetan von der Aktualität des Werks. “Sexuelle Diversität ist eines der am meisten diskutierten gesellschaftlichen Themen“, sagt Groos. Und diese Gemälde seien “Metaphern für die Suche nach der eigenen Identität und geschlechtlichen Selbstfindung“.

Chronisten der Gay-Szene von New York

Angus, 1953 in Kalifornien geboren, studierte Kunst in Santa Barbara, zog zunächst nach Los Angeles und wurde schließlich zum Chronisten der Gay-Szene von New York. Fern der sonnigen Weite Kaliforniens malte der Künstler seine Modelle nun zunehmend in Innenräumen: Männer in dunklen Bars oder wie in “A Shower at the Baths“ (1984) selbstvergessen unter der heißen Dusche. Dabei geht es weniger um Sex und Provokation als eher um die Suche nach menschlicher Nähe. Selbst die Stripperszenen vermitteln nicht Lüsternheit, sondern ein Gefühl der Einsamkeit. Bemerkenswert sei auch das Zusammenspiel von kraftvollen Farben und einer schroffen und kantigen Formensprache, so Groos, “das macht den ganz eigenen Stil von Angus aus“.

Die Stuttgarter Retrospektive gibt mit mehr als 160 Gemälden und Zeichnungen einen Überblick über das Werk des Malers und widmet sich neben einem biografischen Teil auch kunsthistorischen Referenzen. Denn immer wieder habe Angus die Kunstgeschichte “auf die eigene Schwulenwelt uminterpretiert“, sagt Groos. So zeigt seine Version von Édouard Manets “Frühstück im Grünen“ nur Männer in freier Natur – selbstverständlich sind sie nackt.

Patrick Angus. Private Show
Umfangreiche und in Deutschland erste Retrospektive des US-amerikanischen Malers (1953–1992) mit über 200 Arbeiten. Das Werk des früh an AIDS gestorbenen Künstlers wurde jüngst als Wiederentdeckung international gefeiert
Kunstmuseum ,  Ausstellungen in Stuttgart